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11.02.2014

17:53 Uhr

Börse Frankfurt

Federal Reserve lässt Dax-Anleger jubeln

Die Fed tut genau das, was sie in den vergangenen Tagen auch schon getan hat, doch diesmal steigen die Börsen. Der Dax konnte fast 200 Punkte zulegen. Die Anleger sind erleichtert, dass Janet Yellen den Kurs beibehält.

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FrankfurtSie hat gesprochen, doch wirklich passiert eigentlich nicht. Es bleibt alles beim alten. Die US-Notenbank wird unter Janet Yellen den von Ex-Fed-Chef Ben Bernanke eingeschlagenen geldpolitischen Weg fortsetzen. An für sich kein Grund zum Jubeln, wurde dieses Ergebnis so doch erwartet. Die Börsianer sahen es allerdings anders.

Sie trieben den Dax heute auf ein sattes Plus von über zwei Prozent auf 9479 Punkte. In Punkten ausgedrückt legte der Deutsche Aktienindex heute beinah 200 Punkte zu – und das bei nahezu nachrichtenloser Lage.

In der zweiten Reihe bot sich den Aktionären ein ähnliches Bild. Der MDax schloss ein Prozent fester auf 16.558 Punkte. Der TecDax ging mit einem Plus von 1,1 Prozent auf 1242 Zähler aus dem Handel.

Während sich das Wirtschaftswachstum weiterhin positiv entwickle, „ist die Erholung des Arbeitsmarktes noch weit von seinem Abschluss entfernt“, heißt es in Yellens Redetext. „Ich fühle mich zu beidem verpflichtet: Der Wirtschaft zur Vollbeschäftigung zu verhelfen und die Inflation auf zwei Prozent zu begrenzen“.

Währungsturbulenzen in Schwellenländern

Türkei

Mit einer drastischen Zinserhöhung hat sich die türkische Notenbank gegen den Kursverfall der heimischen Währung Lira gestemmt. Der Satz, zu dem sich die Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank leihen können, wurde am Dienstagabend von 7,75 auf 12,0 Prozent angehoben. Der eigentliche Leitzins wurde auf 10 Prozent angehoben von zuvor 4,5 Prozent. Damit soll der Abfluss an ausländischem Kapital gestoppt werden, der die Lira auf ein Rekordtief zum Dollar gedrückt hatte.

Südafrika

Die Zentralbank hob ihren Leitzins wenige Stunden nach der türkischen Entscheidung überraschend auf 5,50 Prozent an, nachdem er lange Zeit auf dem 40-Jahres-Tief von 5,0 Prozent verharrt hatte. An den Märkten wird davon ausgegangen, dass er in den kommenden Monaten weiter steigen wird. „Wir werden die Entwicklung genau verfolgen und nicht zögern zu handeln, sollte dies erforderlich sein", sagte Notenbankchefin Gill Marcus. Der Rand war zuletzt so billig wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Höhere Zinsen könnten aber der erlahmenden Konjunktur weiter zusetzen.

Brasilien

Die Notenbank hat ihren Leitzins seit April 2013 bereits von 7,25 auf aktuell 10,0 Prozent angehoben. Der jüngste Schritt folgte in diesem Monat, als es von 9,5 Prozent nach oben ging. Die Zentralbank signalisierte dabei aber, das Tempo nun etwas zu drosseln. Mit höheren Zinsen soll die Inflation in Schach gehalten werden. Die Teuerungsrate liegt derzeit bei 5,7 Prozent.

Indonesien

Keine andere asiatische Währung ist 2013 auf so steile Talfahrt gegangen wie die Rupie: Sie büßte ein Fünftel ihres Wertes im Vergleich zum Dollar ein. Das macht Importe teurer, was die Inflation ebenso nach oben zu treiben droht wie das Handelsdefizit. Zu Jahresbeginn hielt die Zentralbank ihren Leitzins unverändert bei 7,50 Prozent. Sie versprach aber, "wachsam" zu bleiben, was den Märkten die Bereitschaft zu Zinserhöhungen signalisiert.

Indien

Die indische Zentralbank hob erst in dieser Woche ihren Leitzins überraschend von 7,75 auf 8,0 Prozent an. Eine weitere Erhöhung ist vorerst nicht geplant. Grund für den Schritt sind kräftig steigende Preise. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann. Vom Inflationsziel sei Indien derzeit "sehr weit entfernt", sagte Notenbankchef Raghuram Rajan. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 9,87 Prozent. Die Zentralbank will sie bis Januar 2015 auf acht Prozent und ein Jahr später auf sechs Prozent drücken.

