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01.08.2011

17:50 Uhr

Börse Frankfurt

Die Angst ist zurück – Dax stürzt unter 7.000 Punkte

Es hatte so gut begonnen: Fast zwei Prozent gewann der Dax am Vormittag. Doch die Stimmung kippte am Nachmittag rapide: Angeführt von Finanzwerten stürzte der Dax auf den tiefsten Stand seit März.

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Nachdenklichkeit ob der massiven Verluste. Quelle: dpa

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Nachdenklichkeit ob der massiven Verluste.

FrankfurtDer Kompromiss im US-Schuldenstreit hielt am Aktienmarkt nur kurze Zeit vor. Nachdem der Dax mit deutlichen Gewinnen in den Handelstag gestartet und in der Spitze um 1,8 Prozent auf 7.282 Punkte geklettert war, kippte die Stimmung am Nachmittag. Nach schlechten Konjunkturdaten aus den USA beschleunigte sich die Talfahrt und der Dax brach komplett ein. Am Nachmittag brach der deutsche Leitindex dann ein. Bis Handelsschluss verlor der Dax noch einmal deutlich um 2,9 Prozent um mehrere hundert Punkte auf 6.953,98 Zähler.

Die US-Börsen legten nach solidem Start ebenfalls den Rückwärtsgang ein. Allerdings fielen die Verluste wesentlich moderater aus als im Dax: Der Dow-Jones-Index, der mit Gewinnen von mehr als einem Prozent in den Handel gestartet war, lag nach zweieinhalb Stunden 1,1 Prozent im Minus, rutschte allerdings zeitweise unter die Marke von 12.000 Punkten.

Als Grund für den plötzlichen Stimmungswende nannten Händler zunächst die Sorge vor einem Scheitern des Schuldenpakets im US-Kongress. Insbesondere die Zustimmung im Repräsentantenhaus galt als unsicher. Sowohl im radikal-konservativen Lager der Republikaner als auch im liberalen Flügel der Demokraten zeichnete sich Widerstand im Abgeordnetenhaus ab.

Die Folgen einer US-Pleite

Schulden

Verlören die USA ihre Bestnote bei der Bonität, müssten sie höhere Zinsen zahlen, um Staatsanleihen am Markt zu platzieren. Der Preis wiederum, zu dem Investoren US-Papiere kaufen, würde fallen. Die Schuldenproblematik Washingtons würde sich damit weiter verschärfen. Dass es außerdem teuer wird, wenn die USA ihre Verbindlichkeiten nicht rechtzeitig begleichen, zeigt ein Blick auf das Jahr 1979. Damals setzte der Kongress die Schuldenobergrenze erst im letzten Moment hoch, sodass die Regierung Geld an Investoren nur mit Verspätung auszahlen konnte. Dafür musste sie den Anlegern Entschädigung zahlen. Außerdem mussten die USA in den Folgemonaten um 0,6 Prozent höhere Zinsen für ihre Anleihen in Kauf nehmen.

US-Anleihen

Im Falle einer Herabstufung der USA würden Investoren ihre Bestände an US-Anleihen verringern und stattdessen auf andere, noch mit AAA bewertete Papiere setzen, wie etwa auf deutsche Bundesanleihen. Wie groß die Flucht aus den US-Anleihen ausfallen würde, ist unklar. Zentralbanken etwa würden „aufgrund fehlender Anlagealternativen“ ihre Bestände an US-Staatsanleihen „kaum“ abbauen, vermutet Fidelity-Fondsmanager Rick Patel. Andere Investoren sind allerdings schon gegangen. Die Differenz der Zinssätze für zehnjährige Anleihen zwischen US-Papieren und deutschen Bundesanleihen hat sich seit Anfang Juni um elf Basispunkte vergrößert. Während es also für die USA derzeit schon teurer wird, sich Geld zu besorgen, wird es für den deutschen Staat billiger.

Gold

Investoren haben die Flucht ins Gold. Der Preis für eine Feinunze Gold erreichte ein Allzeithoch. „Der Goldpreis wird wahrscheinlich weiter steigen“, sagt Ernst Fahling, Wirtschaftsprofessor an der International School of Management (ISM). Auch der Kurs des Franken könnte noch weiter anziehen, falls die Märkte in Panik gerieten.

