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26.07.2017

18:18 Uhr

Börse Frankfurt

Firmenbilanzen helfen – Fed im Blick

Sprudelnde Firmengewinne haben den Börsen am Mittwoch Auftrieb gegeben. In Erwartung von Fed-Aussagen zur US-Geldpolitik scheuten die Anleger allerdings größere Käufe. Die Commerzbank und die Autoaktien standen im Fokus.

Börse am Abend

Daimler mit Rekordzahlen – doch die „Vorwürfe des Autokartells wiegen schwerer“

Börse am Abend: Daimler mit Rekordzahlen – doch die „Vorwürfe des Autokartells wiegen schwerer“

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FrankfurtNeben dem Warten auf den Fed-Zinsentscheid bremste die anhaltende Euro-Stärke, die Waren hiesiger Unternehmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig macht, die Erholung der europäischen Märkte. Dax und EuroStoxx50 gewannen jeweils etwa 0,3 Prozent auf 12.305,11 und 3448,43 Punkte.

Thema Nummer eins auf dem Parkett war am Nachmittag der neue Investor bei der Commerzbank. Die zweitgrößte deutsche Privatbank hatte mitgeteilt, dass der US-amerikanische Finanzinvestor Cerberus 5,01 Prozent der Anteile übernimmt und damit hinter der Bundesrepublik Deutschland und dem Finanzinvestor Blackrock zum drittgrößten Anteilseigner aufsteigt. Die Commerzbank-Aktien legten zwischenzeitlich rund 2,5 Prozent zu und notierten bei über 11 Euro, was sie zum Dax-Tagesgewinner machte.

Cerberus gilt in Anlegerkreisen als streitbarer Investor, der sich aktiv in die Firmenpolitik einmischt. Spätestens seit 2007 ist Cerberus, benannt nach dem Höllenhund der griechischen Mythologie, auch in Deutschland ein Begriff. Damals hatte der Investor die Mehrheit am US-Autobauer Chrysler übernommen und so das Ende des deutsch-amerikanischen Autogiganten Daimler-Chrysler besiegelt.

Fragen und Antworten zur EZB

Sind Vorwürfe gegen die EZB berechtigt?

Die Finanzkrise und ihre Folgen haben Europas Währungshüter kreativ werden lassen. Eine Rückkehr zu einer Standard-Geldpolitik ist bislang nicht in Sicht. Vielstimmig ist auch der Chor der Kritiker.

Quelle: Friederike Marx und Jörn Bender, dpa

Kritik an den Währungshütern kommt aus den unterschiedlichsten Richtungen

Nullzins, Strafzins, Anleihekäufe – mit ihrem expansiven geldpolitischen Kurs hat sich die Europäische Zentralbank in den vergangenen Jahren nicht nur Freunde gemacht.

AUSSAGE: Die EZB-hält den Euro-Kurs künstlich niedrig, davon profitiert vor allem der deutsche Export (Quelle: US-Regierung).

BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: Der Wechselkurs ist ausdrücklich kein Ziel der EZB-Politik. „Wir sind keine Währungsmanipulatoren“, betont EZB-Präsident Mario Draghi. Getrieben wird die Entwicklung an den Devisenmärkten unter anderem von der unterschiedlichen Zinsentwicklung in den USA und im Euroraum. Angesichts steigender Zinsen in den Vereinigten Staaten ist es für Investoren lukrativer, Geld in Dollar anzulegen als in Euro. Das stärkt den Greenback und schwächt die europäische Gemeinschaftswährung. Zudem hoffen viele Anleger, dass US-Präsident Donald Trump wie angekündigt Steuern senken und Milliarden in die Infrastruktur stecken wird. Die Aussicht auf neuen Schwung für die US-Wirtschaft stärkte seit Trumps Wahl den Dollar. Trump räumte zuletzt ein, er sei teilweise selbst Schuld an der Dollar-Stärke, die Leute hätten Vertrauen in ihn. Direkt am Devisenmarkt hatte die EZB zuletzt gemeinsam mit anderen großen Notenbanken im März 2011 interveniert, um den Höhenflug des japanischen Yen zu bremsen.

AUSSAGE: Mit einem Zinstief enteignet die EZB die Sparer (Quelle: u.a. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU)).

BEWERTUNG: Teilweise richtig.

FAKTEN: Sparbuch und Co. werfen wegen der Niedrigzinsen kaum noch etwas ab. Solange die Teuerungsrate nahe der Nulllinie dümpelte, glich sich das in etwa aus. Doch zuletzt zog die Inflation wieder an, sodass Sparer sogar Geld verlieren können. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann macht sich dennoch für eine ausgewogene Sicht stark: „Wir alle sind nicht nur Sparer, sondern auch Arbeitnehmer, Häuslebauer, Steuerzahler und Unternehmer - und aus dieser Perspektive erscheinen die niedrigen Zinsen nicht nur negativ.“

AUSSAGE: Die EZB wird von den südeuropäischen Staaten dominiert (Quelle: AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel).

BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: Im obersten Entscheidungsgremium der Notenbank, dem EZB-Rat, haben alle 19 Euroländer eine gleichwertige Stimme - unabhängig vom Gewicht der jeweiligen Volkswirtschaften. Insgesamt hat das Gremium 25 Mitglieder: Die 19 Chefs der nationalen Notenbanken plus die 6 Mitglieder des Direktoriums um EZB-Präsident Draghi. 8 der 25 Mitglieder im EZB-Rat kommen aus Südeuropa. Entscheidungen trifft das Gremium in der Regel mit einfacher Mehrheit. Die EZB ist nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank politisch unabhängig. Ihr vorrangiges Ziel ist es, Preisstabilität im gemeinsamen Währungsraum zu gewährleisten - das bedeutet nach ihrem eigenen Verständnis eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent.

