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20.09.2013

17:57 Uhr

Börse Frankfurt

Die „Fed-Party“ ist vorbei

Der Hype um die Anleihekäufe der Fed hat den Dax auf Höchststände getrieben. Die Quittung der Rekordjagd folgte heute. Die Anleger suchten nach neuen Impulsen. Einige realisierten bereits Gewinne.

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FrankfurtDer Trubel um die Federal Reserve scheint vorerst verarbeitet zu sein. Der Dax notierte heute in engen Bahnen. Erst kurz vor Börsenschluss vergrößerte der Leitindex seine Verluste. Am Ende ging er mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 8676 Punkte aus dem Handel.

Die zu Ende gehende Handelswoche kann sich dennoch sehen lassen. Am Donnerstag stürmte der Leitindex auf bisher unbekannte Höhen. Bei einem Kurs von 8770 Punkten markierte der Dax sein neues Allzeithoch.

Im Schatten des großen Bruders feierte auch der MDax einen neuen Rekord. Erstmals in seiner Geschichte knackte er die 15.000-Punkte-Marke. Heute musste der Index der mittelgroßen Werte leichte Verluste hinnehmen. Er schloss 0,3 Prozent im Minus auf 15.013 Punkte. Der TecDax hinkte im Vergleich zu den anderen Indizes mit einem Minus von 0,7 Prozent auf 1068 Zähler hinterher.

Der heutige dreifache Verfallstermin am Terminmarkt wurde nicht zum sonst üblichen „Hexensabbat“. Statt für Kursschwankungen sorgte er heute eher für Zurückhaltung. Die Dax-Optionen verfielen bei einem Kurs von 8713 Punkten. Auch im Hinblick auf die am Sonntag stattfindenden Bundestagswahlen hielten viele Anleger ihr Pulver trocken. Frische Impulse werden auch aus Amerika nicht erwartet. Vorbörsliche notieren die US-Börsen kaum verändert.

„Der Markt hat sehr euphorisch reagiert, jetzt ist mit einer kurzfristigen Konsolidierung zu rechnen“, sagte ein Händler. Der Markt brauche nach dem schnellen Anstieg eine Atempause, ergänzte ein anderer Börsianer.

Die Gewinner und Verlierer der Fed-Entscheidung

Immobilienfinanzierung

Verlierer: Alle, die in den vergangenen zwei Wochen eine Immobilienfinanzierung abgeschlossen haben: Der Zins für eine 30-jährige Hypotheken-Anleihe des Immobilienfinanzierers Fannie Mae lag zeitweise bei vier Prozent. Nach der Fed-Entscheidung fiel er auf 3,35 Prozent. Das signalisiert, dass die Zinskosten für langfristige Finanzierungen zum Wohnungs- oder Häuserkauf fallen dürften.

Dollar

Verlierer: Er fiel so stark wie seit drei Monaten nicht mehr, und das gleich gegen einen ganzen Korb von anderen Währungen. Der Greenback war deshalb so billig wie seit Februar nicht mehr. Investoren hatten sich seit Wochen darauf eingestellt, dass die Fed deutlich weniger Geld in den Markt pumpen und absehbar eine Zinswende einleiten wird. Höhere Zinsen würden auch eine höhere Rendite für den Dollar nach sich ziehen.

Anleihen

Verlierer: Anleihe-Investoren - zumindest die, die Fed-Chef Ben Bernanke beim Wort genommen und auf einen Einstieg in den Ausstieg der extrem lockeren Geldpolitik gesetzt hatten. Allein in der vergangenen Woche wurden 85.000 Future-Kontrakte für zehnjährige US-Staatsanleihen auf "Verkaufen" gestellt, weil die Anleger mit fallenden Kursen rechneten. Doch das Gegenteil passierte: Der Kurs kletterte wegen der überraschenden Fed-Entscheidung.

Gold

Gewinner: Der Preis für das Edelmetall stieg um 4,2 Prozent. Noch stärker legten die Kurse der Bergwerksbetreiber zu. Der Nyse Arca GoldMiners Index kletterte um 9,2 Prozent. Börsengehandelte Fonds (ETF) verzeichneten noch größere Gewinne: Der Direxion Daily Gold Miners Bull 3x fund stieg um 27,5 Prozent, wobei 9,6 Millionen Papiere gehandelt worden - so viele wie noch nie. Der Kurs für das als sicherer Anlagehafen genutzte Edelmetall war zuvor in diesem Jahr um rund 20 Prozent gefallen, da Anleger auf ein Ende der Geldflut spekuliert hatten.

