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06.05.2011

18:07 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Woche klingt schwungvoll aus

ThyssenKrupp-Werte gaben den ganzen Tag dem Dax neben den beflügelnden US-Arbeitsmarktdaten neuen Schwung. Der Leitindex hat die Verluste der Woche beinahe aufholen können. Lufthansa-Aktien waren bei Anlegern gefragt.

Börse Frankfurt: Dax machte am letzten Handelstag noch viele Verluste wett. Quelle: dapd

Börse Frankfurt: Dax machte am letzten Handelstag noch viele Verluste wett.

Frankfurt/DüsseldorfÜberraschend positive Arbeitsmarktdaten aus den USA haben deutsche Anleger in Kauflaune versetzt. Der Dax schloss um ganze 1,56 Prozent auf 7.492 Punkte fester. Vor Bekanntgabe der Daten hatte er nur 0,5 Prozent im Plus gelegen. Am späten Nachmittag hatte er kurzzeitig die 7.500-Punkte-Marke erreicht. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 244.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Dies ist der stärkste Anstieg seit elf Monaten. Zugleich wurde der Stellenzuwachs des Vormonats auf 221.000 (von 216.000) nach oben korrigiert. Die auf einer separaten Haushaltsbefragung basierende Arbeitslosenquote stieg unterdessen leicht auf neun Prozent.
"Es wurden in vielen, vielen Branchen neue Stellen geschaffen, das ein ein ermutigendes Zeichen", sagte Mark Zandi, Chefvolkswirt bei Moody's Analytics. "Die angestiegene Arbeitslosenquote muss man im Kontext sehen. Die Zahl der Arbeitswilligen musste irgendwann steigen. Wichtig ist die Zahl der neugeschaffenen Stellen, auch wenn sich die breite Öffentlichkeit auf die Arbeitslosenquote konzentriert." Mit dem Stellenzuwachs erholt sich die weltgrößte Volkswirtschaft weiter von der schwersten Rezession seit den 30er Jahren. Dies ließ auch deutsche Anleger nicht kalt.

Der MDax zog um 1,45 Prozent auf 10 694,32 Punkte an. Der TecDax rückte um 1,31 Prozent auf 926,86 Punkte vor.  „Gestern schon hat der Dax einiges von den schlechten Vorgaben der Überseebörsen vorweggenommen“, sagte Chefhändler Oliver Roth von der Investmentbank Close Brothers Seydler.

ThyssenKrupp-Aktien im Blickpunkt

Nachdem Umstrukturierungspläne des neuen ThyssenKrupp-Chefs bekanntgegeben wurden stiegen die Aktien unangefochten an die Dax-Spitze auf. Mit 8 Prozent auf 32,22 Euro verzeichneten sie die größten Gewinne. Die Pläne zum Konzernumbau kamen somit bei den Anlegern gut an. Vor den US-Arbeitsmarktdaten hatten die Papiere einen Gewinn von rund 6 Prozent verzeichnet. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger will sich von der Edelstahlsparte und weiteren Firmenteilen trennen. Die Werte hatten bereits im vorbörslichen Handel 1,6 Prozent dazugewonnen. „Weitere Schritte zum Umbau des Unternehmens waren von den Analysten zwar erwartet worden, aber sicherlich nicht in dem Ausmaß“, sagte ein Börsianer. Der Geschäftsbereich Stainless mit einem Umsatz von 5,9 Milliarden Euro und mehr als 11.000 Mitarbeitern solle eigenständig werden, teilte ThyssenKrupp am Donnerstagabend mit. Die Sparte soll demnach ihre Position auch mit Blick auf potenzielle Partnerschaften weiterentwickeln. Auch andere Firmenteile, etwa in Autozuliefertöchtern, werden abgestoßen. Die Papiere stiegen zeitweise sogar um mehr als 9 Prozent.

