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21.07.2016

17:54 Uhr

Börse Frankfurt

Dax wenig beeindruckt von EZB-Sitzung

Wie erwartet ändert der EZB-Rat nichts an den Zinsen. Präsident Mario Draghi stellt eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms in Aussicht, doch für konkrete Maßnahmen sei es zu früh. Der Dax schließt minimal im Plus.

Börse am Abend

EZB behält ihren Null-Prozent-Leitzins bei - Dax sucht Richtung

Börse am Abend: EZB behält ihren Null-Prozent-Leitzins bei - Dax sucht Richtung

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FrankfurtAnleger haben am Donnerstag den Schwung rausgenommen. Nach den satten Gewinnen vom Vortag kam der Deutsche Aktienindex nicht wirklich vom Fleck. Auch die Ergebnisse der so wichtigen EZB-Ratssitzung vermochten keinen Charme zu versprühen – waren sie einfach viel zu vorhersehbar. Der Dax schloss auf 10.156 Punkten 0,1 Prozent im Plus. Wie erwartet beschloss das oberster Gremium der Europäischen Zentralbank keine neuen Großmaßnahmen und beließ sowohl Einlagen- als auch Leitzins auf ihrem bisherigen Niveau.

Die Aktienkurse reagierten nur geringfügig, entsprachen die Ergebnisse der Sitzung doch den Erwartungen der Märkte. Der Paukenschlag blieb aus und Mario Draghi tat etwas, was er selten tat: Er langweilte die Märkte. Auf der Pressekonferenz betonte der Präsident der EZB einmal mehr den Willen zu handeln. Wiederholt sprach er den Satz aus, den jeder Finanz-Korrespondent inzwischen wohl schlafend aufsagen kann: „Die Europäische Zentralbank werde alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichen innerhalb ihres Mandates ausschöpfen.“ Neu war lediglich die Ankündigung, das Anleihekaufprogramm bei Notwendigkeit so lange zu verlängern, bis die Inflationserwartungen den Zielen der Zentralbank entsprächen.

Achten die Börsianer sonst immer sehr genau auf jede einzelne Aussage Draghis, boten sich während der Pressekonferenz heute nur wenig neue Erkenntnisse. Die vieldiskutierte Frage, ob die EZB angesichts des Brexits ihr Anleihekaufprogramm modifiziert, beantwortete der Italiener mit einem Verweis in die Zukunft. Man müsse erst die Entwicklung der entscheidenden Daten abwarten, womit Mario Draghi auf die nächste Ratssitzung am 8. September vertröstete. Der oberste Währungshüter des Eurozone nahm einmal mehr die Politik in die Pflicht, sich nicht nur auf die Geldpolitik der EZB zu verlassen, und mahnte zu Reformen. Auch in Sachen italienische Bankenkrise äußerte er sich ähnlich.

Ökonom Christoph Kutt fasste es passend zusammen: „Im Prinzip war die heutige Sitzung eine Kopie der letzten.“ Es habe höhere Erwartungen über Andeutungen bezüglich Änderungen des Staatsanleihenkaufprogramms gegeben, die Draghi mit souverän technokratischer Langeweile heruntergespielt habe, so der Experte der DZ Bank. „Ein Erfolg für einen Zentralbanker.“

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Ohne neue Ergebnisse blieb auch die interessante Frage, wie es um die deutschen Staatspapiere bestellt ist. Denn langsam gehen der EZB die Bundesanleihen aus, die die Kriterien des Programms erfüllen. Aber auch bei anderen Obligationen stehen Engpässe im Raum. Das Problem: Laut Beschluss dürfen die Staatsanleihen, die gekauft werden können, im Minimum eine Rendite in Höhe des Einlagenzinses von aktuell 0,4 Prozent aufweisen. Die Euro-Währungshüter hatten die umstrittenen Käufe unter anderem deshalb auf Unternehmensbonds ausgeweitet. Der Rat beließ den Kapitalschlüssel aber unverändert und verwies auch hier auf seine nächste Sitzung. Der Eindruck war klar: Man wollte den Eindruck von Aktionismus verhindern und deswegen den politischen Kurs auf fundierte Füße stellen.

Auf den Devisenmärkten wertete der Euro nach der Ratssitzung etwas ab. Die Gemeinschaftswährung verbilligte sich auf 1,0991 Dollar. Nicht nur der Dax drehte nach einem wechselhaften Handel letztlich ins Plus, auch der Euro-Stoxx-50 zeichnete einen ähnlichen Verlauf. Mit 2.974 Punkten notierte der Leitindex der Währungsunion zum Handelsschluss 0,2 Prozent fester. Die zweite Frankfurter Reihe indes gab nach. Die Nebenwerte des MDax verloren 0,4 Prozent auf 20.783 Zähler, der TecDax rückte 0,2 Prozent vor auf 1667 Stellen.

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