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22.10.2014

17:40 Uhr

Börse Frankfurt

Der Dax legt weiter zu

Das deutsche Börsenbarometer konnte den dritten Handelstag der Woche mit einem Plus beenden. Die Anleger zeigen sich aber vor der Veröffentlichung des EZB-Bankenstresstests nervös. Morgen geht der Blick nach Stuttgart.

Börse am Abend

Der Dax zeigt Stärke

Börse am Abend: Der Dax zeigt Stärke

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FrankfurtDie Konjunktursorgen scheinen am deutschen Aktienmarkt vorerst in den Hintergrund zu rücken: Am Mittwoch hat der Dax wieder die Marke von 8900 lässig überwunden und schloss mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 8940 Zählern deutlich darüber. Auch die 9000 Punkte scheinen allmählich wieder in Schlagweite.

Der Leitindex war wegen anhaltender Sorgen um die Weltwirtschaft in den vergangenen Wochen im Zickzack-Kurs bis auf 8355 Punkte abgerutscht. Am Dienstag hatte der Dax in der Kernhandelszeit aber wieder knapp zwei Prozent gewonnen. Für den MDax der mittelgroßen börsennotierten Unternehmen ging es am Mittwoch um 1,0 Prozent auf 15.583 Punkte hoch. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 1,5 Prozent auf 1207 Punkte. 

Wenige Tage vor der Veröffentlichung des EZB-Bankenstresstests nimmt allerdings die Nervosität der Anleger zu. Viele hielten sich am Mittwoch zurück, sagten Händler. Für Unruhe sorgte ein Bericht der spanischen Nachrichtenagentur EFE, wonach mindestens elf Banken aus sechs Euro-Ländern den seit Monaten laufenden Fitnesscheck der Aufseher nicht bestanden haben.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

EFE zufolge dürften drei griechische, drei italienische, zwei österreichische, eine zyprische, eine portugiesische und womöglich eine belgische Bank den Test nicht erfolgreich absolviert haben. Insgesamt wurden 130 Institute, darunter 24 aus Deutschland, auf Herz und Nieren geprüft. Die Ergebnisse sollen am Sonntag bekannt gegeben werden.

Belastet wurden die Märkte auch durch wieder etwas gedämpfte Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik. Das belgische EZB-Ratsmitglied Luc Coene betonte, dass es keine konkreten Pläne zum Ankauf von Unternehmensanleihen gebe. „Es liegt kein konkreter Vorschlag auf dem Tisch“, sagte er. Wie mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten, bereiten die Notenbanker um Präsident Mario Draghi hinter den Kulissen den Kauf von Unternehmensanleihen vor

Und wie geht es nun am Gesamtmarkt weiter? Das Handelsblatt Dax-Sentiment, das wöchentlich die Stimmung unter den Anlegern ermittelt, hat am Montag eher steigende Kurse signalisiert. „Angelaufene Rally ist nachhaltig“ lautete die Überschrift. „Nun sollten alle nervenschwachen Anleger aus dem Markt sein, so dass ein – wenn auch nur geringes – Kaufinteresse kaum auf Verkaufspositionen trifft, was zu steigenden Kursen führt“, meinte Stephan Heibel vom Analysehaus animusX, das die Umfrageergebnisse auswertet.

Kommentare (9)

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Herr Thomas Albers

22.10.2014, 08:14 Uhr

"Er fürchtet jedoch zunächst noch weitere Verluste. Als Grund dafür nennt er Anpassungen der Gewinnerwartungen in Anbetracht "eines möglichen Konjunkturschocks"."

Die Angst und Skepsis ist wieder verschwunden, so dass manche wohl angesichts der EZB-Möhre befürchten, zu kurz zu kommen. Nur: Das mit den Konjunktursorgen und der Zinsangst waren ja kein Scherze, sondern begründete Schlussfolgerungen. Einen Hinweis liefert etwa die Brent-Notierung - für rosige Aussichten viel zu niedrig.



Herr Dr. Peter Lustig

22.10.2014, 11:49 Uhr

@Schwarzer Drache

Du kommentierst in meinen Augen etwas nebulös.

Was für eine Meinung möchtest Du denn konkret äußern? Konjunktursorgen und deshalb erwartest Du (in einer Spanne) weiter fallende Kurse oder Wirken der EZB-Möhre?

Wie will man denn so etwas lernen?:-)

Herr Thomas Albers

22.10.2014, 12:27 Uhr

"Wirken der EZB-Möhre"

Wenn ich jemandem eine Karotte vor die Nase halte, beginnt er zu laufen. Die Frage ist, würden Sie laufen, wenn ich dies mit Ihnen machte - bzw. wie lange würden Sie das tun, bevor Sie den Trick durchschauen würden?

Wenn ich jetzt dem Anleger jedesmal die EZB-Möhre vors Gesicht halte, wie lange läuft er, bis er merkt dass er sie nicht satt macht - bis er merkt, dass sie realwirtschaftlich nutzlos is?

Und wie lange läuft der Hase im Oktober, wenn man ihm nur verspricht eventuell in drei Monaten etwas in Richtung Karotte zeigen zu machen?

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