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19.09.2013

17:50 Uhr

Börse Frankfurt

Fed treibt Dax auf Allzeithoch

Bernanke feuert weiter aus allen Rohren und die Anleger jubeln. Gekauft wurde am Donnerstag alles außer dem Dollar. In die Euphorie über den Höhenflug mischen sich aber  gleichzeitig auch kritische  und warnende  Stimmen.

Trotz Gefahren: Dax und Grand Theft Auto im Rekordrausch

Video: Trotz Gefahren: Dax und Grand Theft Auto im Rekordrausch

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FrankfurtDas überraschende Festhalten der US-Notenbank Fed an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik hat Aktienanleger am Donnerstag in Kauflaune versetzt. Der Dax markierte am Vormittag mit 8770 Punkten eine neue Bestmarke, verlor danach aber wieder deutlich an Schwung. Am Ende schloss der deutsche Leitindex 0,67 Prozent bei 8694 Punkten im Plus.

Zahlreiche andere Indizes kletterten am Donnerstag ebenfalls auf Mehrjahres-Hochs. Die Aussicht auf eine ungebremste Fortsetzung der Fed-Wertpapierkäufe gab auch Anleihekursen und den Preisen zahlreicher Rohstoffe Auftrieb. Für den Dollar ist die überraschende Entscheidung dagegen Gift, da die Renditen in den USA so bis auf weiteres niedrig bleiben: Der Euro stieg in der Spitze auf 1,3568 Dollar und damit den höchsten Stand seit sieben Monaten.

In die Euphorie über den Höhenflug der Kurse mischten sich aber auch kritische Stimmen. Die Fed habe viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt, sagte Marktanalyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. "Der Markt hat die Signale der Fed falsch gedeutet." Investoren hatten sich seit Wochen darauf eingestellt, dass die Zentralbank künftig deutlich weniger Geld in den Markt pumpt und bald eine Zinswende einleitet.

Doch die Fed bleibt vorerst bei ihren monatlichen Käufen von Staatsanleihen und Immobilienpapieren für 85 Milliarden Dollar. Die Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke wollten sich auch nicht darauf festlegen, dass der Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik noch in diesem Jahr kommt.

Die Gewinner und Verlierer der Fed-Entscheidung

Immobilienfinanzierung

Verlierer: Alle, die in den vergangenen zwei Wochen eine Immobilienfinanzierung abgeschlossen haben: Der Zins für eine 30-jährige Hypotheken-Anleihe des Immobilienfinanzierers Fannie Mae lag zeitweise bei vier Prozent. Nach der Fed-Entscheidung fiel er auf 3,35 Prozent. Das signalisiert, dass die Zinskosten für langfristige Finanzierungen zum Wohnungs- oder Häuserkauf fallen dürften.

Dollar

Verlierer: Er fiel so stark wie seit drei Monaten nicht mehr, und das gleich gegen einen ganzen Korb von anderen Währungen. Der Greenback war deshalb so billig wie seit Februar nicht mehr. Investoren hatten sich seit Wochen darauf eingestellt, dass die Fed deutlich weniger Geld in den Markt pumpen und absehbar eine Zinswende einleiten wird. Höhere Zinsen würden auch eine höhere Rendite für den Dollar nach sich ziehen.

Anleihen

Verlierer: Anleihe-Investoren - zumindest die, die Fed-Chef Ben Bernanke beim Wort genommen und auf einen Einstieg in den Ausstieg der extrem lockeren Geldpolitik gesetzt hatten. Allein in der vergangenen Woche wurden 85.000 Future-Kontrakte für zehnjährige US-Staatsanleihen auf "Verkaufen" gestellt, weil die Anleger mit fallenden Kursen rechneten. Doch das Gegenteil passierte: Der Kurs kletterte wegen der überraschenden Fed-Entscheidung.

Gold

Gewinner: Der Preis für das Edelmetall stieg um 4,2 Prozent. Noch stärker legten die Kurse der Bergwerksbetreiber zu. Der Nyse Arca GoldMiners Index kletterte um 9,2 Prozent. Börsengehandelte Fonds (ETF) verzeichneten noch größere Gewinne: Der Direxion Daily Gold Miners Bull 3x fund stieg um 27,5 Prozent, wobei 9,6 Millionen Papiere gehandelt worden - so viele wie noch nie. Der Kurs für das als sicherer Anlagehafen genutzte Edelmetall war zuvor in diesem Jahr um rund 20 Prozent gefallen, da Anleger auf ein Ende der Geldflut spekuliert hatten.

