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22.01.2015

17:42 Uhr

Börse Frankfurt

Dompteur Draghi lässt die Bullen los

Die EZB stellt sich mit mehr als einer Billion Euro im Rücken gegen die Deflationsgefahr. Die Dax-Anleger feiern das massive Anleihekaufprogramm. Der Leitindex schließt auf neuen Rekordmarken.

Börse am Abend

EZB beschert Dax Allzeithoch

Börse am Abend: EZB beschert Dax Allzeithoch

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FrankfurtNeues Allzeithoch, neuer Schlussrekord. EZB-Präsident Mario Draghi landet mit dem Anleihekaufprogramm einen Coup. Mit der Ankündigung massenhaft Anleihen aus dem Euro-Raum zu kaufen, löste er eine wahre Euphorie an den Börsen aus. Der Dax beendete den Handel so hoch wie nie zuvor. Am Ende notierte der Leitindex satte 1,3 Prozent fester auf 10.436 Punkten. Das neue Allzeithoch liegt nun bei 10.454 Zählern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird monatliche Käufe staatlicher und privater Wertpapiere für 60 Milliarden Euro aus den Euro-Länder tätigen. „Sie sollen bis Ende September 2016 laufen und werden in jedem Fall so lange ausgeführt, bis wir eine nachhaltige Anpassung in der Entwicklung der Inflation sehen, die im Einklang steht mit unserem Ziel, mittelfristig Inflationsraten von unter, aber nahe zwei Prozent zu erreichen“, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Insgesamt werden den Märkten dadurch über eine Billionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Mit diesem Ausmaß übertraf der Notenbankpräsident sogar die gewagtesten Erwartungen der Analysten.

„Mario Draghi hat geliefert, was er versprochen hat und sogar ein wenig mehr“, sagte Chefstratege Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis Global Markets. „Da das Programm 19 Monate laufen soll, dürften mehr als 1000 Milliarden Euro in den Markt gepumpt werden. Das Kaufprogramm ist damit deutlich größer, als es die meisten Experten erwartet hatten“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Darüber hinaus hat Draghi gesagt, dass solange gekauft wird, wie es die Inflation notwendig erscheinen lässt. Das könnte darauf hindeuten, dass die EZB im Falle einer anhaltend niedrigen Inflation noch einmal nachlegt. Nach QE ist vor QE.“

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe fügte hinzu: „Mit ihrem heutigen Vorgehen hat die EZB ein Breitband-Antibiotikum gegen die Wachstumsschwäche und das Deflationsrisiko verabreicht. Dabei sind die Markterwartungen übertroffen worden. Da Strukturreformen durch Papiergeld aber nicht ersetzt werden, bleibt eine große Portion Skepsis, ob heute ein guter Tag für die Währungsunion war.“

Was die EZB beschlossen hat

Gesamtvolumen

Zunächst etwa 1,14 Billionen Euro.

Laufzeit

Ab März bis mindestens Ende September 2016 und bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Kauftempo

60 Milliarden Euro je Monat.

Was wird gekauft

Unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad (diese sind von mindestens guter Kreditwürdigkeit) mit einer Laufzeit von zwei bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen.

Aufteilung der Käufe

Die Aufteilung der Anleihekäufe auf die einzelnen Euroländer richtet sich nach dem Landesanteil am EZB-Kapital (Bevölkerungsanzahl und Wirtschaftsleistung). Deswegen werden vor allem deutsche Bundesanleihen gekauft, gefolgt von französischen und italienischen Papieren.

Risikohaftung

Nur 20 Prozent der Anleihekäufe unterliegen einer gemeinsamen Risikohaftung. Dazu zählen die Anleihen von EU-Institutionen, auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

Die Stimmen zu den beschlossenen Maßnahmen der Zentralbank gehen auseinander. „Die EZB hat das seit langem erwartete Staatsanleihekaufprogramm beschlossen. Die realwirtschaftlichen Effekte für Wachstum und Inflation dürften sehr überschaubar bleiben. Die Finanzmärkte gaben und geben sich mit Hingabe der Geldillusion hin – mehr Geld soll auch mehr helfen. Doch was kommt danach?“, kritisierte Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. DIHK-Hauptgeschäftsführer, Martin Wansleben, sieht das ähnlich: „Die EZB ist zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden. Sie hat ohne Not nun ihren letzten Trumpf ausgespielt. Dabei überwiegen eindeutig die Risiken. Die Gefahr von Spekulationsblasen an den Finanzmärkten wird weiter steigen.“

Kommentare (134)

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Herr Edgar Cayce

22.01.2015, 07:20 Uhr

Für mich soll's goldenes Konfetti regnen...

Ich stelle mein Leben auf Draghi um. Den Kaffeebecher hab ich 3mal so voll gemacht, wie möglich, klotzen statt kleckern.

Ab heute beginnt eine neue Ära.

Schließlich gehts doch um unseren Wohlfühl-Dax. Wenn der steigt gehts allen Deutschen gut.

Herr Erik Wikinger

22.01.2015, 07:24 Uhr

Bin mal gespannt auf die Schönreden um den Kontinent weiter in den Abgrund treiben zu können....

Malte Piotrowski

22.01.2015, 07:45 Uhr

"Schließlich geht es um unseren Wohlfühl-Dax".

Das ist aber nur der Mogel-Dax.Ich weiss gar nicht warum über diesen immer geschrieben wird.
Der echte K-Dax liegt noch unter dem ATH!

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