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10.11.2011

18:26 Uhr

Börse Frankfurt

Die Schaukelbörse hält an - Dax rettet Plus

Fallende Renditen auf italienische Bonds und die Hoffnung auf eine neue Regierung hatten den Dax zunächst ins Plus gehievt. Doch der Index musste einen Großteil seiner Gewinne wieder abgeben - Schuld war ein Gerücht.

Italienische Woche für den Dax

Video: Italienische Woche für den Dax

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DüsseldorfHoffnung auf eine Beruhigung der politischen Lage in den europäischen Krisenländern Griechenland und Italien und ein Gerücht haben dem Dax am Donnerstag ein stetes Auf und Ab beschert: Nach schwachem Start drehte der Leitindex im Tagesverlauf ins Plus, am Mittag lag er 1,6 Prozent über Vortagesniveau. Doch am Nachmittag ging es prompt wieder bergab. Gerüchte um ein mögliches Sondertreffen der Europäischen Zentralbank hatten sich nicht bestätigt. Am Markt war spekuliert worden, dass die EZB ein groß angelegtes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen auf den Weg bringen könnte. Nachdem der Dax kurzfristig sogar ins Minus rutschte, rettete er mit 5.867 Punkten ein kleines Plus von 0,6 Prozent in den Handelsschluss.

Hiobsbotschaften aus Griechenland sind die Anleger mittlerweile gewöhnt. So konnte eine am Morgen verkündete trübe Prognose aus Brüssel den Leitindex nicht nachhaltig schocken: Die Schulden Griechenlands dürften in den nächsten Jahren völlig aus dem Ruder laufen. Die gesamtstaatliche Verschuldung werde 2012 und 2013 jeweils knapp 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen, teilte die EU-Kommission mit.

Auch die Nachricht, dass Ex-EZB-Vize Lukas Papademos Chef der griechischen Übergangsregierung wird, ließ die Märkte weitestgehend kalt. Die Regierung der nationalen Einheit soll Schritte zur Konsolidierung der Staatsfinanzen umsetzen und Neuwahlen vorbereiten. Impulse für eine schnelle und nachhaltige Besserung der wirtschaftlichen Lage trauen Anleger der Übergangsregierung jedoch nicht zu.

Mit Italien haben die Märkte ein neues europäisches Sorgenkind auserkoren. Eben diese Sorge hatte den deutschen Leitindex am Mittwoch um 2,2 Prozent gedrückt. Dabei hatte der Tag mit hohen Gewinnen gestartet. Anleger zeigten sich zunächst erleichtert über die Rücktrittsankündigung von Silvio Berlusconi. Doch die Stimmung kippte schnell, als vom Anleihemarkt neue Krisensignale kamen und die Renditen für italienische Staatsanleihen in die Höhe schossen. In der Spitze warfen zehnjährige Anleihen mehr als 7,4 Prozent ab. Auf diesem Niveau ist eine Refinanzierung der hohen Staatsschulden auf Dauer unmöglich.

Der Tag an den Märkten (Stand: 16:30)

Dax

Indikation: 5.831 Punkte (+ 0,2 Prozent)

Dow Jones

11.854 Punkte (+ 0,6 Prozent)

Nikkei

8.500 Punkte (- 2,9 Prozent)

CSI 300 (China)

2699 Punkte (-1,9 Prozent)

Hang-Seng-Index

18.963 Punkte (- 5,3 Prozent)

Gold

1.743 Dollar (- 1,47 Prozent)

Öl (Brent)

112,55 Dollar (- 0,1 Prozent)

Euro

1,3559 Dollar (+ 0,1 Prozent)

Italienische Anleihen (10 Jahre)

Rendite: 7,1 Prozent

FTSE Italien

15.101 Punkte (+ 0,2 Prozent)

Euro Stoxx 50

2.238 Punkte (- 0,4 Prozent)

Doch Italien hat das Vertrauen der Anleger noch nicht komplett verspielt: Am Donnerstag brachte das Land Anleihen mit einer Laufzeit von einem Jahr in Höhe von fünf Milliarden Euro am Markt unter. Spekulationen, das Land werde bis zu 7,5 Prozent Zinsen zahlen müssen, erwiesen sich als haltlos. Italien muss den Investoren "lediglich" einen Zins von 6,1 Prozent zahlen. Auch die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sanken - auf sieben Prozent. Die Situation in Italien dürfte den Märkten jedoch weiter Sorge bereiten: Wie am Morgen bekannt wurde, rechnet die EU-Kommission für das Krisenland im kommenden Jahr lediglich mit einem Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent. Im Herbst hatte die Prognose noch bei 1,3 Prozent gelegen. Auch der Gesamtschuldenstand bleibt hoch. Mit 120,5 Prozent wird er auf dem selben Niveau wie in diesem Jahr erwartet.

