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10.07.2017

17:42 Uhr

Börse Frankfurt

Die Konjunkturoptimisten triumphieren

Starke deutsche Exportzahlen zeigen, dass die Weltwirtschaft auf breiteren Füßen steht. Das treibt den Dax wieder über die 12.400-Punkte-Marke. Mit der anlaufenden Berichtssaison kommt die wahre Prüfung aber erst noch.

Börse am Abend

„Dax konnte sich mit leichten Pluszeichen aus Asien und Amerika hocharbeiten“

Börse am Abend: „Dax konnte sich mit leichten Pluszeichen aus Asien und Amerika hocharbeiten“

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FrankfurtDer Glaube an die Konjunktur hat Europas Aktien einen freundlichen Wochenstart beschert. In Frankfurt ähnelte der bisherige Montagshandel ziemlich genau dem der vergangenen Woche. Auch heute eröffnete der Leitindex mit einem Sprung über die 12.400-Punkte-Marke und beendete den Handel nach einer kleinen Schwächephase bei 14.446 Punkten - ein Plus von 0,9 Prozent. Auch der Euro Stoxx 50 zeigt denselben Verlauf und ging mit einem Plus von 0,5 Prozent aus dem Handel.

Anleger hoffen, dass die bald anlaufende Berichtssaison für weitere Bewegung sorgen kann. Von der gab es in den vergangenen Wochen nämlich wenig: Der Juni brachte Verlust, die erste Juni-Woche ein kleines Plus von knapp 50 Punkten. Vom zwischenzeitlichen Allzeithoch von 12.952 Punkten ist man in Frankfurt weit entfernt – vor allem gefühlt. Und als vor zwei Wochen einige wenige Worte Mario Draghis auf einer EZB-Konferenz ausreichten, nicht wenige Akteure die geldpolitische Gezeitenwende vor Augen haben zu lassen, gerieten die Aktienkurse nicht nur ins Stottern, sondern ins Straucheln.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Da wird neuer Input gerne angenommen, auch wenn für diese Woche lediglich einige amerikanische Titel und Leichtgewichte aus der zweiten Frankfurter Garde ihrer Bücher öffnen. Kommt die Bilanzsaison auf Touren, wird sich zeigen, ob die Unternehmen mit den Kursen Schritt halten konnten. Fragt man Merck-Finck-Chefstratege Robert Greil, rechnet der gerade bei europäischen Firmen mit guten Berichten. „Allerdings spiegeln dies auch die Markterwartungen weitgehend bereits wider“, sagt Greil. „Daher werden insbesondere die Ausblicke auf den weiteren Jahresverlauf auf großes Interesse stoßen.“

Das Hoffen auf starke Halbjahreszahlen fand seine Argumente in den starken Exportzahlen der deutschen Wirtschaft. Die Ausfuhren der Bundesrepublik waren im Mai unerwartet stark gestiegen. Wie das statistische Bundesamt in Wiesbaden bekannt gab,kletterte das Volumen um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat, Ökonomen hatten lediglich mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet. Mit einem Auslandsverkauf von Waren im Wert von 110,6 Milliarden Euro betrug das Plus zum Vorjahreszeitraum ganze 14,1 Prozent. Mit dem fünften Monat infolge, indem die Exporte zulegten, befindet sich die deutsche Wirtschaft in einem Trend, der zuletzt vor elf Jahren solange hielt.

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Was zur Freude auf dem Parkett stimmt: Die Nachfrage nach deutschen Produkten steigt nicht nur in einer Region, global gesehen zieht die Konjunktur an, um es mit Draghis vielbeachteten Worten zu sagen: Sie steht auf breiten Füßen. Kevin Heidenreich, Außenwirtschaftsexperte der DIHK kommentiert: „In China und Nordamerika wachsen die Volkswirtschaften stabil. Auch die Euro-Zone zeigt sich in guter Verfassung.“ Auch die Importe stiegen mit 1,2 Prozent stärker an als prognostiziert.

Carsten Brzeski von der ING: „Eine starke Binnennachfrage gibt es schon länger. Aber auch die langjährigen Wachstumsmotoren - Industrieproduktion und Exporte - beginnen an Dynamik zu gewinnen.“ Im Hinterkopf aber blieben Brzeski zufolge der Brexit und die Wechselkursempfindlichkeit der deutschen Ausfuhren. Durch die Geldpolitik der nächsten Monate könnte der Euro-Kurs zu Belastung werden.

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