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14.11.2012

17:59 Uhr

Börse Frankfurt

„Gefühlsbörsen“ drücken den Dax ins Minus

Die Quartalszahlen der meisten Unternehmen stimmen, viele erfüllen ihre Prognose, manche korrigieren sie sogar nach oben. Dennoch ist der Dax am Mittwoch zurückgefallen. Verantwortlich für den Rücksetzer waren Emotionen.

Extrem niedrige Umsätze, genau so verunsicherte Anleger

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FrankfurtEuropas Schuldenproblem rückt wieder in den Fokus der Börsen. Dazu gesellen sich die Haushaltsprobleme der USA. Das reichte den meisten Investoren aus, um die Finger von Aktien zu lassen. Angesichts starker Unternehmenszahlen bewies dieses Verhalten einmal mehr die erhöhte Risikoaversion der Aktionäre.

Bis zum Vormittag pendelte der Deutsche Aktienindex um seinen Vortagschlusskurs, um dann am Nachmittag immer weiter ins Minus zu rutschen. Am Ende ging der Dax mit einem Verlust von 0,9 Prozent auf 7.102 Punkte aus dem Handel. Sein Tagestief markierte er bei einem Stand von 7.085 Punkten. In der zweiten Reihe ein ähnliches Bild. Der MDax sank um 0,4 Prozent auf 11.247 Punkte und der TecDax verabschiedete sich ebenfalls mit einem Abschlag von 0,4 Prozent auf 803 Zähler.

Gefährliche Inflation

Was ist Inflation?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie wird die Inflation gemessen?

Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.

Wann spricht man von Hyperinflation?

Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.

Schützt Gold vor einer Inflation?

Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.

Schützen Aktien vor einer Inflation?

Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.

In den USA sah es vorbörslich noch vielversprechend aus, zur Eröffnung verließ die Anleger allerdings die Zuversicht. Am Abend notierte der Dow Jones rund 0,4 Prozent tiefer bei 12.699 Punkten, der breiter gefasste S&P 500 gab 0,3 Prozent nach und der Nasdaq lag 0,1 Prozent im Minus.

Insgesamt gab es aber kaum neue Gründe, warum die Börsen heute so schlecht liefen. Die Schuldenprobleme Spaniens und Griechenlands sind allseits bekannt und auch der drohende "fiscall cliff" in den USA ist keine Neuigkeit. Dennoch konnten diese Negativmeldungen heute ihre Wirkungen erneut entfalten. Vor dem Hintergrund teils starker Quartalsberichte deutscher Unternehmen, kann man feststellen, dass die Börsen stark psychologisch beeinflusst waren. Die Angst überwog die Fakten und ließ den Indizes keine Chance auf Kursgewinne.

Interview mit Dirk Müller

'Mr. Dax' kritisiert Griechenland-Hilfen

Interview mit Dirk Müller: 'Mr. Dax' kritisiert Griechenland-Hilfen

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Trotz der Ängste rund um den US-Haushalt, glaubt eine Vielzahl von Experten nicht an eine drohende Rezession in Amerika. Sie sind davon überzeugt, dass die Vereinigten Staaten bis zuletzt warten, dann aber das Ruder rumreißen werden. "Die Vereinigten Staaten können sich nicht leisten, das Problem nicht zu lösen, daher wird es sicher eine Einigung in letzter Minute geben", sagte Marktanalyst Ben Le Brun von OptionsXpress. "Bis dahin wird aber viel Verunsicherung herrschen, die die Märkte belastet."

Kommentare (21)

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so_what

14.11.2012, 08:01 Uhr

Infineon reduziert den Einsatz von Zeitarbeit und führt selektiv Kurzarbeit ein +++ Personalstand eingefroren +++ Produktionsanlagen werden vorübergehend abgeschaltet.

(07:51) - Echtzeitnachricht

Account gelöscht!

14.11.2012, 09:10 Uhr

Moin moin zusammen,

Sorgen um Griechenland...hatten wir auch lange nicht

nimmt das noch einer Ernst? Genauso sind die 16 Bio. aus Ami-Land fällig. Juckt doch keinen. Drück aufn Knopf und alles ist wieder bei Null. Ändert doch an der Welt auch nix.

ich nenne das mal "freundlicher Schuldenerlass"

Madrilene

14.11.2012, 09:49 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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