Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2014

17:54 Uhr

Börse Frankfurt

Dax verliert weit über 250 Punkte

Ölpreis-Crash, Griechenlands Politkrise, schwache Industrie-Daten aus Europa und China – es sind viele Faktoren, die den jüngsten Absturz verursachen. Der Dax beendet eine schwierige Woche mit einem Fünf-Prozent-Minus.

Börse am Abend

Ölpreis schickt Dax auf steile Talfahrt

Börse am Abend: Ölpreis schickt Dax auf steile Talfahrt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDer Dax ist zum Wochenausklang kräftig abgestürzt. Neben der Ölpreis-Talfahrt und der Regierungskrise in Griechenland sorgen zusätzlich schwache Konjunkturdaten aus Europa und China für Unsicherheit bei den Anlegern. Der Leitindex schloss 2,7 Prozent auf 9594 Punkten. Damit haben die Bären nach einem kurzen Bullen-Intermezzo am Donnerstag die Kontrolle auf dem Parkett wieder an sich genommen. Vor allem die Wall Street reagierte empfindlich auf den Ölpreis und riss den Dax spät weiter runter.

Die Börsianer zeigten sich enttäuscht von der kaum wachsenden Industrie in der Eurozone. Die Produktion war im Oktober im Vormonatsvergleich um 0,1 Prozent gestiegen - die Prognose hatte bei 0,2 Prozent gelegen. Der Anstieg vom September wurde zudem von ursprünglich 0,6 auf 0,5 Prozent nach unten korrigiert. Damit ergibt sich im Jahresvergleich ein Plus der Produktion von 0,7 Prozent. Die höchsten Produktionszuwächse wiesen die Irland, Litauen und Griechenland auf. Die stärksten Rückgänge traten in Frankreich und den Niederlanden auf.

Auch bei den chinesischen Branchenwerten hatte man mit stärkeren Zahlen gerechnet. Das Fabrikationsvolumen im Reich der Mitte wuchs im November anstatt 7,5 nur 7,2 Prozent im Jahresvergleich, wie das chinesische Statistikamt schon vor Frankfurter Handelsstart mitgeteilt hatte. Im Oktober hatte es noch zu einem Plus von 7,7 Prozent gereicht. Auch die ausländischen Investitionen legen nicht mehr so kräftig zu: Sie stiegen von Januar bis November noch um 15,8 Prozent und damit so langsam wie seit fast 13 Jahren nicht mehr.

„Die Daten deuten auf eine Wachstumsabschwächung im vierten Quartal hin“, sagte Ökonom Dariusz Kowalczyk von Credit Agricole CIB in Hongkong. Viele Beobachter halten eine Reaktion der Zentralbank für wahrscheinlich. Sie hatte kürzlich zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren den Leitzins gesenkt und die Märkte damit überrascht. 

Die schwachen Daten reihen sich damit in die Liste der aktuellen Stolpersteine für den Dax ein. Zuvorderst rangiert auf dieser Liste der Ölpreis. Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI war am Donnerstag erstmals seit fünf Jahren unter die 60-Dollar-Marke gerutscht. Die gesunkene Öl-Nachfrage wirft die Frage nach dem tatsächlichen Weltwirtschaftswachstum auf. Doch auch Euro-Sorgenkind Griechenland ist zurück auf der Agenda. Dort könnte es zu Neuwahlen kommen, sollten sich die Abgeordneten nicht auf einen neuen Staatspräsidenten einigen können. Investoren fürchten, dass die Gegner der Rettungspolitik von EU und IWF dann stärkste Kraft würden.

Durch die vielen Einflüsse, die zurzeit auf den Dax einwirken, zeigt sich dieser deutlich schwankungsanfälliger. So legte der VDax, der die Schwankungsbreite der Frankfurter Benchmark misst, am Freitag um elf Prozent zu. Nach dem Höchststand, den der deutsche Leitindex am vergangenen Freitag bei 10.093 Zählern markierte, beläuft sich der Abschlag auf Wochensicht bei fünf Prozent - dem größten Wochenverlust seit drei Jahren.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

30.12.2010

Es reicht nicht ganz bis zur 7000-Punkte-Marke, aber mit 6.914 Punkten hat der Dax bis Ende 2010 schon wieder kräftig aufgeholt.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

21. Januar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 21. Januar mit 9794 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt. Damit müssen sie sich aber noch gedulden.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte .

20. Juni 2014

Der Dax markiert bei 10.051 Punkten sein neues Allzeithoch.

2. Dezember 2014

Der Dax knackt nach über vier Monaten wieder die 10.000-Punkte-Marke. In der Spitze erreicht der Dax einen Punktestand von 10.038 Zählern.

