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07.11.2013

17:18 Uhr

Börse Frankfurt

Dem Dax wird die Luft zu dünn

EZB-Präsident Mario Draghi gibt den Takt an den Börsen vor. Nach der überraschenden Zinssenkung schoss der Dax knapp an die Marke von 9200 Punkten – sackte am Ende aber wieder ab.

Nach dem Zinsentscheid des EZB ging es für den Dax rasant aufwärts - doch lange hielt er sich dort oben nicht. dpa

Nach dem Zinsentscheid des EZB ging es für den Dax rasant aufwärts - doch lange hielt er sich dort oben nicht.

FrankfurtMario Draghi hat die Katze aus dem Sack gelassen. Der EZB-Präsident hat den Leitzins um 0,25 Prozentpunkt auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gedrückt. Nach der überraschenden Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) stieg der Dax zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch von 9193,98 Punkten. Wenig später ging es dann aber schon etwas runter, zum Ende des Börsentages stand er auf 9.040,87 Zähler. Der Euro stürzte dagegen um mehr ein Prozent auf 1,3359 Dollar ab - erholte sich zum Börsenschluss auf 1,3388 Dollar.

Die Anleiherenditen fielen deutlich. Zehnjährige italienische Papiere warfen mit 4,064 Prozent so wenig ab wie seit Ende Mai nicht mehr. Die spanischen Renditen fielen auf ein Tagestief von 4,026 Prozent nach 4,144 Prozent im Schlussgeschäft des Vortages. Bundesanleihen wurden mit 1,688 Prozent verzinst (Mittwoch: 1,748 Prozent). Der EuroStoxx50 drehte nach der Zinssenkung zunächst auf 3099 ins Plus, sackte dann aber wieder ab, auf zuletzt Minus 0,44 Prozent.

Auch der Wall Street gingen die Kurse zu Handelsbeginn nach oben, kurz darauf änderten sie jedoch ihre Richtung: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stand zuletzt bei 15.678 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,51 Prozent auf 1.761 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor knapp ein Prozent auf 3.352 Punkte.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

„Vom Zeitpunkt her war das schon überraschend, wenn auch die EZB diesen Schritt als Option bereits kommuniziert hatte“, sagte Volkswirt Thomas Amend von HSBC Trinkaus. „Auslöser könnten die Inflationszahlen sein, die doch deutlich von dem entfernt sind, was die EZB anstrebt. Der realwirtschaftliche Effekt kann infrage gestellt werden, aber die Entscheidung hat einen starken psychologischen Effekt.“

Der Dax hatte sich am Vormittag in sehr engen Spannen bewegt. Zum Börsenstart lag der Leitindex bei 9035 Punkten, 0,1 Prozent im Minus. Mittags verbuchte das Marktbarometer ein minimales Plus von 0,04 Prozent auf 9045 Punkte. Obwohl der Leitindex kaum von der Stelle kommt, registrierten Anleger bei einzelnen Aktien starke Bewegungen.

Eine Senkung der Zinsen durch die EZB hatte kaum jemand erwartet. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter 70 Volkswirten rechneten nur drei der Befragten mit einer weiteren Senkung. Dem EZB-Chef bleiben nur noch 25 Basispunkte, bevor er Null erreicht. Allerdings könnte EZB-Chef Draghi weitere Maßnahmen der EZB für Dezember in Aussicht stellen - etwa neue milliardenschwere Geldspritzen für die Banken.

Für eine Senkung sprachen im Vorfeld etwa die im Oktober auf 0,7 Prozent gefallene Inflation in den 17 Euro-Staaten war im Oktober auf 0,7 Prozent gefallen. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone lag mit 12,2 Prozent indes auf einem Rekordhoch, höher als von den meisten Ökonomen erwartet. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist desaströs.

Kommentare (88)

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Programmierer

07.11.2013, 08:23 Uhr

Ich warte doch nicht auf Draghi, meine 200% mache mit der Muenchner Rück. Dax wird wie üblich zwischen 9025 und
9050 hin und hergeschoben. Bei einer Zinssenkung allerdings auf 9200 steigen, wenn nichts passiert dann bleibt es die nächsten Tage langweilig

Klolektuere

07.11.2013, 08:25 Uhr

Und wieder der tägliche Faktencheck der CHARTlatane.

- Der DAX sollte gestern von 9009 bis 9040 steigen und dann bis 9000 fallen, um danach bis 9055 zu klettern. Nach einem Hoch bei ca. 9060 fiel der DAX nur bis 9020. 9000 wurden noch nicht erreicht. --> FEHLEINSCHÄTZUNG

- Charttechnischer Ausblick: Der DAX steigt heute früh voraussichtlich bis 9050 und fällt dann auf 9000/9002.

Diversity

07.11.2013, 08:28 Uhr

Ich streue lieber in M&Ms (mit Erdnüssen) und Schoko-Bons. Auch hier sollte man die Preisentwicklung im Auge behalten. Gerade vor Weihnachten kann es da zu Anomalien kommen.

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