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20.09.2016

18:32 Uhr

Börse Frankfurt

Deutsche Bank schließt nur knapp über dem Allzeittief

Der Dax beendet einen ruhigen Handelstag leicht im Plus. Das Treiben an der Frankfurter Börse war vor dem Zinsentscheid in den USA überschaubar. Die Deutsche Bank allerdings erfährt erneut massive Verluste.

Börse am Abend

Nach einem mühsamen Tag: Dax schließt leicht im Plus

Börse am Abend: Nach einem mühsamen Tag: Dax schließt leicht im Plus

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Düsseldorf/FrankfurtEinen Tag vor wegweisenden geldpolitischen Entscheidungen haben sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt kaum aus der Deckung gewagt. Der Dax rettete am Dienstag nur ein kleines Plus von 0,19 Prozent auf 10.393 Punkte über die Ziellinie. Zwischenzeitlich nahm der Leitindex Kurs in Richtung der Marke von 10.500 Punkten, am Nachmittag allerdings ging etwas die Puste aus.

Am Montag waren die Kurse noch merklich in die Höhe gegangen, nachdem in der Vorwoche Verluste vorherrschten. „Im Moment ist viel Zurückhaltung angesagt”, sagte Marktstratege Heino Ruland von Ruland Research. „Warum sollte man auch irgendetwas tun“, fragte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. „Jeder hat sich für diese Ereignisse positioniert und es gibt keine neuen Informationen, die Grund zur Neupositionierung wären.“

Die meisten Anleger sind mittlerweile der Auffassung, dass die US-Notenbank Fed zur September-Sitzung von einer Zinserhöhung absehen wird – sie sehen die Wahrscheinlichkeit bei lediglich zwölf Prozent.

Wenige Stunden vor der Fed wird die japanische Notenbank Insidern zufolge den Strafzins auf Zentralbank-Einlagen verschärfen, um die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Außerdem könnte sie nach Einschätzung von Experten das Gewicht ihrer Anleihekäufe auf kürzer laufende Titel verlagern, weil deren Renditen richtungsweisend für die Zinsen von Unternehmenskrediten sind. Japanische Versicherer und Pensionsfonds würden sich angesichts der dadurch drohenden Kursverluste bei lang laufenden Bonds sicher in Europa und den USA nach Alternativen umsehen.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Diese Spekulationen drückten die Renditen der 30-jährigen Papiere aus Deutschland, Frankreich, Finnland, Österreich und den Niederlanden um jeweils etwa 0,1 Prozentpunkte. Die 30-jährige Bundesanleihe rentierte bei 0,57 Prozent. Der Bund-Future, der auf den zehnjährigen deutschen Titeln basiert, gewann 48 Ticks auf 164 Punkte.

Auch im MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen herrschte am Dienstag eher Zurückhaltung vor. Bis zum Handelsschluss stieg der Index um 0,18 Prozent auf 21.232 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax fiel sogar leicht um 0,03 Prozent auf 1773 Punkte.

„Allein die Hoffnung, dass die Geldschleusen in näherer Zukunft noch einmal ein Stück weiter geöffnet werden, lässt den Markt sich auf recht hohem Niveau stabilisieren“, erklärte Marktbeobachter Jens Klatt. Mittelfristig rechne er jedoch mit einem Rückschlag.

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