4. und 5. Dezember 2014

Der Dax springt im Verlauf der EZB-Pressekonferenz bei 10.084 Punkten auf ein neues Rekordhoch. Doch bereits Minuten später fällt der Leitindex wieder unter die Marke von 10.000 Punkten. Am folgenden Freitag erreicht er mit 10.093 Punkten ein neues Allzeithoch.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

27. Januar 2015

Die mehrtägige Rekordjagd des Dax endet mit einem zwischenzeitlichen Allzeithoch von 10.810 Punkten.

13.Februar 2015

Ein Mix aus guten Konjunkturnachrichten und die lockere Hand der EZB hatten den Dax am Freitag, den 13. Februar 2015, das erste Mal in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke springen lassen. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen...

23. Februar 2015

Die neugewählte griechische Regierung sorgte mit ihrer unkonventionellen und forschen Art für mächtigen Aufruhr in der europäischen Politik. Vor allem die Unnachgiebigkeit, mit der die neuen starken Männer Griechenlands, Ministerpräsident Tsipras und Finanzminister Varoufakis, an ihren Wahlkampfversprechen festhielten, brachte die Verhandlungsparteien auf Konfrontationskurs. Nachdem sich die Finanzminister des gemeinsamen Währungsraumes am Freitagabend endlich auf eine Verlängerung der Hilfsprogramme für Hellas einigen konnten, markierte der Deutsche Aktienindex kurz nach seiner Eröffnung am Montag seinen aktuellen Höchststand von 11.158 Zählern.

10. April 2015

Und weiter geht die Rekordjagd. Der Dax kletterte zwischenzeitlich am 10. April zeitweise auf 12.390 Punkte. Seit Jahresbeginn hat der Index mehr als 25 Prozent zugelegt.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

10. April 2015

Der Dax erreicht sein Allzeithoch: 12.390,75 Zähler.

29.April 2015

Nach Langem Hin- und Her beim Index der vergangenen Wochen stehen die Zeichen beim Dax nun endgültig auf Korrektur. Im Laufe des Tages verlor der Index satte 3,2 Prozent auf 11.433 Punkte - der größte Tagesverlust des Jahres.

08. März 2016

Der Dax rutscht deutlich unter die 9.000er-Marke – zum ersten Mal seit anderthalb Jahren. Schon von Beginn des Jahres sind die Aktienkurse geschwächt. Als wesentlicher Grund gilt unter Beobachtern der stark gesunkene Ölpreis und der derzeit immer noch enge Zusammenhang zwischen dessen Entwicklung und der Aktienbörse.

31. März 2016

Das Minus im ersten Quartal 2016 beläuft sich auf gut sieben Prozent. Schon im März dreht aber die Stimmung zum Besseren, denn die US-Notenbank Fed verschiebt auch aus Rücksicht auf die nahende Brexit-Abstimmung ihre Zinserhöhungen.

24. Juni 2016

Die Briten haben sich für den Austritt aus der EU entschieden und lösen an den Märkten einen allerdings kurzen Ausverkauf aus. Der Dax fällt um fast sieben Prozent, holt in den Folgewochen aber rasch wieder auf.

9. November 2016

Die Amerikaner haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt. An der Wall Street schieben die Anleger vorher geäußerte Bedenken beiseite und setzen auf sinkende Steuern für Unternehmen und massive Infrastrukturmaßnahmen. Der Dow-Jones geht auf Rekordkurs. Nach und nach zieht auch der Dax an und etabliert sich wieder in der Fünfstelligkeit.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

Auch in der zweiten Reihe setzte sich die Talfahrt fort. Die Mid-Caps des MDax verloren 1,7 Prozent auf 16.374 Punkte. Der TecDax gab 1,5 Prozent nach auf 1331 Zähler. Der Leitindex der Euro-Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, notierte in Paris 2,9 Prozent niedriger bei 3067 Stellen. Durch die Bank weg verbuchten alle europäischen Leitindizes deutliche Verluste. In New York verlor der Dow-Jones-Index unter dem Druck des Öl-Preises über ein Prozent und kam zum Frankfurter Handelschluss auf 17.414 Punkte.

Nach den morgendlichen Konjunkturdaten der Industrie konzentrierten sich die Anleger am Nachmittag auf die Daten aus den Vereinigten Staaten. Die dortigen Erzeugerpreise signalisierten fehlenden Inflationsdruck. Im November gaben sie um 0,2 Prozent zum Vormonat nach. Bereinigt um Lebensmittel und Energie war die Tendenz unverändert. „Spekulationen auf eine Leitzinserhöhung werden von dieser Seite per saldo nicht forciert“, schrieb Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Edgar Cayce

12.12.2014, 08:41 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr wulff baer

12.12.2014, 10:44 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Edi Haas

12.12.2014, 14:45 Uhr

;) ;)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×