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01.08.2012

17:47 Uhr

Börse Frankfurt

Der Dax in den Fängen der Notenbanken

Heute kontrollierten die Zentralbanken das Geschehen an den Börsen. Bis zum Schluss ergriffen die Anleger nicht die Initiative, da die Unsicherheiten über die Entscheidungen der EZB und der Fed zu groß sind.

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FrankfurtZäh und behäbig spielte sich der Handelstag am Mittwoch ab. Bei sehr niedrigen Umsätzen schloss der Dax heute 0,3 Prozent im Minus auf 6.754 Punkte. Die zweite Reihe zeigte sich heute in besserer Form. Der MDax ging mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 10.877 Punkten aus dem Handel und der TecDax notierte 0,8 Prozent fester auf 784 Zähler.

Der Grund für die Unentschlossenheit der Anleger waren die Zentralbanken in den USA und in Europa. Am Abend (20:15 Uhr) wird Fed-Chef Ben Bernanke eine Erklärung über das geldpolitische Vorgehen der US-Notenbank abgeben. Eine geldpolitische Lockerung (QE3) erwarten die Experten nicht. Das Statement "könnte aber die Konjunkturrisiken stärker betonen als zuletzt und damit Spekulationen schüren, dass zusätzliche Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik auf der nächsten Sitzung Mitte September beschlossen werden", sagte Helaba-Analyst Christian Schmidt.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) folgt morgen mit ihrer Sitzung. "Die Glaubwürdigkeit von EZB-Chef Mario Draghi steht auf dem Spiel, der Zentralbank bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als mit einem starken Maßnahmenpaket aufzuwarten", sagte David Thebault von Global Equities. Draghi hat mit seinem Bekenntnis zur Rettung des Euro in der vergangenen Woche hohe Erwartungen geschürt. Einige Experten befürchten allerdings, dass die Erwartungshaltung der Investoren gegenüber der EZB zu groß sind. Viele erhoffen sich nach den verheißungsvollen Worten Draghis im Vorfeld an die EZB-Sitzung große Taten. Es wird spekuliert, dass die EZB ihr seit Monaten ruhendes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen reaktiviert, um Druck von Schuldenstaaten und zugleich den Euro aus der Schusslinie zu nehmen. Die Bundesbank sieht das allerdings kritisch.

Die Aktienexperten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) weisen zudem darauf hin, dass mit der zuletzt vollzogenen Rallye schon sehr viel positive Erwartung eingepreist wurde. Sollten diese Anleger jetzt enttäuscht werden, könnte es an den Börsen schnell wieder bergab gehen.

"Die von Draghi ausgelöste Rally wird von der Erkenntnis gebremst, dass seine kühnen Worte für Politiker eine andere Bedeutung haben als für Marktteilnehmer", sagte Akteinhändlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. Außerdem realisierten Investoren, dass die derzeit erfolgversprechendste Lösung - die Ausstattung des ESM mit einer Banklizenz - derzeit die geringsten Chancen auf Verwirklichung habe.

Händler sagten, die Gefahr sei, dass jedwede Aktion der EZB doch nur wieder Zeit kaufen, das Problem aber nicht lösen werde. "Der Markt reagiert kurzfristig, und wir wissen, dass wir ein langfristiges Problem haben", sagte einer von ihnen. "Letztlich ist die EZB für eine stabile Geldpolitik verantwortlich und nicht für politische Entscheidungen."

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An den Aktienmärkten standen heute einige Quartalszahlen auf dem Tagesplan. Schon vor Börsenbeginn veröffentlichten Henkel und BMW ihr Zahlenwerk. Henkel hat dank florierender Geschäfte seiner Klebstoff- und Waschmittelsparten im zweiten Quartal deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn verbucht. Konzernchef Kasper Rorsted sieht sich damit auf Kurs zum Erreichen seines Jahresziel einer bereinigten Umsatzrendite von 14 Prozent. Auf die Aktien konnten sich die guten Unternehmenszahlen zunächst nicht auswirken, später zogen die Henkel-Papiere dann an. Am Ende stand bei Henkel ein Plus von 1,7 Prozent.

Kommentare (59)

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Account gelöscht!

01.08.2012, 08:25 Uhr

Moin zusammen!
Hab ich mit meiner Prognose den DAX-Tagesverlauf gestern betreffend ganz gut gelegen. Hätte am Ende des Tages nur ein etwas größeres Minus erwartet.
Aber egal. Ein jeder wartet auf die Entscheidungen der Notenbanken und die Erwartungen sind groß -> Enttäuschungspotential ist vorhanden, eine große Überraschung im Sinne darüber hinaus gehender Notenbankhilfen erwarte ich nicht.

Abgesehen davon können Notenbanken keine Arbeitsplätze schaffen, nur Zinsen senken und für zusätzliche Liquiditiät sorgen. Zinsen sind in den USA aber im Keller und Liquidität ist im Übermaß vorhanden. Der Dow Jones steht bei 13.000 Punkten und ist damit nicht weit von seinem Allzeithoch entfernt. Natürlic ist die Arbeitslosiglkeit in den USA ein Riesenproblem, zumal sie erheblich größer ist als die Statistik uns vorlügen soll. Aber eine Wirtschaft die zu ca. 70% auf Konsum aufgebaut ist, in der viele Konsumenten heillos überschuldet sind und in der die Armut grassiert kann nicht über Nacht explosionsartig anfangen zu wachsen.
Und die Öffentlichen kommen auch an ihre Grenzen. Einige Städte hat's schon erwischt, einige Bundesstaaten stehen kurz davor und die USA selbst sind der größte Schuldner der Welt. Sieht alles nach einem deflationären Umfeld aus. Aber wenn der Zinssatz schon bei 0% liegt und Liquidität im Übermaß vorhanden ist, was soll die FED noch dagegen tun?

Account gelöscht!

01.08.2012, 09:01 Uhr

Das ist schon richtig. Meine Überlegung ist allerdings, dass dann, wenn die EZB/FED Staatsanleihen kaufen die Zinsen sinken und dann wieder mehr Geld für den Aktienmarkt da ist, da die Investoren weniger Anleihen und mehr Aktien kaufen. Das würde dann für steigende Kurse sprechen, oder?

Account gelöscht!

01.08.2012, 09:10 Uhr

Theoretisch schon. Aber momentan schlagen sich die Ivestoren ja um die de facto negativ verzinsten Bonds von Deutschland, GB und USA.
Alle Länder deren Anleihen hohe Renditen bringen würden sind praktisch pleite und daher werden sie gemieden.
Ein weiteres Problem ist, dass Unsummen im Bankensektor einfach hängen bleiben und nicht in der Realwirtschaft ankommen. Wenn es nur nach der Geldmenge ginge müssten wir bereits eine hohe Inflation haben. Aber dazu müsste die Geldumlaufgeschwindigkeit steigen, und das kann sie nicht solange die Banken die Liquidität nicht in Form höherer Kreditvergabe rausrücken.

Man muss aber auch ganz klar sagen: An der Börse geht es nicht ums Rechthaben sondern ums Geldverdienen. Ich habe den aus meiner Sicht logischen Standpunkt vertreten. Ob die Masse der Investoren das auch so sieht bleibt abzuwarten.

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