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05.06.2013

17:58 Uhr

Börse Frankfurt

Die Angst der Anleger vor dem Exit

Die Milliarden der Fed haben Spuren hinterlassen. Der Dax kann ohne die Gelddroge der Notenbank nicht mehr steigen. Die Realwirtschaft wird immer unwichtiger für die Börsen – schlimmer noch. Sie wird zu einem Hindernis.

"Abhängige" Anleger verkaufen nach Notenbank-Schelte

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FrankfurtDie Börsen zittern sich seit Wochen durch die Handelstage. So auch heute. Schon im Vorfeld neuer Konjunkturzahlen aus den USA gingen die Anleger in Deckung. Der Dax sackte schon zum Start ins Minus ab und konnte sich von diesem bis zum Schluss nicht befreien. Am Ende schloss der Leitindex rund 1,2 Prozent niedriger auf 8.196 Punkte. Die zweite Reihe verlor ebenfalls. Der MDax gab 1,5 Prozent nach auf 13.791 Punkte und der TecDax lag 0,8 Prozent im Minus auf 951 Zähler.

Angst jagen den Anleger derzeit die USA ein. Kaum ein Investor ist sich wirklich sicher wie lange das umfangreiche Fed-Engagement noch dauern wird beziehungsweise wann der Zeitpunkt kommt, ab dem die Notenbank ihre Unterstützung zurückfährt. Sicher ist nur, dass sie es tun wird und zwar dann, wenn nachhaltige Verbesserungen in der heimischen Wirtschaft insbesondere auf dem Arbeitsmarkt verzeichnet werden.

Deswegen hoffen Aktionäre seit Wochen auf schwache Wirtschaftsdaten. Es mag paradox klingen aber das derzeitige Börsengeschehen folgt genau diesem Duktus. Schuld daran sind unter anderem die Notenbanken selbst, die mit ihren laxen Geldpolitik für eine zunehmende Entkopplung der Börsen von der Realwirtschaft gesorgt haben.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

7. November 2013

Neuer Rekord: Der Dax steigt zwischenzeitlich auf ein Allzeithoch von 9193 Punkten, gab bis zum Handelsende aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Zum Börsenschluss reichte es für 9081 Punkten. Die Anleger feierten die überraschende Senkung des Leitzinses durch die EZB auf 0,25 Prozent.

25. November 2013

Der Dax beginnt die neue Handelswoche mit einer Rekordjagd. Schon in den ersten Minuten springt der Index über das alte Rekordhoch von 9254 Punkten und pendelt bereits vormittags an der Marke von 9300 Punkten.

2. Dezember 2013

Trotz eines ruhigen Präsenzhandels konnte der Dax an diesem Montag eine neue Bestmarke setzen: Er stieg am Vormittag bis auf 9424,83 Punkte.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

4. Februar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 17. Januar mit 9789 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt und werden enttäuscht: Gegen Monatsende geht dem Dax die Puste. Am 31. Januar schließt er bei 9349 Punkten und läutet den Februar mit fallenden Kursen ein.

In den Reihen der Fed werden nun auch Stimmen lauter, die eine baldige Beendigung der Anleihekäufe der Notenbank fordern. So sagte die Präsidentin der Fed von Kansas, Esther George, am Dienstag laut Redetext, dass das Tempo bei den Staatsanleihekäufen gedrosselt werden solle. "Ein langsameres Tempo bei den Ankäufen bedeutet, dass man weniger Gas gibt, nicht, dass man auf die Bremse tritt.

George befürchtet, dass gefährliche Blasen auftreten, wenn die Fed zu lange an ihren massiven Konjunkturstützen festhält. Es bestehe die Gefahr von Instabilität im Finanzsystem und Inflationsdruck in der Zukunft. Am Markt werde die ultralockere Geldpolitik inzwischen als "konventionell" bewertet, sagte sie. Die Verantwortlichen dürften sich nicht von den Märkten die Richtung vorgeben lassen. Richard Fisher, Fed-Präsident von Dallas, fügte provokant hinzu: "Menschenskinder, wir können nicht in der Furcht leben, dass der Markt unglücklich sein wird, weil wir ihm nicht das Geld-Kokain geben."

Kommentare (29)

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Angsthase

05.06.2013, 08:38 Uhr

Fallen wir heute unter die 8200?

vandale

05.06.2013, 08:43 Uhr

Grundsätzlich sind die meisten Altindustriestaaten soweit verschuldet, dass diese bei nennenswert höheren Zinsen in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Demzufolge ist es unrealistisch anzunehmen das die BOJ, die EZB, oder die FED eine starke Erhöhung der langfristigen Zinsen hinnehmen würden.

Der Abstand zwischen den Dividendenrenditen stabiler Unternehmen mit sehr guter Bonität und Staatsanleihen mit sehr guter Bonität ist gross genug um weitere Aktienkursanstiege zu rechtfertigen.

Vandale

PS: Ich vermute, dass der € in seiner Existenz keine Realzinsen mehr sehen wird.

Ignore_the_Noise

05.06.2013, 08:59 Uhr

Dieser Typ geht mir mit seinem (zugegeben gut getimten) Geschwafel auf den Keks:

Dr. Doom Marc Faber: Don't Bet on New Market Highs

Wie schwer ist es, zum aktuellen Zeitpunkt mit einem (undefinierten) Marktrückgang zu rechnen?

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