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21.03.2016

18:42 Uhr

Börse Frankfurt

Gemächlich in die Karwoche

Die Aussicht auf die Osterpause und Verunsicherung über die künftige Fed-Politik hat Anleger heute in der Defensive gehalten. Nur der Chemieriese Bayer sorgte im deutschen Leitindex Dax für einige Bewegung.

Börse am Abend

Monsanto Angebot beflügelt Bayer-Aktie

Börse am Abend: Monsanto Angebot beflügelt Bayer-Aktie

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Frankfurt am MainEuropas Aktienanleger sind zu Beginn der verkürzten Handelswoche vor Ostern in Deckung gegangen. Der Dax schloss am Montag mit 9.948,64 Punkten nahezu unverändert. Der EuroStoxx50 verlor 0,4 Prozent.

„Ich könnte mir vorstellen, dass sich einige Marktteilnehmer nach einem turbulenten ersten Quartal früh in die Osterferien verabschieden“, sagte Analyst Jens Klatt von DailyFX. Anleger wollten sich so kurz vor dem Quartalsende und der Handelspause einfach nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, fügte ein Händler hinzu. Wegen Ostern sind ab Karfreitag viele europäische und die US-Börsen geschlossen.

Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London erwartet zudem vorerst keine neuen Geldspritzen der Notenbanken, die gerade erst alle getagt hätten. Die Stimmung sei daher eher neutral. Am Vormittag hatten Sorgen um eine straffere US-Geldpolitik den Dax vorübergehend wieder ins Minus gedrückt. Auslöser waren Aussagen eines ranghohen US-amerikanischen Notenbankers über eine möglicherweise bevorstehende Erhöhung des Leitzinses, die von den Anlegern negativ aufgenommen wurden.

Am Devisenmarkt behauptete der Euro mit 1,1250 Dollar sein Vorwochenschlussniveau knapp. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1271 (Freitag: 1,1279) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8872 (0,8866) Euro.

Beschlüsse der EZB am 10. März 2016

Niedrigerer Leitzins

Die EZB senkt den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Der Schritt selbst hat wenig direkte Auswirkungen. Hierbei geht es vor allem um das damit verbundene Signal, dass die EZB entschlossen handelt.

Höherer Strafzins

Die EZB senkt den Einlagenzins im Euro-Raum von minus 0,3 auf 0,4 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine noch höhere Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Allerdings belastet dies den labilen Bankensektor. Deshalb war im Vorfeld der Ratssitzung auch über eine Staffelung des Einlagezinses diskutiert worden, ähnlich wie in der Schweiz. Dabei würde der negative Einlagenzins erst dann greifen, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine bestimmte Obergrenze überschreitet.
Draghi hat sich aber gegen ein solches Modfell entschieden. Dies sei in einer Währungsunion mit sehr unterschiedlichen Banken nur schwer umzusetzen, sagte er.

Mehr Anleihenkäufe

Die EZB weitet das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro aus. Dadurch erhöht sich Gesamtvolumen bis März 2017 um 240 Milliarden auf 1,74 Billionen Euro. Anleihekäufe seien ein Signal, das der Markt versteht, hatte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding im Vorfeld gesagt.

Dieser Schritt galt aber als durchaus umstritten. Für die Deutsche Bundesbank, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik kritisch sieht, ist diese Pille schwerer zu schlucken, als die Senkung des Einlagenzinses. Draghi sagte jedoch, der EZB-Rat habe die Maßnahmen mit einer „überwältigenden Mehrheit“ beschlossen. Durch das höhere Volumen stößt die EZB bei ihren Käufen schneller an Grenzen: Ihren selbst auferlegten Regeln zufolge darf sie keine Bonds kaufen, deren Zinsen unter dem Einlagesatz liegen (jetzt minus 0,4 Prozent). Und sie darf auch nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erwerben.

Bei Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitet sie dieses Limit nun auf 50 Prozent der ausstehenden Anleihen aus.

Firmenanleihen

Um Knappheit zu verhindern, weitet die EZB außerdem die Auswahl der von ihr gekauften Anleihen aus. Im Dezember hat sie das Sortiment bereits um Anleihen von Regionen und Kommunen im Euro-Raum erweitert. Nun kauft sie außerdem auch von in Euro notierenden Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade).

Kredite zum Traumtarif

Die EZB weitet ihr Programm aus, mit dem sie Banken zu sehr günstigen Konditionen langfristig Geld leiht, wenn sie mehr Kredite vergeben. Ab Juni sollen vier spezielle Kreditlinien – im Fachjargon TLTRO II genannt – für die Finanzinstitute mit einer Laufzeit von vier Jahren aufgelegt werden. Die Kosten orientierten sich am Einlagenzins, den die EZB jetzt auf minus 0,4 Prozent gesenkt hat. Banken können also Geld damit verdienen, sich Geld zu leihen.

Bereits seit 2014 bieten die Währungshüter gezielte Geldspritzen an. Sie sollen Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen zu vergeben. Allerdings brauchen viele Banken gar nicht mehr Liquidität. Dies hilft deshalb wohl lediglich einigen angeschlagenen Instituten.

An der Wall Street notierten der Dow-Jones- und der S&P500-Index zum Handelsschluss in Europa ebenfalls wenig verändert. Hauptgesprächsthema in New York war die milliardenschwere Übernahme von Starwood durch Marriott, die ihr Angebot erhöht hatten. Papiere des Hotelbetreibers fielen um 1,1 Prozent. Starwood-Titel legten dagegen um vier Prozent zu. Der Kauf des in London ansässigen Finanzdatenanbieters Markit durch den Informationsdienstleister IHS für knapp sechs Milliarden Dollar schob die Aktien beider Firmen kräftig an: IHS gewannen 7,2 Prozent, Markit 11,4 Prozent.

Der Euro Stoxx 50 ging bei 3.048,77 Punkten 0,4 Prozent leichter aus dem Handel. Der Stoxx 600 sank um 0,3 Prozent auf 340,82 Stellen. Der SMI gewann 0,5 Prozent auf 7849,57 Punkte.

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