Euro

Gewinner: Er kletterte auf 1,3555 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Monaten. Die Gemeinschaftswährung gewann mehr als ein Prozent zum Yen und kostete 133,985 Yen, damit ist er so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Angesichts der anhaltend lockeren Fed-Geldpolitik fragen Investoren riskantere Anlagen nach und stoßen als sichere Häfen geltende Investments wie den Yen ab.

US-Häuslebauer

Gewinner: Die stark gefallenen Zinsen versprechen Rückenwind für Bauherren, die ihre Immobilien mit Krediten finanzieren. Die Papiere des Projektentwicklers D.R. Horton gewannen 6,9 Prozent und die von KB Home 8,2 Prozent, weil Investoren mit steigenden Aufträgen rechnen.

William Shatner, besser bekannt als "Captain Kirk"

Gewinner: Noch nie in der langen Geschichte des S&P-500-Indexes ist eine einzelne Aktie 1000 Dollar oder mehr wert gewesen. Der Reise-Anbieter Priceline.com - der in seinen Anzeigen mit dem "Star Trek"-Darsteller Shatner wirbt - könnte diese Marke nun knacken. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 995,09 Dollar.

Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz kritisierte, die Kommunikationspolitik der Fed sei für die Fehlinterpretationen durch die Investoren verantwortlich. "Wir jedenfalls hätten erwartet, dass einige FOMC-Mitglieder Interviews in den letzten Wochen genutzt hätten, um dem Markt zu signalisieren, dass der September noch keine beschlossene Sache ist."

Die Fed sieht offenbar die Konjunkturaussichten zu trübe, um ihren Geldhahn schon zuzudrehen. Daneben bereite der Anstieg der US-Anleiherenditen den Notenbankern Sorgen, sagte Aktienhändlerin Anita Paluch vom Brokerhaus Gekko Global Markets. Schließlich treibe dies die Zinsen für Hypotheken und Unternehmenskredite in die Höhe. Außerdem vergrößere es das US-Haushaltsdefizit.

Seit der Ankündigung vom Mai, die Anleihenkäufe gegen Ende des Jahres langsam zurückzufahren, ist die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Treasury Bonds von knapp zwei auf bis zu etwa drei Prozent gestiegen.Am Donnerstag lag sie bei 2,693 Prozent. Die Rendite der vergleichbaren Bundestitel gab auf 1,849 Prozent von 1,952 Prozent am Vortag nach. Im Gegenzug stieg der Bund-Future um 121 Ticks auf 138,93 Punkte.

Im Fahrwasser der T-Bonds und Bundesanleihen legten auch die Schuldtitel südeuropäischer Staaten wie Italien oder Spanien zu. Spanien konnte sich zudem billiger verschulden. Bei der Emission dreijähriger Papiere übertraf die Nachfrage das Angebot um mehr als das Doppelte, obwohl die gebotene Rendite niedriger ausfiel als bei der vorangegangenen Auktion. 

Kommentare (48)

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Account gelöscht!

19.09.2013, 07:15 Uhr

Oracle und SAP haben sich so lange gegenseitig bekämpft, daß kein Blick mehr für den Markt übrig war. Schade, Hr. Plattner hat doch mehrfach den Weg zur Innovation gezeigt.
Nun geht auch SAP wie MS und Intel den Weg alles Irdischen: allmählich bergab.

realist

19.09.2013, 07:40 Uhr

Komm lieber DAX, komm runter, was willst du nur da oben?
Komm zur 8000 oder besser gleich zur 7500.
Hier unten ist es viel gemütlicher,da spricht auch nicht dauernd einer über dich.
Was machts du nur immer da oben, komm runter.

Go!

Account gelöscht!

19.09.2013, 08:51 Uhr

Bei der Schlussglocke in NY haben alle Händler gejubelt, für mich ein Signal dass es nicht mehr lange gut geht… die Frage ist nur was bedeutet „lange“ ?!?!?

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