Währung

Der Dollar würde an Wert und bei Investoren an Bedeutung verlieren. „Die Währungen kleinerer Staaten würden gewinnen“, sagt Finanzexperte Fahling. Das könnten etwa die skandinavischen Währungen sein, der australische Dollar oder - wie bereits sichtbar - der Schweizer Franken. Auch der Euro würde profitieren und sich gegenüber dem Dollar festigen. „Einen Euro-Sprung über 1,45 Dollar halte ich bei einer Ratingabstufung der USA für wahrscheinlich“, sagt Fahling.

Börsen

Die Angst vor einem teilweisen Zahlungsausfall der USA drückt bereits weltweit die Börsenkurse. Kommt es tatsächlich soweit, würden die Kurse deutlicher fallen. Das zöge die Weltwirtschaft schließlich auch nach unten - wie weit, ist unklar.

„Das ist, wie wenn Sie einen Stein in einen still ruhenden See werfen“, vergleicht Finanzexperte Fahling. „Niemand weiß, wie weit die Wellen gehen werden, klar ist nur, dass es starke Wellen geben wird.“

Banken

US-Banken betrieben bereits Vorsorge, ließen mehrere Institute wissen. Einige Banken wollen ihr Finanzpolster aufstocken, wie der Chef-Ökonom des Forschungsinstituts Wrightson ICAP, Lou Crandall, sagt. Ziel der Banken sei es, im Falle einer Krise genügend Geld parat zu haben. Hiesigen Instituten drohen - abgesehen von Kurseinbrüchen - im schlimmsten Falle Abschreibungen auf ihre US-Staatsanleihen. Dann, wenn die Zinsen für US-Papiere steigen, verlören die Papiere, die bereits im Bestand der Banken sind, auch an Wert. Diese Differenz würde ausgeglichen - es käme zu Wertkorrekturen nach unten.

Hinzu kamen miserable Konjunkturdaten: Die US-Industrie ist mit einem Wachstumseinbruch ins zweite Halbjahr gestartet. Im Juli legte der Sektor so wenig zu wie seit Mitte 2009 nicht mehr. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager fiel überraschend kräftig auf 50,9 von 55,3 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte. Experten hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang auf 54,9 Punkte gerechnet. Die Firmen erlitten ihr erstes Auftragsminus seit langem und stockten ihr Personal weniger stark auf als zuvor. Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Indexstände von über 50 Punkten signalisieren eine wirtschaftliche Belebung, während Werte darunter auf einen Rückgang hindeuten.

„In Verbindung mit den schwachen BIP-Daten vom Freitag und angesichts der möglicherweise anstehenden Bremseffekte durch die US-Fiskalpolitik trübt sich das konjunkturelle Bild weiter ein“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Sorgen scheinen berechtigt, wonach auch in der zweiten Jahreshälfte kaum Wachstumsimpulse zu spüren sein werden.“

Nach US-Einigung: Euphorie verpufft

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Im erbitterten US-Schuldenstreit hatten Demokraten und Republikaner zunächst in der Nacht einen Kompromiss erzielt. Die Fraktionsführer in beiden Kammern des Kongresses vereinbarten ein Abkommen, das „das Defizit reduzieren und eine Zahlungsunfähigkeit vermeiden wird - eine Zahlungsunfähigkeit, die sich verheerend auf unsere Wirtschaft ausgewirkt hätte“, verkündete US-Präsident Barack Obama in Washington. Die Einigung sieht nach Angaben des Präsidialamts vor, den Schuldenberg in den kommenden zehn Jahren in mehreren Stufen um insgesamt etwa 2,4 Billionen Dollar abzubauen.

Kommentare (138)

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Account gelöscht!

01.08.2011, 07:47 Uhr

relief-hausse, oder nie wieder schwach??? das ist hier die frage...

Kenner

01.08.2011, 08:04 Uhr

20% übers WE während Swiss shopping,Merci und jetzt ein schöner short squeeze

Account gelöscht!

01.08.2011, 08:04 Uhr

die spinnen die römer. bei 7280 mal abverkaufen den markt.

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