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22.11.2011

18:00 Uhr

Börse Frankfurt

Erholungsversuch gescheitert - Dax setzt Talfahrt fort

Der Blick auf die Anleiherendite der verschuldeten Euro-Staaten und schwache US-Daten machten den deutschen Anlegern am Dienstag Angst und Bange. Der Dax kann auch nach sechs Handelstagen im Minus nicht von der Talfahrt lassen.

Und abermals hat sich der Dax am Ende des Tages für eine weitere Kellerfahrt entschieden. dapd

Und abermals hat sich der Dax am Ende des Tages für eine weitere Kellerfahrt entschieden.

FrankfurtNach sechs Handelstagen in Folge mit Kursverlusten ist auch am siebten Tag die Negativstimmung, trotz einer längeren positiven Handelsphase, nicht vom Aktienmarkt gewichen. Am späten Nachmittag schloss der deutsche Leitindex 1,2 Prozent tiefer bei 5.537 Punkten, nachdem er gestern bereits mehr als drei Prozent verloren hatte. Am Mittag hatte er noch einen Tageshöchststand von 5.682 Punkten erreicht. Der MDax mittelgroßer Werte verlor 1,1 Prozent auf 8.208 Punkte, der Technologieindex TecDax lag 0,7 Prozent im Minus bei 643 Zähler.

Die wieder anziehenden Renditen der hochverschuldeten Euro-Staaten belasteten den Leitindex laut Börsianern ebenso wie unerwartet schwache Wachstumsdaten aus den USA. Helaba-Analyst Ralf Umlauf bezeichnete die im Vergleich zur ersten Schätzung nach unten korrigierte BIP-Wachstum im dritten Quartal als enttäuschend. Positiv sei dagegen die angehobenen Zahlen zum Außenhandel.

Die Nervosität am Markt bleibt Börsianern zufolge hoch. Aktien drehten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und folgten damit erneut dem Rentenmarkt, an dem die Renditen insbesondere der hochverschuldeten Staaten der Eurozone (PIIGS) deutlich anzogen.

Der Tag an den Märkten (Stand 16.55 Uhr)

Dax

- 0,23 Prozent

Euro-Stoxx 50

- 0,2 Prozent

Dow Jones

- 2,1 Prozent (23. November)

Nikkei

- 0,06 Prozent (Schlussstand)

Euro

1,333 Dollar (- 0,08 Prozent)

Gold

1.681 Dollar (- 0,8 Prozent)

Öl (Brent)

107,49 Dollar (+ 0,96 Prozent)

Der Euro hat am Dienstagnachmittag seine Gewinne zum US-Dollar komplett eingebüßt. Die Gemeinschaftswährung notierte bei 1,3489 Dollar, nachdem sie am Mittag noch bis auf 1,3568 Dollar geklettert war. Händler begründeten den Rückgang damit, dass Anleger ihre Positionen glattstellten, nachdem Daten ein langsameres Wachstum der US-Wirtschaft als bisher angenommen signalisiert hatten. Der als Anti-Krisenwährung genutzte Dollar legte dagegen zur japanischen Währung um 0,2 Prozent auf 77,09 Yen zu.

Angesichts neuer Sanktionen gegen den Iran ist der Ölpreis am Dienstag gestiegen. Die Furcht vor zunehmenden Spannungen in der Golfregion sorgte dafür, dass sich das Fass der Nordsee-Sorte Brent um ein Prozent auf 107,84 Dollar verteuerte. Der Preis für US-Leichtöl stieg um 1,2 Prozent auf 98,09 Dollar je Barrel. Die USA, Kanada und Großbritannien belegten das iranische Bankensystem mit Sanktionen. Auch zur Öl-Industrie im Iran sollen die Verbindungen gestutzt werden. Die drei westlichen Länder reagierten damit auf den Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), demzufolge das iranische Atomprogramm auch die Entwicklung von Kernwaffen zum Ziel haben könnte.

Stimmen zur Schuldenkrise

Barack Obama, US-Präsident

„So lange Europa keinen konkreten Plan für den Kampf gegen die Krise hat, halten die Turbulenzen an den Finanzmärkten an.“

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco

„Das, was wir in Griechenland im Schnelldurchlauf erleben, könnte eines Tages auch die USA erfassen, wenn sich die dortige Politik nicht ändert“

George Soros, Investor

„Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus“

Charles Plosser, Fed-Gouverneur

„Möglicherweise besitzen wir nicht die richtigen geldpolitischen Instrumente, um die Erkrankungen zu heilen, an denen das System leidet.“

Jose Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident

„Wir sind jetzt wirklich mit einer wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“

Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident

"Diejenigen, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen, dass Konflikt und Trennung auf unserem Kontinent wieder auferstehen."

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Europa ist heute in einer der schwersten Stunde, vielleicht der schwersten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts

„Es wird für die Politiker immer schwerer, einen Kurswechsel durchzusetzen. Sie werfen immer mehr gutes Geld dem schlechten hinterher und überlassen das Problem der jeweils nachfolgenden Politikergeneration. […] Es kommen noch große Lasten auf Deutschland zu.“

Dirk Müller, Börsenhändler und Buchautor

"Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher."

