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09.03.2016

18:34 Uhr

Börse Frankfurt

Gewinnmitnahmen vor der EZB-Sitzung

Die Aussicht auf neue Geldgeschenke von EZB-Chef Mario Draghi hat Anleger am Mittwoch in Kauflaune versetzt. Gegen Handelsschluss machten einige von ihnen allerdings Kasse, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Börse am Abend

Börse wartet auf Draghi - Eon und BMW sorgen für Bewegung

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FrankfurtOhne klaren Trend hat sich der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch präsentiert. Während Standardwerte und Aktien aus der zweiten Reihe überwiegend freundlich endeten, tendierten Technologiepapiere mehrheitlich im Minus. Vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag sei die Nervosität der Anleger hoch gewesen, sagten Börsianer.

Der Dax stieg nach nach einem holprigen Start im Verlauf um bis zu 1,5 Prozent, was Händler vor allem dem schwächeren Euro zuschrieben. Mit der Euro-Erholung am Nachmittag und einem abbröckelnden Dow-Jones-Index büßte der deutsche Leitindex den Großteil seines Vorsprungs im späten Handel aber ein.

Letztlich gewann das deutsche Börsenbarometer 0,31 Prozent und schloss bei 9.723 Punkten, nachdem er an den beiden Vortagen noch geschwächelt hatte. Der MDax, der die mittelgroßen Werte repräsentiert, schloss am Mittwoch 0,36 Prozent höher bei 19.475 Punkten. Dagegen fiel der Technologiewerte-Index TecDax um 0,29 Prozent auf 1.599 Punkte.

Die Erwartungen an die EZB

Was die EZB bisher getan hat

Die Zinsen im Euroraum wurden unter EZB-Chef Mario Draghi quasi abgeschafft, der Leitzins liegt seit September 2014 mit 0,05 Prozent nur noch knapp im positiven Bereich. Zusätzlich kauft die Notenbank seit dem 9. März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. 60 Milliarden Euro nimmt die EZB dafür in die Hand - Monat für Monat. Im Dezember verlängerte der EZB-Rat dieses Programm („Quantitative Easing“/QE) um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017. Das viele billige Geld soll über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen ankommen und die Wirtschaft ankurbeln.

Warum die EZB nachlegen will

Oberstes Ziel der EZB sind stabile Preise - und die definieren Europas Währungshüter bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Doch davon ist die Inflation trotz der Geldflut der Notenbank weiterhin meilenweit entfernt. In Deutschland drückte der erneute Absturz der Ölpreise die jährliche Teuerungsrate im Februar nach vorläufigen Zahlen auf Null. Im Euroraum fielen die Verbraucherpreise erstmals seit einem halben Jahr sogar wieder: Die Inflationsrate ging auf minus 0,2 Prozent zurück. Das dürfte die EZB nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Christoph Weil bestärken, ihre eigenen Inflationsprognosen zu senken: „Dies macht den Weg frei für weitere expansive Maßnahmen.“

Was die EZB noch tun kann

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter den Strafzins nochmals verschärfen, den Banken bezahlen müssen, wenn sie kurzfristig Geld bei der Notenbank parken. Seit Dezember liegt er bei 0,3 Prozent. Möglich wäre auch eine Staffelung dieses Zinses je nach Höhe der Einlagen. Müssen Banken mehr für das Bunkern von Liquidität zahlen - so die Theorie - bringt sie das eher dazu, das Geld als Kredit an Verbraucher und Unternehmen weiterzureichen. Theoretisch könnte die EZB auch das Volumen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe aufstocken oder Grenzen aufweichen, die im Rahmen ihres QE-Programms eingezogen wurden - wie die, dass die Zentralbank nicht mehr als 33 Prozent der Anleihen eines Staates kaufen darf. Solche Schritte sind im EZB-Rat aber wesentlich umstrittener als das Thema Strafzinsen.