Zudem brach die Industrieproduktion des hoch verschuldeten Landes im September so stark ein wie seit Dezember 2008 nicht mehr. Dies teilte das nationale Statistikinstitut (Istat) am Donnerstag mit. Die Unternehmen
drosselten ihren Ausstoß im Vergleich zum Vormonat um satte 4,8 Prozent. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang um drei Prozent gerechnet. Noch im August konnte Italien ein Produktionsplus von 3,9 Prozent verzeichnen.

Kommentare (74)

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aruba

10.11.2011, 07:15 Uhr

Guten Tag,..... Sie wissen dass Ich Herrn Drescher sehr schaetze;...... aber gestern Morgen hiess es...... Die Maerkte jubeln. Danach stuerzte der Dax 300 Punkte ab. Also seien wir lieber vorsichtig mit vorauseilendem Gehorsam und auch mit Orakel-Grabesreden. Beide nutzen niemandem und fuehren nur zu Veraergerung. Besten Dank

Machiavelli

10.11.2011, 07:28 Uhr

Dass der Cavaliere kein echter Cavaliere im seinem Privatleben war unbestritten.
Man mus ihm aber anerkennen dass er ein hochverschuldetes Land übernommen hat und dass er es geschafft hat diese Verschuldung, obwohl die Zinszahlung für die bis Dato angesammelten Schulen 15% des Haushalts verschlungen hat, konstant zu halten. Auf seinen Nachfolger dürfen wir gespannt sein. Dass er so lange Ministerpräsident bleiben will bis die Sparmaßnahmen durch sind, muss man ihm auch hoch anrechnen.
Im Prinzip haben wir nur zwei Möglichkeiten um aus dieser schwierigen Lage raus zukommen.
1. Die Verträge werden so geändert dass die Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite neutralisiert werden, das heißt ein Land darf prinzipiell nur soviel importieren wie es exportiert (keine Defizite möglich) und umgekehrt darf nur so viel exportiert werden wie importiert wird. Der unvermeidbaren Jahressendeüberschuss wird von der (Bundes)Nationalbank an die EZB überwiesen und wird in den Maßen wie es abgebaut wird erstattet. Was langfristig zu einer Wirtschaftskonvergenz zwischen den Euroländer führen würde
Oder
2. Wiedereinführung der nationalen Währungen parallel zum EURO aber mit flexiblen Wechselkurse, wie zur Zeit der fiktiven Währung ECU. Mit dem Unterschied dass der Euro weiter als gültige Währung besteht. (z.Bsp. Griechenland würde die Staatsbediensteten sofort mit dem wiedereingeführten Drachme bezahlen können)
Eine Zweispaltung der Eurozone ist nicht sinnvols weil die Wirtschaftskraft der Länder veränderbar ist, das würde ein Umspringen von dem einen Euro in den Anderen als Folge haben.
Die Wirtschaftskraft eines Landes ist zwar abhängig von unveränderbaren Standortsvorteile aber auch vom Umfeld und anderen auch veränderbaren Faktoren.
Noch schlimmer ist aber dass eine Zweispaltung der Eurozone sehr schnell auch eine politische Zweispaltung Europas folgen würde.

RalfDrescher

10.11.2011, 07:38 Uhr

Guten Morgen aruba,

den Tagesverlauf gestern kann ich natürlich nicht dementieren. Aber im Vorbericht am Morgen geht es darum, Lesern und Anlegern vor Handelseröffnung zentrale Informationen zu liefern. Dazu zählen die Indikationen für den Dax. Die sprachen gestern morgen eine deutliche Sprache und tun es heute erneut. Dass es im Tagesverlauf dann doch anders kommen kann, dürfte nach den vergangenen Wochen und Monaten klar sein. In dem Sinne: Ich denke, für die Eröffnung ist die Tendenz des Berichts richtig. Und was später passiert, kann man seriös wohl nicht vorhersagen.

Beste Grüße und einen schönen Tag,
Ralf Drescher.

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