Max Otte, Investor und Ökonom

„Die Schuldenberge, die wir aufgetürmt haben, lassen sich nur durch Inflation beseitigen. Alles andere wäre fatal. Wenn dagegen so etwas passiert wie 1929, also eine Phase extremer Deflation bis hin zur Depression, dann gute Nacht.“

Bert Flossbach, Vermögensverwalter

„Die Banken haben das Vertrauen, auf das sie mehr als jede andere Branche angewiesen sind, verspielt. Kein Wunder, dass der Kapitalmarkt kaum noch bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Aufgeblähte Bilanzen, zu wenig Eigenkapital, falsche Anreizsysteme, komplexe Geschäfte und zunehmende Risiken machen Großbanken zu unkalkulierbaren Risiken für ihre Aktionäre, den Staat und damit die ganze Gesellschaft.“

Jürgen Heraeus, Unternehmer

„Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben.“

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland

„Die westlichen Länder stecken in der Wirtschafts- und Finanzkrise, einer Verschuldungskrise. Wie immer bei hoher Verschuldung ist die Gefahr groß, dass die Politik des Gelddruckens als das kleinste Übel angesehen wird. Ich lebe in ständiger Inflationssorge.“

Hans Olaf Henkel, Ex-BDI-Präsident

„Es gibt eine Alternative zur ‚alternativlosen’ Euro-Politik: den gemeinsamen Austritt Deutschlands, Hollands, Österreichs und Finnlands aus der Euro-Zone.“

Spekulationen auf eine bevorstehende Kapitalerhöhung haben am Dienstag die Commerzbank-Aktien in der Spitze um 15 Prozent auf ein Rekordtief von 1,12 Euro gedrückt. Die Aktien waren nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters unter Druck geraten, wonach das Geldhaus Finanzkreisen zufolge deutlich mehr Kapital als bisher angenommen braucht. Das Institut wolle den Bedarf bis Mitte 2012 über den Abbau von Risikopositionen (RWA) decken, hieß es in den Kreisen.

Nach der Anhebung der Prognose von Südzucker haben Anleger am Dienstag ordentlich zugegriffen. Die Aktien stiegen um 8,1 Prozent und führten damit die Gewinnerliste im MDax an. Händler beschrieben die Prognose-Anhebung als äußerst überraschend. Die Analysten der NordLB stuften die Aktien hoch auf „kaufen“ von „halten“ und erhöhten das Kursziel um einen auf 24 Euro. Sie begründeten dies unter anderem damit, dass auch das nächste Geschäftsjahr trotz der Schuldenkrise mit ansehnlichen Ergebnissen aufwarten dürfte.

US-Superkomitee gibt auf

Video: US-Superkomitee gibt auf

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Kommentare (81)

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karstenberwanger

22.11.2011, 07:08 Uhr

Ich verstehe es nach wie vor nicht... Das Geldsystem ist futsch und funktioniert so eben nicht und muss alle zig Jahre resetet werden und das weiss jeder der das System kennt. Was soll diese Show die jetzt wahrscheinlich wenn es gut läuft noch Jahre lang anhalten wird? Für den Bürger? Dieses Schuldengeplapper ist einfach nur noch lächerlich. Seit Jahrzehnten wird Geld aus dem Nichts geschöpft, die USA verarschen mit ihrer wertlosen Währung und ihrer privaten FED die komplette Welt und wir sprechen nach wie vor allen Ernstes weiter von Schulden die man in den Griff bekommen müsse obwohl 100% klar ist, dass das überhaupt nicht möglich ist.

Je länger dieser Affenzirkus anhält, umso schlimmer wird der Aufprall. Ich verstehe nur nicht weshalb man vorher die Menschen jetzt über Jahre in die Armut treiben muss statt JETZT ehrlich zu handeln.

Gaertner

22.11.2011, 08:22 Uhr

Dax-Früchte muss man ernten wenn die Zeit reif ist!

Account gelöscht!

22.11.2011, 08:37 Uhr

Wer global denkt oder auch eine Gesamtverantwortlichkeit bei der Politik oder vielleicht sogar bei Individuen sieht, der versteht Ihre Ausführungen und antwortet nicht mit blabla.

Im Eldorado der Trader ist das gleichgültig. Die sitzen zwischen Investoren und Abwicklungsinstanzen (Börse/Makler) um ein paar Krumen abzustauben - unabhängig wohin der Zug rast.

Im öffentlichen Bewusstsein - und damit meine ich auch die meisten Dax-Kommentatoren einschließlich etlicher "Experten" - haben die Gefahren nopch nicht angemessen gewürdigt und eingepreist.

Wir stehen vor einem Kollaps von Staaten und dem gesamten Finanzsystem. Die einzige Alternative ist ein Konsoliddierungskurs, der in erheblichem Umfang mit "Deleveraging" einhergeht. Die gepriesenen Maßnahmen der Staaten zum weiteren Anheizen der Wirtschaftsaktivitäten (Multiplikatoreffekt blabla) schlagen in der Konsolidierung mit den negativen Wirkungen (negativer Multiplikatoreffekt) zu. Die Hoffnung auf tektonische Verschiebungen durch z.B. China dürften sich als Trugschluss erweisen. Die Chinesen wollen die Früchte selber ernten.

Deshalb geht der Trend prinzipiell weíter deutlich nach unten, selbst wenn es mal wieder einen oder mehrere Tage technische Reaktionen geben sollte.

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