Was die Maßnahmen bringen - und was nicht

Ökonomen raten zu mehr Besonnenheit: Hauptgrund für die niedrige Inflation sei der Absturz der Ölpreise - und der sei zugleich ein Konjunkturprogramm. „Der niedrige Ölpreis lässt der Inflation keinen Raum zum Atmen. Doch die Lage ist nicht so gravierend, wie die Gesamtrate glauben macht“, kommentierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die jüngsten Inflationszahlen. Und da die Finanzmärkte eine Erholung der Rohölpreise erwarteten, sei für 2017 im Durchschnitt eine Inflationsrate von rund zwei Prozent wieder realistisch. „Deshalb sollte die EZB über die aktuelle Flaute hinwegsehen“, riet Zeuner. „Vor allem eine weitere Absenkung des bereits negativen Einlagensatzes erscheint mir per Saldo wenig wirksam.“

Am Markt werde fest damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Ausweitung ihrer Wertpapierkäufe auf 75 Milliarden Euro monatlich ankündigt, schrieben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar. Außerdem sei eine Verlängerung der Laufzeit des Programms möglich. Bislang pumpen die Währungshüter „mindestens bis März 2017“ monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um die Konjunktur anzukurbeln und die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

„Da die Erwartungen an die EZB aber so hoch gesteckt sind, besteht das Risiko, dass sie dahinter zurückbleibt“, warnte Devisenstratege Niels Christensen von der Nordea Bank. In diesem Fall müsse mit einer kräftigen Aufwertung des Euro gerechnet werden. Einige Börsianer sehen die Währung in diesem Fall wieder bei 1,11 Dollar. Am Mittwoch kostete sie 1,1024 Dollar.

Ein Jahr QE-Programm der EZB: Viel Geld – wenig Wirkung

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Seit einem Jahr kauft die EZB massiv Anleihen. Damit will sie die Inflation nach oben treiben – bislang aber ohne Erfolg. Im Euroraum fallen die Preise sogar. Immerhin werden mehr Kredite vergeben.

Am Rohstoffmarkt sorgte die Aussicht auf ein geringeres Überangebot für gute Stimmung. Die großen Exportstaaten wollen ab dem 20. März über eine Deckelung der Fördermengen beraten. Sollte es zu einer Einigung kommen, wäre dies ein Schritt auf dem Weg, Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bekommen, sagte Analyst Olivier Jakob vom Research-Haus Petromatrix. Aktuell werden täglich ein bis zwei Millionen Barrel Rohöl mehr gefördert als benötigt.

Mit Erleichterung reagierten Investoren zudem auf den im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Anstieg der US-Lagerbestände. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu 3,7 Prozent auf 41,11 Dollar je Barrel (159 Liter).
Gleichzeitig trennten sich Anleger von Gold. Das als sicher geltende Edelmetall verbilligte sich um 0,5 Prozent auf 1.254,16 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, gab 100 Ticks auf 162,17 Punkte nach.


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Trotz Konjunktursorgen ziehen die Preise für Eisenerz und Kupfer sprunghaft an. Doch Anleger sollten vorsichtig sein. Analysten sprechen von hochspekulativen Märkten und wissen nicht, ob sie dem Braten trauen dürfen.

Bei den deutschen Aktienwerten rückte am Mittag BMW ins Rampenlicht. Der Autobauer konnte mit einem Rekordergebnis und der Anhebung seiner Dividende auf 3,20 Euro je Stammaktie Investoren nicht überzeugen. Börsianer hatten mit 3,38 Euro gerechnet. Die Papiere schlossen 1,8 Prozent tiefer bei 78,54 Euro.

Nach unten ging es auch für E.ON, die sich nach Vorlage der Bilanz um 3,1 Prozent verbilligten. „Der Ausblick macht die Musik“, sagte ein Händler. „Und da dieser nicht besonders optimistisch ausgefallen ist, fürchten Anleger, dass es auch bei der Dividende künftig Abstriche geben könnte.“ Außerdem gab Vorstandschef Johannes Teyssen für 2015 einen Rekordverlust von sieben Milliarden Euro bekannt.

An der Wall Street sorgte Air Transport mit einem Kurssprung von zeitweise knapp 27 Prozent für Aufsehen. Der Flugzeugvermieter liefert 20 Boeing -Frachtmaschinen an Amazon, der die Auslieferung von Paketen zunehmend in Eigenregie übernehmen will. Der Online-Händler sicherte sich gleichzeitig das Recht, bis zu 19,9 Prozent an Air Transport zu übernehmen. Dies hievte deren Aktien auf ein Rekordhoch von 14,90 Dollar.

Die Titel der US-Paketzusteller UPS und FedEx verloren dagegen bis zu 1,6 Prozent(WSJ) auf seiner Internetseite unter Berufung auf eingeweihte Quellen. Die Anwendung eines eigentlich für die Finanzbranche vorgesehenen Gesetzes könne zusätzliche Strafen bedeuten.

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