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29.10.2014

17:39 Uhr

Börse Frankfurt

Fed-Entscheidung machte Dax-Anleger nervös

Lange Zeit hatte der Dax über 9100 Punkte notiert, am Ende schloss der deutsche Leitindex unter der Marke. Die US-Notenbank Fed machte die Anleger nervös. Für Bewegung sorgte die Deutsche Bank, Fiat und TUI.

Börse am Abend

Dax setzt Erholungskurs fort

Börse am Abend: Dax setzt Erholungskurs fort

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FrankfurtDie Fed-Entscheidung zur seit Ende 2008 betriebenen Nullzinspolitik fiel erst nach Handelsschluss in Frankfurt – und ließ den Dax überwiegend in einer Seitwärtsbewegung verharren. Auch wenn er bis in die Abendstunden über der 9100-Punkte-Marke notiert hatte, schloss der Leitindex schließlich „nur“ 0,2 Prozent fester bei 9083 Punkten. In der zweiten Reihe zeigte sich ein etwas besseres Bild: Der MDax kletterte 0,8 Prozent auf 15.765 Zählern nach oben, der TecDax gewann 1,0 Prozent auf 1217 Punkte.

Über die Fed gab es am Mittwoch klare Meinungen: „Dass die Notenbank ihr Anleihekaufprogramm beenden wird, ist wohl ausgemachte Sache“, sagte LBBW-Analyst Berndt Fernow. Brennender interessierte Investoren jedoch, wann Chefin Janet Yellen die seit Ende 2008 betriebene Nullzinspolitik beenden und die Zinsen erhöhen will.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

„Die Erwartung ist, dass sie ihre abwartende Haltung bekräftigt“, sagte ein Börsianer. Im September hatte die Fed betont, noch „geraume Zeit“ nach dem für Ende Oktober anstehenden Auslaufen ihrer milliardenschweren Konjunkturhilfen die Zinsen niedrig halten zu wollen.

Die Zinswende wird am Finanzmarkt für Mitte 2015 erwartet, abhängig von einer nachhaltigen Erholung der US-Wirtschaft. „Die Fed-Chefin hat immer noch sehr gute Argumente auf ihrer Seite, warum sie die Leitzinswende noch nicht einleiten will“, fassten die Analysten der National-Bank zusammen. So sei am Arbeitsmarkt die Unterbeschäftigungsquote weiter „ungewöhnlich hoch“, zudem seien neue Jobs vor allem im Niedriglohnsektor geschaffen worden.

Im Fokus der Anleger lagen heuten neben der Fed wieder Zahlen einiger Unternehmen. Vor allem die Deutsche Bank war von größtem Interesse, die mitten in einem größeren Vorstandsumbau steckt. Die Börsianer zeigten sich skeptisch – die Papiere des Bankhauses schlossen 2,4 Prozent im Minus.

Die Machtzentrale des deutschen Branchenprimus wird um zwei neu geschaffene Posten auf neun Mitglieder aufgestockt, die Aufgaben neu verteilt, wie die Bank in der Nacht zum Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte. Es ist der erste Vorstandsumbau, nachdem die Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen 2012 Josef Ackermann abgelöst hatte.

Der Quartalsbericht der Bank sorgte jedenfalls für Sorgenfalten bei den Anlegern. Hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten haben den Gewinn aufgefressen. Unterm Strich stand ein Verlust von 92 Millionen Euro.

Kommentare (9)

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Herr Dr. Peter Lustig

29.10.2014, 09:03 Uhr

"Alle Augen auf die Deutsche Bank"

Nein, der starke Anstieg gestern und heute ist der Hoffnung auf eine weiter förderliche Politik der FED geschuldet.

Die Konjunkturindikatoren in den USA waren überwiegend schlecht. Fundamental betrachtet, müsstet diverse Indizes weitaus tiefer stehen, aber das interessiert auch jetzt nicht.

Herr Tom Bauer

29.10.2014, 09:16 Uhr

Keine Ahnung was die FED sagen wird oder welcher Indikator welchen Puups macht.
Erfolgreiche Firmen werden weiterhin gute Geschäfte machen. Amgen, GE oder L'Oreal... usw.
Die werden in 10 Jahren höhere Bewertungen haben als heute.
Die Dividenden helfen ggf. Schwankungen zu überstehen.

ps: Die Deutsceh Bank gehört nicht dazu...

Frau Pia Paff

29.10.2014, 09:33 Uhr

Bei DAX 6800 werde ich wieder kaufen u. bei 9500 verkaufen. Die effektivste Geldbeschaffugsmethode!

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