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18.07.2014

18:08 Uhr

Börse Frankfurt

Dax verteidigt in Ukraine-Krise die 9700er Marke

Spätestens seit dem Flugzeug-Absturz hat die Ukraine-Krise Europas Märkte wieder fest im Griff gehabt. Die Angst vor einer Eskalation trieb die Kurse abwärts, doch eine erholte Wall Street lässt das Dax-Minus schmelzen.

Weltweite Konfliktherde drücken Kurse

Video: Weltweite Konfliktherde drücken Kurse

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FrankfurtDie Angst vor einer weiteren Eskalation im Ukraine-Konflikt hat die Märkte am Freitag weiter in Aufruhr versetzt. Mit dem wahrscheinlichen Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs in der Ostukraine erreichte der Konflikt eine neue Qualität und sorgte für große Verunsicherung bei den Anlegern. Die europäischen Börsen gingen auf Talfahrt, ehe eine versöhnlich gestimmte Wall Street für Stabilisierung sorgte

Am Ende ging der Dax mit 9720 Punkten 0,4 Prozent schwächer aus dem Handel. Zeitweise gab die Frankfurter Benchmark bis zu ein Prozent nach. Schon am Donnerstag hatte die tragische Meldung die mitteleuropäischen Handelsplätze kurz vor Schluss erreicht und einen erheblichen Kursrutsch eingeleitet.

Die schon vor dem Absturz beschlossene massive Verschärfung der US- und EU-Sanktionen gegenüber Russland schürte die Angst vor einer Konflikt-Zuspitzung, die die Konjunktur hemmen könnte. Anleger flüchteten aus dem Markt. Russland könnte die Strafmaßnahmen mit gleicher Münze zurückzahlen, lauteten die Sorgen.

„Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt und führen die amerikanisch-russischen Beziehungen zweifellos in eine Sackgasse“, drohte der russische Präsident Wladimir Putin während eines Brasilien-Besuchs mit Blick auf die US-Entscheidung. Das russische Außenministerium äußerte sich enttäuscht, dass die Europäer sich der „Erpressung der US-Regierung“ ergeben hätten.

Durch den Absturz des Flugzeuges wurde die Lage nun noch unübersichtlicher und eine Eskalation wird immer wahrscheinlicher. „Da die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine bereits hoch sind, besteht die Gefahr, dass die Krise außer Kontrolle gerät“, sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

„Eine noch weitere Verschlechterung der Beziehungen würde Erinnerungen an die Zeiten des Kalten Krieges wieder hochkommen lassen und die internationalen Finanzmärkte langfristig belasten“, sagte Niall Delventhal, Analyst des Brokers DailyFX. Auch die begonnene Bodenoffensive Israels im Gaza-Streifen sorgte für Besorgnis auf dem Parkett.

In der zweiten Frankfurter Reihe fielen die Abschläge ähnlich hoch aus. Die Nebenwerte im MDax verloren 0,4 Prozent bei 16.392 Punkten. Der TecDax gab 0,9 Prozent nach auf 1240 Zähler. Der Leitindex der Euro-Zone, der Euro-Stoxx-50, drehte gar ins Plus und notierte mit 3164 Stellen 0,2 Prozent höher.

In New York lief der Dow-Jones-Index zum Frankfurter Börsenschluss 0,6 Prozent fester bei 17.071 Punkten, gestützt von soliden Konzernergebnissen wie bei Google. Beruhigend wirkten auch die Signale beider Konfliktparteien im Ukraine-Konflikt den Maschinenabsturz neutral untersuchen zu lassen und eine Waffenruhe auszurufen.

Wirtschaftliche Daten traten im von den politisch-militärischen Krisen dominierten Marktgeschehen in den Hintergrund. Am Vormittag ließ die EU-Leistungsbilanz für den Mai die Märkte unberührt. Am Nachmittag erschien ein so nicht erwartet schlechter Konsumklima-Index aus Michigan. Den Aufwind an der Wall Street konnte das aber nicht bremsen.

Kommentare (22)

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Schwarzer Drache

18.07.2014, 08:44 Uhr

"Investoren fürchten eine Eskalation."

So einfach ist es nicht - zumindest folgt jetzt nicht unbedingt der Weltuntergang. Der Abschuss der Maschine ist in jedem Fall der Beweis, dass Putin entgegen seinen Beteuerungen zu wenig getan hat, um die Krise zu entspannen. Gleichgültig ob man Russland eine irgendwie geartete Beteiligung an dem Abschuss nachweisen kann, muss Putin jetzt mit ernsten bis sehr ernsten Konsequenzen rechnen.

Krisen wie diese sind allerdings gestaltbar, d.h. wenn Putin nun die gebotenen Schritte folgen lässt um die Kämpfe zu beenden, kann Putin das schlimmste abwenden, wenn ihm folgendes bewusst ist:
Der Abschuss einer Zivilmaschine mit US und EU-Bürgern an Bord stellt eine große Zäsur in diesem Konflikt dar. Die USA haben in der Vergangenheit etwas Vergleichbares zum Anlass genommen, um sich aktiv militärisch einzugreifen. In den USA wird der politische Druck auf die Regierung wird sicherlich zunehmen, den Konflikt offensiver beizulegen, schließlich sind gänzlich unbeteiligte US-Bürger zu tode gekommen. Außerdem wird Putin in der Öffentlichkeit als Lügner wahrgenommen, der zwar stets von friedlichen Absichten redet, jedoch hinter vorgehaltener Hand den Konflikt weiter anheizt. Mit anderen Worten: Die öffentlichkeit in den USA fühlt sich verar*scht, wenn nichts handfestes passiert. Bei ein paar laschen Sanktionen der Stufe 3 wird es dann unter Umständen nicht mehr bleiben können.

Für Russland und seine Bürger sehe ich schwarz, wenn Putin nicht sofort irgendwie einen Strategiewechsel vollzieht...

Sergio Puntila

18.07.2014, 08:53 Uhr

auch wenn es off topic klingen mag:
ein strategiewechsel stünde allen beteiligten an dieser ukraine-farce gut zu gesicht.
recht eigentlich muss sich die zivilisierte welt fragen, was sie noch alles tolerieren möchte beim kampf um die durchsetzung von interessen.
zivilisation bildet jedenfalls gegenwärtig wiedereinmal eine recht dünne haut um rohes barbarentum.
man kann so etwas zulassen oder sich dagegen verwenden - und zwar unabhängig von kurzfristpräferenzen.

Oliver Stock Jr.

18.07.2014, 08:56 Uhr

Guten Morgen farmer

ich habe wieder einen gefunden.

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