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19.12.2013

18:13 Uhr

Börse Frankfurt

Fed-Entscheid sorgt für Kursgewinne

Die US-Notenbank Federal Reserve will die Geldflut langsam eindämmen. Die Ankündigung trieb am Donnerstag auch die Kurse der drei großen deutschen Indizes nach oben. Verlierer der Fed-Ankündigung waren die Gold-Anleger.

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FrankfurtDer Einstieg in den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve hat dem Dax am Donnerstag zu Kursgewinnen verholfen. Er schloss am Abend 1,68 Prozent im Plus bei 9335 Punkten. „Für die Finanzmärkte ist entscheidend, dass die Katze aus dem Sack ist“, kommentierte Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank die Entscheidung der Fed.

Auch die zweite Reihe konnte zulegen: Der MDax steigt um 0,92 Prozent auf 16.299 Zähler nach oben, der TecDax gewann 1,19 Prozent auf 1156 Zähler. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone legt 1,88 Prozent zu.

Die Fed gab am Mittwochabend den seit langem erwarteten Startschuss zur Rückführung ihrer massiven Wertpapierkäufe. Marktbeobachter äußerten sich erfreut, dass nun nach monatelangen Spekulationen endlich Klarheit herrsche.

Kurswechsel bei der Fed – Ist die Geldschwemme jetzt zu Ende?

Warum blicken die Finanzmärkte so nervös auf die Fed-Entscheidungen?

Die extrem lockere Geldpolitik der Fed ist der entscheidende Treibstoff für die Rally an den Börsen. Seit 2008 pumpt die US-Notenbank auf beispiellose Weise Geld in den Markt. Einmal hält sie die Zinsen nahe Null – und damit auf historisch niedrigem Niveau. Außerdem hat sie zu einem eigentlich unkonventionellen Instrument gegriffen und kauft Monat für Monat mit quasi frisch gedruckten Dollar-Noten Anleihen auf. Auf beide Arten kommt die Wirtschaft zu Massen billigen Geldes.

Welche Folgen hat die Geldschwemme?

Weil andere Anlagen angesichts niedriger Zinsen unattraktiv sind, fließen viele Milliarden in Aktien – die Börsen klettern von Rekord zu Rekord. So oder so soll die US-Konjunktur weiter angekurbelt werden, um endlich auch dem lahmenden Arbeitsmarkt der weltweit größten Volkswirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Bisherige Faustregel: Sobald die Arbeitslosenquote von derzeit immer noch rund sieben Prozent unter 6,5 Prozent sinkt, sollte über die erste Anhebung der Leitzinsen nachgedacht werden.

Was ändert sich nun im Detail?

Auf den ersten Blick beginnt die große Wende in der US-Geldpolitik. Im Detail zeigt sich aber, dass faktisch alles beim Alten bleibt. Das Anleihe-Kaufprogramm wird zunächst nur etwas gedrosselt und soll dann allmählich auslaufen. Noch wichtiger: Das Versprechen extrem niedriger Zinsen soll noch für längere Zeit weiter gelten.

Warum ist der große Schock an den Märkten ausgeblieben?

Die Sorge war groß, dass die Fed allzu abrupt ihren Kurs wechseln könnte. Allein die Ankündigung von Fed-Chef Ben Bernanke, über das sogenannte „Tapering“ nachzudenken, hatte vor rund einem halben Jahr für massive Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten gesorgt. Diesmal lief es anders, weil Bernanke seine seit langem befürchtete Botschaft geschickt verpackt hat – und die Märkte so sehr behutsam auf die Veränderungen vorbereitete. Er versprach nicht nur weiter niedrige Zinsen, sondern auch, dass die Fed nicht mehr automatisch die geldpolitischen Zügel anzieht, sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter spürbar aufhellen. „Die US-Notenbank hat in den vergangenen Wochen genug Zuversicht in die konjunkturelle Erholung der US-Wirtschaft gewonnen. Das ist ein positives Signal – nicht nur für die USA, sondern für den globalen Konjunkturausblick 2014“, schreibt der Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel.

Was ändert sich für Sparer?

Auf absehbare Zeit nichts. Weil auch die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer extremen Niedrigzinspolitik festhält, werden Sparbücher hierzulande auf absehbare Zeit weiterhin nur maue Renditen abwerfen. Unklar ist es, ob sich die ebenfalls niedrigen Kapitalmarktzinsen für Anleihen wieder bessern. Weil deutsche Staatspapiere in der Euroschuldenkrise als sicherer Hafen gelten, hängt die Entwicklung dort unter anderem davon ab, ob sich die Lage in den Euro-Krisenländern weiter stabilisiert.

Geht jetzt auch die Rekordjagd des Dax weiter?

Der Deutsche Aktienmarkt reagierte mit leichten Kursgewinnen auf die Fed-Ankündigung. Einige Analysten rechnen damit, dass der Dax 2014 die Marke von 10.000 Punkten knacken wird. Sie hoffen, dass Anleger nicht mehr in erster Linie auf die Notenbanken schielen, sondern dass die guten Aussichten in der realen Wirtschaft wieder zur treibenden Kraft an den Finanzmärkten werden.

Zur Ankurbelung der Wirtschaft kaufte die Fed bislang jeden Monat Wertpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf – was auch die Aktienmärkte immer weiter nach oben getrieben hat. Ab Januar sollen es nur noch 75 Milliarden Dollar sein, wie der scheidende Fed-Chef Ben Bernanke auf seiner letzten großen Pressekonferenz mitteilte.

Viele Börsianer hatten damit gerechnet, dass erst Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen Anfang kommenden Jahres eine Drosselung ankündigen wird. Allerdings deuteten zuletzt starke Konjunkturdaten darauf hin, dass die Fed ihr Tempo anziehen könnte. Auf die Klarheit reagierte die Akteure mit Käufen – zuerst in Amerika, später dann in Fernost und Europa.

Stützend auf die Märkte wirkte sich auch aus, dass der US-Senat den Haushaltskompromiss gebilligt hat. Die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit der USA dürfte für die kommenden zwei Jahre gebannt sein – und auch der die Wirtschaft lähmende Dauerstreit zwischen den Parteien. Das Repräsentantenhaus hatte bereits für den Entwurf von Demokraten und Republikanern gestimmt.

Kommentare (23)

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alexfiftyfour

19.12.2013, 07:41 Uhr

Wenn ich schon lese die 9300 ist in Reichweite, warum gibt es Leute die kaufen?
Da kommt eine Korrektur.
Die sieht aus wie eine Korrektur, die riecht wie eine Korrektur, die knallt wie eine Korrektur.
Da hält man seinen Mund und geht einfach mit nach unten.
Aber...nein, es gibt immer noch Leute die kaufen.
Ist mir total unverständlich.

Game_Over

19.12.2013, 07:44 Uhr

Die Baisse nährt die Baisse.
Im Schnitt verlieren wir jetzt 100 - 150 Punkte pro Tag.
Die 8000 ist also durchaus realistisch bis Weihnachten.
Es gibt keine (Stützungs) Käufe mehr und jeder weiss, dass die FED morgen das Tapering verkünden muss.

delta_ohne_Trend

19.12.2013, 08:00 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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