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17.03.2011

15:53 Uhr

Händler an der Frankfurter Börse: Die Angst vor einem Super-GAU in Japan beunruhigt die Märkte. Quelle: dapd

Händler an der Frankfurter Börse: Die Angst vor einem Super-GAU in Japan beunruhigt die Märkte.

FrankfurtDer drohenden Super-GAU in Japan könnte womöglich abgewendet werden.

Diese Hoffnung hat den Dax am Donnerstag im Plus schließen lassen. Der deutsche Leitindex gewann 2,2 Prozent auf 6656 Zähler. Seit der Erdbebenkatastrophe am Freitag ist der Leitindex um 5,8 Prozent abgerutscht. "Es gibt die Hoffnung, dass der drohende Super-Gau in Japan doch noch abgewendet werden kann", sagte ein Händler. "Wie berechtigt diese Hoffnungen sind, weiß derzeit allerdings niemand." Insgesamt bleibe die Lage fragil und hänge sehr stark von den jeweiligen Nachrichten ab, sagte Klaus Stabel, Chefanalyst bei ICF. Das Schicksal des schwerbeschädigten japanischen Atomkomplexes Fukushima hängt nun möglicherweise von einem Starkstromkabel ab. Die Leitung soll die Kühlpumpen mehrerer nach dem Jahrhundert-Beben heißgelaufener Reaktoren wieder in Gang setzen und damit das Schlimmste verhindern.

An der Tokioter Börse hatte der Nikkei-Index 1,4 Prozent im Minus geschlossen - deutlich weniger als am Mittwoch die Wall Street und die Börsen in Europa eingebüßt hatten, deren Verluste sich wie beim Dax auf rund zwei Prozent beliefen. Allerdings zogen japanische Anleger in Scharen ihre Yen aus dem Dollar-Raum ab und trieben damit ihre Landeswährung zum Dollar zeitweise auf ein Rekordhoch. Sie wollen damit den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete sowie die Bewältigung der Atomkatastrophe finanzieren.

Japans Notenbank pumpte erneut weitere 45 Milliarden Euro in die Märkte, um Engpässe bei der Liquiditätsversorgung der Unternehmen und Banken zu verhindern. Wirtschaftsminister Kaoru Yosano sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Finanzmärkte in der drittgrößten Volkswirtschaft noch stabil genug seien, um ohne ein G7-Eingreifen auszukommen. Auch seien keine Stützungskäufe der Regierung am Aktienmarkt nötig. Noch am Donnerstag wollten sich die G7-Minister in einer Telefonkonferenz über die wirtschaftlichen Folgen des schweren Erdbebens und der Atom-Katastrophe beraten.

Anleger auf der Suche nach Krisen-Profiteuren

Auch bei Einzelwerten blieben die Folgen des Japan-Bebens das entscheidende Thema. Die vergleichsweise moderate Schadenschätzung des Risikospezialisten Eqecat hellte die Stimmung für die Versicherer wieder etwas auf. Münchener Rück  und Hannover Rück  legten gut vier Prozent zu, nachdem sie an den vergangenen fünf Handelstagen jeweils mehr als elf Prozent verloren hatten. Allianz  notierten ebenfalls über vier Prozent fester. In der Schweiz rückten die Titel des Rückversicherers Swiss Re 2,4 Prozent vor, Prudential lagen in London 2,45 Prozent fester. Eqecat nannte für die versicherten Schäden durch das Erdbeben und die Tsunami-Flutwelle eine vorläufige Schätzung von zwölf bis 25 Milliarden Dollar. Die Risikomodellierungsfirma AIR Worldwide hatte jüngst die Erdbebenschäden alleine auf 15 bis 35 Milliarden Dollar taxiert.

Deutlich zulegen konnten im Dax auch Siemens mit einem Plus von 4,4 Prozent. "Siemens wird als Anbieter von Gas-Turbinen zu den Profiteuren einer Abschaltung von Kernkraftwerken gehören", erklärten die Analysten der Unicredit. Gefragt waren auch die Aktien von HeidelbergCement, die 4,7 höher und damit an der Spitze des Leitindex notierten. Der Baustoffkonzern verspricht sich vom Wiederaufbau in Japan zusätzliche Geschäftschancen.

Nach anfänglichen Gewinnmitnahmen zogen auch die Solarwerte wieder an. Händler erklärten, viele Anleger setzten angesichts der Katastrophe in Japan auf alternative Energieanbieter. Sie belegten auch heute wieder die Spitzenplätze im TecDax. Die Aktien des Windkraftanbieter Nordex stiegen um mehr als 13 Prozent, QSC um 11,9 Prozent und SMA Solar um 6 Prozent.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

17.03.2011, 11:22 Uhr

Gestern war der DAX zunächst auch im Plus. Aber dann kam das böse Ende. Schnäppchenjäger sind halt unbelehrbar. Siehe auch: http://www.start-trading.de/blog/2011/03/17/boersianer-sie-wollten-nicht-hoeren/

Wie kann man Aktien kaufen, wenn jede Minute die Kraftwerke in Japan explodieren können? Das Börsenvolk eben (Kopfschüttel).

Account gelöscht!

17.03.2011, 11:25 Uhr

Der DAX war gestern auch zunächst im Plus, dann kam das bittere Ende. Die Schnäppchenjäger lernen es halt nie, siehe auch: http://www.start-trading.de/blog/2011/03/17/boersianer-sie-wollten-nicht-hoeren/

Wie kann man in diesem Moment Aktien kaufen, wenn jeden Moment die Reaktoren in Japan der Welt um die Ohren fliegen werden. Das Börsenvolk eben (Kopfschüttel).

dejong

17.03.2011, 14:02 Uhr

Bei hohen Risiken gibt es eben auch große Chancen. Manche haben eben diese Zockermentalität. So lange jeder das mit seinem eigenen Geld macht, ist dagegen nichts einzuwenden.

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