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04.09.2014

17:38 Uhr

Börse Frankfurt

Dompteur Draghi lässt die Bullen los

Damit hat keiner gerechnet. Die EZB senkt den Leitzins. Doch damit nicht genug. Die Notenbank wird außerdem sogenannte ABS-Papiere aufkaufen. Der Dax schließt deutlich im Plus. Der Euro hingegen fällt unter 1,30 Dollar.

Börse am Abend

EZB-Zinssenkung sorgt für Auf und Ab an der Börse

Börse am Abend: EZB-Zinssenkung sorgt für Auf und Ab an der Börse

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FrankfurtMario Draghi hat die Finanzmärkte einmal mehr überrascht. Kaum ein Anleger hatte damit gerechnet, dass der EZB-Chef den Leitzins senken wird. Spekuliert wurde allenfalls über ein Aufkaufprogramm von Kreditverbriefungen. An den Märkten reagierten die Aktionäre dementsprechend überrascht. Der Dax, der im Vorfeld der EZB-Entscheidung deutlich verloren hatte, bekam zunächst mit den Gerüchten über das ABS-Programm der Notenbank einen ersten Schub, nach der Leitzinsentscheidung rückte der Leitindex dann noch weiter ins Plus. Am Ende ging der Dax mit einem deutlichen Plus von einem Prozent auf 9724 Punkten aus dem Handel.

In der zweiten Reihe sah es ähnlich aus. Der MDax stieg um 0,6 Prozent auf 16.339 Punkte. Der TecDax legte 0,5 Prozent zu auf 1267 Zähler. Die Indizes in den anderen Euro-Staaten verzeichneten ebenfalls größere Kursgewinne. Der Pariser CAC-40 schloss 1,6 Prozent im Plus, der italienische FTSE MIB sogar satte 2,8 Prozent. Der europäische Auswahlindex EuroStoxx 50 notierte 1,8 Prozent fester auf 3277 Punkten.

Größter Verlierer der von der EZB beschlossenen Maßnahmen war der Euro. Am Abend wurde er mit einem satten Abschlag in Höhe von 1,4 Prozent auf 1,2972 Dollar bewertet. So tief notierte der Euro zuletzt vor mehr als 14 Monaten.

Was Volkswirte über die EZB-Entscheidung halten

Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer

„Die EZB muss endlich aus ihrer Feuerwehrrolle herauskommen. Das gelingt nur mit mehr Elan und Konsequenz bei den Strukturreformen - gerade in den großen Volkswirtschaften der Euro-Zone. Dafür konnte die Geldpolitik den Staaten lediglich Zeit verschaffen. So richtig es ist, den Markt für Verbriefungen wiederzubeleben: Das Mittel der Wahl dafür ist eine bessere Regulierung, damit Investoren hier wieder aktiv werden. Hingegen hilft ein Ankaufprogramm für Kreditverbriefungen nichts, wenn die Lage vieler Unternehmen in den Krisenstaaten noch immer so schlecht ist, dass eine vorsichtige Kreditvergabe geboten erscheint. Zugleich birgt diese Maßnahme das Risiko, dass die EZB zur zentralen Bad Bank der Euro-Zone wird.“

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe

„Das letzte Aufbäumen der EZB gegen die Krise hat begonnen. Ein breit angelegtes Wertpapierkaufprogramm ist nur eine Frage der Zeit. Es ist aber zu befürchten, dass diese Maßnahmen letztlich erst recht zu rezessiven Tendenzen führen.“

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands

„Das beschlossene Kaufprogramm kann den europäischen Banken bei der Stärkung ihrer Bilanzen helfen. Die schwache Kreditexpansion in der Währungsunion liegt in vielen Euro-Staaten aber vor allem an der geringen Bonität der Schuldner. Hier kann das ABS-Programm keine Abhilfe schaffen. Die EZB wäre deshalb gut beraten, weiterhin mit Nachdruck wirtschaftspolitische Reformen anzumahnen, die den Euro-Raum wieder auf einen verlässlichen Wachstumskurs bringen. (...) Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering.“

Hans-Werner Sinn, Ifo-Präsident

„Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun. Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zulasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Die Notenbanker argumentieren mit den zuletzt schwachen Konjunkturdaten und der geringen Inflation. Auch die gesunkenen mittelfristigen Inflationserwartungen wurden thematisiert. In diesem Zusammenhang wurden auch die Projektionen für Wachstum und Inflation in diesem Jahr nach unten angepasst. Insofern bleibt die Tür für weitergehende Lockerungsschritte weit geöffnet.“

Eugen Keller, Metzler Bank

„EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, warum auch immer. Für uns ist das nicht gerade eine glückliche Maßnahme. Alle Banken und Vermögensverwalter sind jetzt in noch größerer Not, ihre Liquidität irgendwo zu parken, ohne bestraft zu werden. Auch die Sparer dürften sich verraten fühlen und werden immer mehr ins Risiko gezwungen.“

Marco Bargel, Postbank-Chefsvolkswirt

„Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird. Die Deflationsgefahr lässt sich damit nicht vertreiben. Dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme aber, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden.“

Den Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, senkten die Währungshüter um 0,1 Prozentpunkte auf das Rekordtief von 0,05 Prozent. Kreditinstitute, die Geld kurzfristig bei der Notenbank parken, müssen einen Strafzins von 0,2 Prozent statt bisher 0,1 Prozent bezahlen. Die Zinsen für Übernacht-Kredite bei der EZB fallen von 0,4 auf 0,3 Prozent.

Daneben werde die Notenbank nun mit dem Aufkauf sogenannter ABS-Papiere beginnen, kündigte Draghi an. Ein Aufkaufprogramm derartiger verbriefter Unternehmenskredite hatten die Währungshüter unlängst bereits vorbereitet, ohne bisher aber anzukündigen, ob und wann es gestartet werden sollte.

„Das Euro-System wird ein breites Portfolio einfacher und transparenter Kreditverbriefungen (...) kaufen“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der Sitzung in Frankfurt am Main. Mit diesem Instrument will die Notenbank den Markt mit mehr Geld versorgen und die Konjunktur in der Eurozone ankurbeln.

Draghi setzte aber noch einen drauf: „Sollte es nötig werden, auf Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflation zu reagieren, ist sich der EZB-Rat in der Entschlossenheit einig, zu weiteren unkonventionellen Maßnahmen im Rahmen seines Mandats zu greifen.“

Kommentare (59)

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Herr Edi Haas

04.09.2014, 07:57 Uhr

Superdraghi wird es schon richten und wenn nicht geht es eben runter,egal.
Das Spiel kann man von zwei Seiten zocken.
Das vorgestrige ausserbörsliche TT 9467 muss ja auch noch innerbörslich bestätigt werden.
Die Maschinen der big Player sind auf immerwährenden Gewinn programmiert und arbeiten ihre Wunschkurse emotionlos ab.
Wo kann man sonst noch sein Geld so einfach ohne Risiko verdienen,kein Risiko,denn wir haben Drahi und Stops,so
einfach war es noch nie.
Also lasst die Draghspiele beginnen:)

Herr Edi Haas

04.09.2014, 08:10 Uhr

(...)

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Edi Haas

04.09.2014, 08:15 Uhr

Das stimmt Edi, bei 9600 konnte man schon wieder 1. Zock des Tages machen:)
Ich wette das wir die 9700er Puten abräumen, wahrscheinlich sogar die 9740.
Super-Mario zeigt uns wie es geht, alles eine Frage der Zeit. Aber anders wie im Casino, kann man ja setzen und abwarten bis man mit Gewinn wieder aussteigen kann.

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