AUSSAGE: Mit ihren milliardenschweren Anleihekäufen finanziert die EZB verbotenerweise klamme Staaten (Quelle: deutsche Volkswirte).

BEWERTUNG: Unklar.

FAKTEN: Die EZB darf nach ihren Statuten bereits im Umlauf befindliche Staatsanleihen erwerben - also etwa von Banken oder anderen Investoren wie Versicherungen oder Hedgefonds. Seit März 2015 kauft die Notenbank im Kampf gegen Konjunkturschwäche und geringe Inflation jeden Monat für Milliarden solche Wertpapiere. Um nicht in den Verdacht der Staatsfinanzierung zu geraten, hat sich die EZB auferlegt, höchstens 33 Prozent der Staatsanleihen eines Eurolandes bzw. eines einzelnen Wertpapiers zu kaufen. Das besänftigt die Kritiker jedoch nicht. Die Notenbanken der Eurostaaten, über die die EZB-Käufe abgewickelt werden, seien durch die laufenden Anleihekäufe zum größten Gläubiger der Staaten des Eurosystems geworden, warnte Bundesbank-Präsident Weidmann schon Anfang 2016. Das mindere den Reformdruck in den Regierungszentralen. „Notenbankhandeln wird als Lösung für alle möglichen Probleme gesehen, die weit über die Geldpolitik hinausgehen“, sagte Weidmann in einem Interview.

AUSSAGE: Mit ihre ultralockeren Geldpolitik gräbt die EZB den Banken das Wasser ab (Quelle: diverse Banken).

BEWERTUNG: Teilweise richtig.

FAKTEN: Lange verdienten Banken gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden zahlten. Doch die Differenz aus beidem, der Zinsüberschuss, schrumpft wegen der Zinsflaute. Die Folge: Banken und Sparkassen brechen die Erträge weg. Zudem müssen sie Strafzinsen von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld über Nacht bei der EZB parken. Zugleich unterstützt die EZB allerdings Banken mit Langfristkrediten zu Mini-Zinsen. Von Juni 2016 bis März 2017 legte die Notenbank ein neues Programm mit vierjährigen Krediten auf. „Niedrige oder negative Zinssätze können nicht per se für niedrige Profitabilität verantwortlich gemacht werden“, argumentiert EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio. Europas Banken müssten ihre Geschäftsmodelle anpassen, um ihre Geschäftsaussichten zu verbessern.

Bei den europäischen Aktienwerten zählten die Peugeot-Papiere mit einem Kursplus von 3,2 Prozent zu den Favoriten. Die künftige Opel-Mutter erreichte im ersten Halbjahr eine operative Rendite von 7,3 Prozent - so viel wie noch nie. Der Betriebsgewinn wuchs um 11,5 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro.

Daimler steigerte das operative Ergebnis zwar um 15 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Die Aktien des deutschen Autobauers gaben wegen möglicher Abgastest-Manipulationen und angeblicher Kartell-Absprachen aber 0,8 Prozent nach. „Um von dem Dilemma der gesamten Branche abzulenken, hätte es bei den Zahlen einen richtigen Knaller geben müssen“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. „Das ist hier nicht der Fall.“

In Paris verteuerten sich STMicroelectronics-Papiere dank überraschend starker Zahlen um zwei Prozent. Europas zweitgrößter Halbleiter-Hersteller steigerte den Umsatz im abgelaufenen Quartal um 5,6 Prozent auf 1,92 Milliarden Dollar und sieht sich auf gutem Weg zum Gesamtjahresziel von Erlösen in Höhe von acht Milliarden Dollar.

Der Kurs der AMD-Titel stieg an der Wall Street sogar um knapp elf Prozent auf ein Zehn-Jahres-Hoch von 15,65 Dollar. Der Intel-Rivale rutschte im abgelaufenen Quartal zwar in die roten Zahlen, für das laufende Quartal stellte die Chipfirma aber einen überraschend hohen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Dollar in Aussicht.

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Anleger werden die Erklärung der US-Notenbank Fed zu den Ergebnissen ihrer Beratungen auf Aussagen zur Inflation durchkämmen, wie Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank sagte. Aus diesen versuchten sie, Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen herauszulesen. Das zweite wichtige Thema sei der Abbau des billionenschweren Anleihebestands, schrieben die Experten der BayernLB. Hinweise auf einen baldigen Beginn würde viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischen. Schließlich hätten die Wetten auf einen weiteren Kursverfall der US-Währung den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Der Euro kostete 1,1632 Dollar und lag damit weniger als einen US-Cent unter seinem Zwei-Jahres-Hoch vom Dienstag

Sollte der Begleitkommentar der US-Notenbanker als vorsichtiger oder weniger optimistisch interpretiert werden, könnte der Euro rasch wieder zulegen, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Die Fed gibt ihre Beschlüsse um 20.00 Uhr (MESZ) bekannt

An der Wall Street legten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 bis zu 0,6 Prozent zu. Mit 21.742,70 Zählern, 6432,38 Stellen und 2481,69 Punkten markierten alle drei US-Indizes Bestmarken.

Von

rtr

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