Eine Kaufempfehlung der UBS und sinkende Ölpreise verhalfen der Lufthansa-Aktie zu kräftigen Gewinnen. In der vergangenen Woche haben die Preise für Brent und WTI um fast 14 Prozent nachgegeben. Vor allem am Donnerstagabend sorgten neue Zweifel an der Erholung der US-Wirtschaft für einen regelrechten Ausverkauf bei den Rohstoffen. Die Aktien der Fluggesellschaft schlossen 4 Prozent fester und waren damit die Favoriten im Dax. Trotz des überraschend hohen Verlustes im ersten Quartal bleibe er zuversichtlich, dass das Unternehmen operativ auf einem guten Weg sei, schrieb Analyst Jarrod Castle in einem Kommentar. Die Aussagen das Managements zum Ausblick seien ermutigend gewesen. Er rechne mit einer zunehmenden Auslastung und dank der Euro-Stärke mit rückläufigen Treibstoff-Kosten.

Mit dem Gesamtmarkt kehrten am Mittag auch die Aktien von BASF zurück ins Plus und notierten 3,65 Prozent fester. Der Chemiekonzern war mit einem Gewinnsprung ins Jahr gestartet, worauf einige Anleger zunächst mit Gewinnmitnahmen reagiert hatten. Auch die Papiere der Deutschen Telekom holten ihren bis zu 2,4-prozentigen Verluste wieder auf und kosteten zum Handelsschluss kaum verändert 11,23 Euro. Ein Einbruch im Auslandsgeschäft hat dem Unternehmen den Jahresauftakt vermiest. Die Zahlen seien wirklich dürftig ausgefallen, sagte DZ-Bank-Analyst Joeri Sels. Die Telekom kämpfe in fast allen Geschäftsbereichen und Ländern mit harten Marktbedingungen. Zum anderen sehe sich das Unternehmen mit regulatorischen und anderen staatlichen Eingriffen konfrontiert, wie etwa Sondersteuern. „Diesen Herausforderungen zu begegnen, wird eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Monate und Quartale sein“, erläuterte der Unternehmenschef Rene Obermann.

Während heute die Hauptversammlung abgehalten wurde stiegen die Commerzbank-Aktien und schlossen 1,65 Prozent fester -vormittags gehörten sie zu den größten Gewinnern im Dax. „Die jüngst vorgelegten Zahlen waren insgesamt besser als man das erwartet hatte“, sagte ein Händler. „Jetzt müssen sich einige Anleger wieder eindecken, die nach der Ankündigung der Kapitalerhöhung auf fallende Kurse gesetzt hatten.“ Die Commerzbank sieht sich auf Kurs zu ihrem Ziel eines operativen Gewinns von vier Milliarden Euro für das kommende Jahr. Am Freitag soll auf der Hauptversammlung der Weg für Kapitalmaßnahmen freigemacht werden, mit dem das Geldhaus einen Großteil der stillen Einlagen des Bundes zurückzahlen will.

Der Halbleiterkonzern Infineon baut seine österreichischen Standorte aus. Das Unternehmen investiere knapp 200 Millionen Euro in die Aufstockung seiner Fertigungskapazitäten sowie in Forschung und Entwicklung im Nachbarland, teilte Infineon am Freitag mit. Rund 400 neue Arbeitsplätze entstünden dadurch. Anleger waren von der Meldung nicht begeistert - die Aktien verloren daraufhin vorerst 0,7 Prozent, konnten sich dann aber dank dem Allgemeinmarkt in ein leichtes Plus von 0,4 Prozent retten.

Für Gesprächsstoff sorgten RWE-Aktien: Der Energiekonzern und der spanische Versorger Iberdrola standen vor wenigen Monaten Kreisen zufolge kurz vor einer 60 Milliarden Euro schweren Fusion. Iberdrola habe im Februar unmittelbar vor der geplanten Bekanntgabe des Zusammenschlusses aber einen Rückzieher gemacht. Die Papiere von RWE drehten ins Plus und notierten 0,47 Prozent höher bei 43,72 Euro.

Eon-Aktien waren das Schlusslicht im Dax. Die Papiere vom Energieriesen wurden heute mit einem Dividendenabschlag von 1,50 Euro gehandelt. Die Aktien notierten deshalb 5,6 Prozent schwächer bei 21,60 Euro. Einziger Verlierer neben Eon was Adidas. Die Aktien gaben 1,16 Prozent nach, nachdem sie am Vortag dank eines Analystenkommentars um mehr als 7 Prozent gestiegen waren.

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