Thailand

In dem von politischen Unruhen erschütterten Land hat die Zentralbank im November die Zinsen gesenkt. Sie schreckte im Januar aber vor einer weiteren Kappung zurück. Als Grund für die Zurückhaltung gilt die Furcht, dass die politische Instabilität die Kapitalflucht verstärken könnte.

Ungarn

Notenbankchef György Matolcsy und sein Team haben den Leitzins im Januar auf das Rekordtief von 2,85 Prozent gesenkt. Obwohl die Währungshüter Spielraum für eine weitere Kappung signalisierten, dürften sie laut Experten vom Schwächeanfall des Forint zu einer Zinswende gezwungen werden.

Russland

Der Außenwert der Landeswährung hat dieses Jahr bereits fünf Prozent eingebüßt. Die Notenbank musste schätzungsweise zehn Milliarden Dollar zur Stützung des Rubels aufwenden. Notenbankchefin Elvira Nabiullina ist gewillt, den Kurs notfalls mit allen Mitteln zu stabilisieren. Denn Russland gilt als gebranntes Kind: In der durch massive Kapitalflucht ausgelösten Rubel-Krise von 1998 hatten die Bürger ihre Konten massenweise geräumt.

Zwar geben die Arbeitsmarktzahlen Anlass zur Hoffnung, doch Yellen bleibt bezüglich der sich der 6,5-Prozent-Marke nähernden Arbeitslosenquote kritisch. „Diejenigen, die länger als sechs Monate ohne Job sind, machen eine ungewöhnlich große Fraktion aus und die Zahl derjenigen, die einer Halbtagstätigkeit nachgehen aber es bevorzugen würden eine Vollzeitstelle zu besetzen, ist ebenfalls sehr hoch“.

Dennoch will Yellen die Anleihekäufe weiterhin drosseln – allerdings in maßvollem Tempo. Wann genau sie ein weitere Reduzierung anpeile, ist aus dem Redetext nicht zu entnehmen.

Zu der turbulenten Lage in den Schwellenländern sagte die Fed-Präsidentin, dass die Notenbank die Schwankungen auf den globalen Finanzmärkten sehr genau betrachten würde und zu dem Schluss gekommen sei, dass diese derzeit kein substanzielles Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick der USA stellen würden.

Für die Schwellenländer ist das ein schwacher Trost. Nachdem bereits zahlreiche Länder in arge Bedrängnis geraten sind und ihre Leitzinsen teilweise massiv erhöhen mussten, um eine Kapitalflucht ausländischer Investoren zu vermeiden, die ihre Gelder vermehrt in die USA zurückbringen, war heute Kasachstan dran. Ein Dollar verteuerte sich um bis zu 20 Prozent und war mit 186 kasachischen Tengen so teuer wie noch nie. Zuvor hatte die Notenbank des Landes die Währung um 19 Prozent abgewertet, um gegen die Auswirkungen der Abwertung des Rubels anzukämpfen, der seit Jahresbeginn knapp sechs Prozent an Wert verloren hat.

Am kasachischen Aktienmarkt sorgte die Abwertung der heimischen Währung für ein Kursfeuerwerk. Der Leitindex schoss zeitweise knapp 14 Prozent in die Höhe und markierte mit 1058,21 Punkten ein Zwölf-Monats-Hoch.

Bei den Einzelwerten feierten die Anleger die starken Verkaufszahlen von BMW mit einem Plus von drei Prozent. Der Premiumhersteller verzeichnete zu Jahresanfang wie die Konkurrenten Daimler und Audi ein Absatzplus – sowohl insgesamt betrachtet, als auch auf europäischer Ebene. „Obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in vielen Märkten weiterhin schwierig bleiben, gibt es erste Anzeichen für eine Erholung“, erklärte Vertriebschef Ian Robertson. BMW rechne nach dem Absatzrekord 2013 im laufenden Jahr erneut mit steigenden Verkäufen, bekräftigte er.

Kommentare (84)

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Optimalist

11.02.2014, 07:37 Uhr

Die Baisse nährt die Baisse.
Im Schnitt verlieren wir jetzt 100 - 150 Punkte pro Tag.
Die 8000 ist also durchaus realistisch bis März.
Es gibt keine (Stützungs)Käufe mehr und jeder weiss, dass die FED heute das Tapering verkünden muss.

alexfiftyfour

11.02.2014, 07:40 Uhr

Wenn ich schon lese Dax schwingt sich über 9300
Warum gibt es noch Leute die kaufen?
Da kommt eine Korrektur!
Die sieht aus wie eine Korrektur,
die riecht wie eine Korrektur,
die knallt wie eine Korrektur.
Da hält man seinen Mund und geht einfach mit.
Aber...nein, es gibt immer noch Leute die kaufen.
Ist mir total unverständlich.

Programmierer

11.02.2014, 07:55 Uhr

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