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21.10.2014

17:48 Uhr

Börse Frankfurt

EZB-Gerüchte katapultieren Dax ins Plus

Gerüchte um eine Lockerung der EZB-Geldpolitik ließen Anleger heute ihre Konjunkturängste des Vortages vergessen. Davon profitieren konnten vor allem die Finanzwerte. Der Dax schließt fast 200 Punkte höher.

Der Dax lässt die gestrigen Verluste hinter sich und nimmt wieder Fahrt auf. dpa

Der Dax lässt die gestrigen Verluste hinter sich und nimmt wieder Fahrt auf.

FrankfurtDer Dax wahrt seine Linie – und diese sieht seit der vergangenen Woche zick-zack-förmig aus. Schwach gestartet holte der deutsche Leitindex schnell wieder auf. Am Ende schloss der Dax rund 1,9 Prozent fester auf 8887 Punkte. Das gestrige Minus von 1,5 Prozent konnte der Leitindex damit mehr als kompensieren. In der zweiten Reihe sah es sogar noch besser aus. Der MDax notierte 2,4 Prozent fester auf 15.423 Zähler. Der TecDax beendete den Handelstag 2,5 Prozent im Plus auf 1189 Punkte.

Angetrieben wurden die Kurse heute von der EZB. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte von mehreren mit den Plänen vertrauten Personen erfahren, dass die Zentralbank den Aufkauf von Unternehmensanleihen möglicherweise ab dem ersten Quartal 2015 erwäge. „Man setzt darauf, dass die Zentralbanken schon rechtzeitig eingreifen und einen Konjunktureinbruch verhindern werden“, sagte ein Händler. Die Gerüchte belasteten in der Folge den Euro, der 0,6 Prozent auf 1,2720 Dollar einbüßte.

„Es wird alles versucht, um die Euro-Zone von ihrer Konjunkturkrise zu befreien. Letztlich ist es nur ein folgerichtiger Schritt“, sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. EZB-Chef Mario Draghi habe gar keine andere Wahl.

Den letzten Punch lieferten dann noch die US-Börsen. Dort stiegen die Indizes angetrieben von guten Unternehmenszahlen ins Plus. Der Dow Jones notierte ein Prozent fester auf 16.565 Punkte. Der Nasdaq kam auf ein Plus von 1,8 Prozent, der S&P-500 lag 1,5 Prozent höher.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Vor allem die Finanzwerte zogen spürbar an, denn ein solches Vorhaben würde die Bilanzen der Institute entlasten. Zudem wetteten immer mehr Marktteilnehmer darauf, dass der EZB-Bankenstresstest für den Sektor insgesamt glimpflich verlaufen dürfte. „Ich wäre sehr überrascht, wenn die Bilanzprüfung dem Bankensektor zu diesem Zeitpunkt einen erbärmlichen Zustand attestieren würde“, sagte Teis Knuthsen, bei der Privatbanksparte der Saxo Bank verantwortlich für Anlageentscheidungen.

Zugute kommt den Bankaktien, dass ein gutes Abschneiden beim Stresstest noch nicht eingepreist ist, so Knuthsen weiter. Deswegen ergeben sich mit den starken Verlusten der Finanztitel in der Vorwoche nun günstige Einstiegschancen. Die Deutsche Bank legte am Dienstag rund 2,7 Prozent zu, die Commerzbank, zusätzlich von einer positiven Analysteneinstufung angetrieben, stieg sogar um satte 4,8 Prozent und belegte damit die Spitze im Dax.

Kommentare (35)

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Herr wulff baer

21.10.2014, 09:33 Uhr

Ja, der Dax - Symbol für das Auslauf-Modell Europa.

Wenn ich Aktien hätte, würde ich genau wie der trickreiche HF-Algo-Trader blitzschnell Kasse machen und wie Zalando vor Glück schreien, denn die Volatilität wird langfristig nur nach unten zeigen.

Die Rezessions-Europäer mit Nullwachstum und schon bald in der Deflation, machen sich Sorgen um ein ein paar Zehntel-Punkte bei den Chinesen, die in allen wichtigen Bereichen die ganze Welt dominieren werden und uns und die USA zu Absteigern in großem Stil deklassieren werden.

Frau Ich hier

21.10.2014, 09:40 Uhr

"China setzt den Dax unter Druck"

China?

Ich denke da eher an die Sanktionen gegen Russland, die sich mehr und mehr als Eigentor herausstellen.
Die Einzigen, die etwas von den Sanktionen haben, das sind die Amis.

Aber das ist wohl eine politisch inkorrekte Sichtweise, die in den Medien nur schwerlich, wenn nicht mehr zu verleugnen, ein Echo finden.
Wir pflegen unsere Lust am eigenen Untergang, so lange nur die Russen auch nur einmal "Aua" rufen.
Das hat was von den "Hurra" Rufen vor dem ersten Weltkrieg, mit denen man loszug, als man eben mal die Franzosen am Wochenende besiegen wollte.
Das ist abgehoben, irrational, bis zum eigenen Ende.

Woher kommt solche Berichterstattung?
Liegt es an der gepflegten Mitgliedschaft in Klubs, wie die Atlantik Brücke, oder anderen Vorteilen, die einem die Amis gewähren, wenn man ihre Sichtweise als Stein der Waisen verbreitet?
Oder ist es falsch verstandener Patriotismus?

Rationale und neutrale Berichterstattung findet jedenfalls in westlichen Medien nicht mehr statt.


Herr Dr. Peter Lustig

21.10.2014, 09:41 Uhr

"China setzt den Dax unter Druck"

Genau, so massiv, dass er steigt.

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