Euro

Gewinner: Er kletterte auf 1,3555 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Monaten. Die Gemeinschaftswährung gewann mehr als ein Prozent zum Yen und kostete 133,985 Yen, damit ist er so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Angesichts der anhaltend lockeren Fed-Geldpolitik fragen Investoren riskantere Anlagen nach und stoßen als sichere Häfen geltende Investments wie den Yen ab.

US-Häuslebauer

Gewinner: Die stark gefallenen Zinsen versprechen Rückenwind für Bauherren, die ihre Immobilien mit Krediten finanzieren. Die Papiere des Projektentwicklers D.R. Horton gewannen 6,9 Prozent und die von KB Home 8,2 Prozent, weil Investoren mit steigenden Aufträgen rechnen.

William Shatner, besser bekannt als "Captain Kirk"

Gewinner: Noch nie in der langen Geschichte des S&P-500-Indexes ist eine einzelne Aktie 1000 Dollar oder mehr wert gewesen. Der Reise-Anbieter Priceline.com - der in seinen Anzeigen mit dem "Star Trek"-Darsteller Shatner wirbt - könnte diese Marke nun knacken. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 995,09 Dollar.

Der Hype über die nicht zu erwartende Entscheidung der US-Notenbank, der bei den Börsen weltweit für Rekordjagden gesorgt hat, steht mittlerweile vereinzelt in der Kritik. „Dass wichtige FOMC-Mitglieder im Vorfeld nicht verbal intervenierten, um die Marktteilnehmer von den QE- Kürzungserwartungen abzubringen, war ein Fehler“, schrieb Analyst Christian Schmidt von der Helaba in einem Kommentar. „Nun herrscht erhebliche Unsicherheit über den zukünftigen monetären Stimulus, eine erhöhte Volatilität in Abhängigkeit der eingehenden Konjunkturdaten ist zu erwarten.“

Diese Unsicherheit zeigte sich bereits heute. In einem Interview erklärte James Bullard, Chef der Notenbank von St. Louis, dass ein Rückfahren der milliardenschweren Konjunkturhilfen schon im Oktober möglich sei. Am Mittwochwabend hatte die US-Notenbank die Märkte damit überrascht, dass sie genau das nicht getan hat. Börsianer rechnen mit einer Reduzierung erst gegen Ende des Jahres.

Bei den Einzelwerten geriet Adidas unter Beschuss. Der Sportartikelhersteller kann seine eigenen Ziele nicht erreichen. Die Anleger reagierten empört. Sie schickten die Aktien bis zu 5,9 Prozent ins Minus. Zum Nachmittag reduzierte sich das Minus. Am Ende gingen die Aktien mit einem Minus von drei Prozent aus dem Handel.

Der Konzern hat seine Prognose kassiert und dies unter anderem mit Vertriebsproblemen in Russland und Wechselkursbelastungen begründet. Zahlreiche Banken senkten daraufhin ihre Kursziele für die Aktien. Unter ihnen die Commerzbank, die Equinet Bank und Raymond James.

Kommentare (31)

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Profi

20.09.2013, 07:53 Uhr

Gestern auf Tageshoch gesagt.gerade noch Indien->Zinserhöhung, bei fallenden Kursen ist SDF ein quasi Hedge wer unbedingt long gehen will.
Je lauter nach steigenden Kursen geschrien wird,desto eher fallen diese.Und jetzt gehe ich shoppen,langweiler Markt heut

X_Trampel

20.09.2013, 08:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Geldwaescher

20.09.2013, 08:56 Uhr

Zitat "Der deutsche Leitindex fällt vorbörslich deutlich unter die Marke von 8700 Punkten."

Ganze 26 Pkt oder 0,2% im Minus. Ja, sehr deutlich unter 8700. Wie ist dann die Einstufung, wenn es mal 100 oder 150 Pkt runter geht? Dax fällt gigantisch/extrem/mehr als deutlich/epochal/mega-ultra-deutlich?

Um Willy Brandt zu zitieren: "Zeitungen sind ein Nebenprodukt der holzverarbeitenden Industrie".

Schönen Hexensabbat & see you at 8500.

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