Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.04.2017

18:20 Uhr

Börse Frankfurt

Draghi hält die Füße still, der Dax auch

VonIlias Stampoulis

Wie erwartet, rührte die Europäische Zentralbank ihre Instrumentenkasten nicht an. Der träge Handel versuchte gar nicht erst Schwung zu entwickeln. Mario Draghi stimmte auf ein Weiter-so ein, der Dax gab leicht nach.

Börse am Abend

Trotz Zahlenfeuerwerk – kaum Bewegung am Dax

Börse am Abend: Trotz Zahlenfeuerwerk – kaum Bewegung am Dax

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfDie Überraschung ist ausgeblieben. Wie nicht anders zu erwarten war, beließ die Europäische Zentralbank alles beim Alten. Der Rat der EZB beschloss auf seiner donnerstäglichen Sitzung keine Änderung an seinen geldpolitischen Maßnahmen, mit denen sie die Konjunktur und Inflation im Euro-Raum antreiben will. Aller Kritik aus Deutschland zum Trotz. So kam gar nicht erst Schwung auf, die Anleger setzten ihre Verschnaufpause nach dem Gipfelsturm zum Wochenanfang fort. Der Dax schloss am Ende 0,2 Prozent leichter bei 12.443 Punkten und damit nur knapp unter seinem jüngst erreichten Allzeithoch. Auch auf der Pressenkonferenz von Ratspräsident Mario Draghi gab es nichts neues zu verkünden. Der Italiener schwor die Märkte auf eine weiterhin expansiven Kurs ein, aber nicht in dem Sinne, als dass dies eine Neuigkeit wäre.

Dass der Zentralbankrat an seinem Maßnahmenkatalog schraubt, galt ohnehin als nahezu ausgeschlossen. Der Leitzins liegt seit Jahren unverändert bei 0,0 Prozent, der Einlagenzins bei einem negativen Wert von 0,4 Prozent. Auch die monatlichen Anleihekäufe – seit April kauft die EZB für 60 statt 80 Milliarden Euro Staats- und Unternehmenspapiere – blieben unangetastet. Es wäre die erste Schraube, an der die EZB drehen würde, sollte sie sich für eine strengere Gangart entscheiden und ihr billionenschweres Anleiheprogramm drosseln.

Bis Ende des Jahres erwirbt die EZB im großen Stil Anleihen. Weil die Renditen dieser Titel dadurch sinken, werden sie für Geschäftsbanken unattraktiv. Das soll die Kreditvergabe und damit die Realwirtschaft ankurbeln. Konjunktur und Inflation steigen infolge, so der Plan der Geldpolitiker. Durch diese sehr offensive und unkonventionelle Geldpolitik will die EZB die Teuerungsrate auf knapp unter zwei Prozent hieven. Auf diesem Niveau sehen die Währungshüter Preisstabilität. Und die Inflation des Euro-Raums war im Februar tatsächlich auf einen Wert von zwei Prozent gestiegen, was den Druck auf die Währungshüter noch einmal erhöht hatte.

Doch dieser Trend war nicht nachhaltig und dem Ölpreisabsturz vor einem Jahre geschuldet. Die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel steigt deutlich langsamer. Im März lag die gesamte Preissteigerung nach 2,0 Prozent im Vormonat bei 1,5 Prozent. Die Kritik aus Deutschland dürfte weiter zunehmen, auch weil die frisch veröffentlichten April-Inflationszahlen für Deutschland 2,0 Prozent betragen. Die Daten für die gesamte Währungszone kommen am Freitag. Der Euro zeigte sich im leichten Abwärtsdruck, nahm 0,3 Prozent ab auf 1,0870 Dollar. Scheinbar hatten einige Akteure auf konkretere Hinweise auf einen möglichen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik gesetzt.

Depot Contest : Vermögensverwalter setzen auf Bankaktien

Depot Contest

Vermögensverwalter setzen auf Bankaktien

Das stärkere Wirtschaftswachstum in Europa könnte die Kreditvergabe europäischer Banken befeuern und ihre Aktienkurse in die Höhe treiben. Im Hintergrund lauern allerdings einige schwer kalkulierbare Risiken.

Inmitten der für Europa richtungsweisenden französischen Präsidentschaftswahlen, ging die EZB erst recht kein Risiko ein. Die Wahlen waren es auch, die am Montag ein Kursfeuerwerk an Europas Börsen ausgelöst hatten. Mit dem Erstrundenwahlsieg des dezidiert proeuropäisch auftretenden Linksliberalen Emanuel Macron ist eine große Last von den Märkten gefallen. Sein Sieg gegen die antieuropäische Nationalistin Marine Le Pen in den Stichwahlen gilt als wahrscheinlich, die Entscheidung fällt am 7. Mai. Zu Wochenanfang war der Dax um mehr als drei Prozent in die Höhe gesprungen und annullierte sein Rekordhoch aus dem April 2015. Dass das die Anleger Kraft kostete, zeigt sich nun am Donnerstag, an dem die Kurse nicht vom Fleck kommen. Die zweite Frankfurter Reihe aus MDax und TecDax notierte minimal fester. Der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, ging mit 3563 Punkten 0,4 Prozent leichter aus dem Handel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×