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10.07.2015

17:49 Uhr

Börse Frankfurt

Dax verpasst magisches Drei-Prozent-Plus nur knapp

Die Anleger belohnen die Athener Reformvorschläge mit einer Tagesrally. Die Hoffnung auf eine mögliche Einigung im griechischen Schuldenstreit innerhalb der nächsten Tage ist groß. Der Dax legte fast 350 Punkte zu.

Börse am Abend

Börsianer sind überzeugt: Ein Grexit kommt nicht

Börse am Abend: Börsianer sind überzeugt: Ein Grexit kommt nicht

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Düsseldorf/FrankfurtGroße Freude an den Aktienmärkten. Schon am Donnerstag hatte der Dax 2,3 Prozent zugelegt. Und am heutigen Freitag ging es noch weiter nach oben. Der gesamte Freitagshandel kannte von Anfang an nur eine Richtung. Am Ende schloss der deutsche Leitindex ganze drei Prozent fester bei 11.315 um Handelsauftakt fiel die Marke von 11.000 Punkten. Für die neuerliche Rally sorgten gleich zwei Entspannungssignale an den aktuellen Krisenherden - Griechenland und China.

In Schuldenstreit um Hellas hoffen Europas Anleger auf eine mögliche Einigung zwischen den Geldgebern und der Regierung Tsipras. Die griechische Administration hatte am gestrigen Abend neue Reformvorschläge an die Geldgeber übermittelt. Athen will mit Steuererhöhungen und einer Rentenreform die internationalen Gläubiger zu weiteren Milliardenhilfen bewegen und eine Staatspleite doch noch abwenden.

„Der Markt ist ganz zufrieden, dass die Regierung nun eine Reformliste vorlegt, die die Griechen am Sonntag erst abgelehnt hatten“, sagte Guillermo Hernandez Sampere von MPPM EK. Insgesamt habe die Angst vor einem Grexit die Märkte nicht zu sehr in Aufruhr versetzt, stellte er fest. Im Laufe des Vormittags häuften sich die wohlwollenden Aussagen europäischer Premierminister und Regierungschef, was auf den Märkten für Optimismus sorgte. Die Chance auf einen positiven Ausgang des nächsten Eurogruppen-Treffen sei nun wieder da.

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Nun gilt es für Premier Tsipras, seine Reformvorschläge durch das Parlament zu bringen. Dabei brodelt es gerade im linken Flügel seines Parteienverbundes Syriza. Am Morgen musste Tsipras Überzeugungsarbeit in eine Fraktionssitzung leisten, und war dabei anscheinend erfolgreich. Syriza werde seinen Kurs stützen, erklärte ein Fraktionssprecher. Noch am Abend - wahrscheinlich nach europäischem Börsenschluss - soll die Vollmacht für neue Verhandlungen durch die Volksvertretung erteilt werden.

Auch die Oppositionsparteien werden die Regierungsposition unterstützen, wie sie am Nachmittag bekannt gaben. Am Samstag soll die Eurogruppe über die Vorschläge beraten, vorher werde sie aber auf eine Beurteilung durch die Institutionen warten, wie Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Freitag bekannt gab. Die verbesserten Aussichten stützten die Gemeinschaftswährung - der Euro rückte im Mittagshandel 1,4 Prozent vor auf 1,12 Dollar.

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Auch die anderen Leitindizes liefen durch die Bank weg fester. Der Leitindex der Gemeinschaftswährung, der Euro-Stoxx-50 gewann 3,4 Prozent auf 3536 Zähler. In der zweiten Frankfurter Reihe fielen die Aufschläge etwas geringer aus. Die Nebenwerte des MDax rückten 2,2 Prozent vor auf 20.257 Stellen. Der TecDax zog um 3,4 Prozent an auf 1701 Punkte.

Rückenwind erhielt die Aktienmärkte auch vor der anhaltenden Erholung der chinesischen Börsen. Der in den vergangenen Wochen stark abgeschmierte Shanghai Composite konnte im Freitagshandel 4,6 Prozent zulegen. Die Regierung hatte zahlreiche Maßnahmen ergriffen um einen Totalabsturz entgegenzuwirken. Dies konnte die Anleger merklich beruhigen. Vor allem Kleinanleger hatten durch Panikreaktion für heftige Kursrutsche gesorgt. Mitunter sehen aber auch die institutionellen Akteure Probleme beim chinesischen Wirtschaftswachstum. In weniger betroffenen Hong Kong beendete der Hang Seng den Handel zwei Prozent fester.

Auch an der Wall Street zeigten sich die Börsianer erleichtert angesichts der neuesten Entwicklung, sowohl was Griechenland als auch China betrifft. Der Dow-Jones-Index legte zum Frankfurter Börsenschluss 1,2 Prozent zu auf 17.757 Punkte. Gespannt blickten die US-Anleger heute auf eine Rede der Janet Yellen. Die Fed-Chefin spricht beim City Club of Cleveland. Mit der Hoffnung auf weitere Hinweise zur Zinswende nach den wenig aufschlussreichen Notenbank-Protokollen vom Mittwoch spitzen die Börsianer ihrer Ohren. Die oberste Geldpolitikerin ihres Landes spricht am frühen Abend, wenn Europas Börsen schon geschlossen sind.

Statements gab heute auch der US-Finanzminister Lew von sich. Er nahm an einer Gesprächsrunde von Politico und Nasdaq über Amerikas fiskalische Zukunft teil. Dabei versuchte er die US-Anleger zu beruhigen und verneinte größere Wirkungen des Grexits auf die US-Wirtschaft. Er habe eine mögliche Lösung in dem Schuldenstreit vor Augen und mahnte der griechische Regierung Reformen an.

Kommentare (5)

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Ralf Bauer

10.07.2015, 09:20 Uhr

Nur ein kurzes Strohfeuer. Chinas Börsen sind am Zerfallen (und damit der letzte Tropfen Hoffnung, der uns nach 2008 vor Schlimmerem bewahrt hat), der Dow Jones steht kurz vor einem Absturz. Wir sind bereits mitten auf dem Weg in die Finanzkrise 2.0 - nur die Medien müssen es jetzt noch kommunizieren!

Frau Ich Kritisch

10.07.2015, 09:30 Uhr

sehe ich genauso!

Matt Anderson

10.07.2015, 09:40 Uhr

Die Börse bejubelt ein Papier! Wow!! Früher hieß es mal "Papier ist geduldig". Und bisher waren die Sachen, die die griechischen Regierungen auf ein Papier geschrieben haben, nicht das Papier wert auf dem sie standen. Aber mittlerweile gibt man sich schon mit Vorschlägen zufrieden. Das Ganze mit Taten unterlegen, ist da schon nicht mehr so wichtig. Hauptsache der Schein wird gewahrt.

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