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08.06.2012

17:31 Uhr

Börse Frankfurt

Händler verzweifeln an Spanien

Spanien muss unter den Rettungsschirm. An der Börse können sich die Anleger nicht recht entscheiden, was sie davon halten sollen. Am Ende verliert der Dax nur leicht. Die Nervosität der Investoren bleibt.

Ein schwacher Tag: Der Dax pendelt am Freitag um -1,0 Prozent. Reuters

Ein schwacher Tag: Der Dax pendelt am Freitag um -1,0 Prozent.

FrankfurtDie anhaltenden Sorgen um die Weltkonjunktur haben die Anleger an den europäischen Aktienmärkte auch zum Wochenschluss in Atem gehalten. Dass Spanien voraussichtlich noch am Wochenende einen Hilfsantrag für seinen angeschlagenen Bankensektor stellen wird, beruhigte die Investoren am Freitag aber etwas. Der Dax beendete den Handel 0,2 Prozent im Minus bei 6130,82 Zählern. Auf Wochensicht gewann der deutsche Leitindex 1,3 Prozent. Der MDax verlor am Freitag ein Prozent auf 10.123,12 Punkte, der TecDax 0,5 Prozent auf 745,09 Stellen und der SDax 0,2 Prozent auf 4768,81 Punkte.

Am Vormittag hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass die spanische Regierung am Wochenende Finanzhilfen aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF für die angeschlagenen Banken des Landes beantragen werde. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wird die Ankündigung für den Antrag für Samstagnachmittag erwartet. Die spanische Vizeregierungschefin Soraya Saenz de Santamaria sagte, die Regierung habe in der Sache noch keine Entscheidung getroffen. „Spanien ist wohl klargeworden, dass die Zeit drängt und das Problem dringend gelöst werden muss“, sagt ein Händler. „Am Markt wurde wohl schon vermutet, dass sich Spanien nicht mehr so viel Zeit lassen kann. Deswegen wird das nur zur Kenntnis genommen.“

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Ein weiterer Händler stellte fest, dass Anleger verzweifelt auf der Suche nach guten Nachrichten seien. Dass Spanien jetzt wohl doch ein Einsehen habe und um Gelder aus dem EFSF bitten werde, stütze den Markt.

Viele Marktbeobachter blieben skeptisch, ob ein spanischer Hilferuf einen positiven Effekt auf die Märkte haben wird. Es dürfte bald zu Spekulationen kommen, ob das Land nicht auch für die normalen Staatsfinanzen ein Rettungsprogramm beantragen müsse, prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. „Schließlich würde Spanien mit einem solchen Hilfsantrag für Bankenhilfen einräumen, dass es sich nicht mehr für alle Zwecke am Markt finanzieren kann.“ Börsianer rechneten zudem damit, dass sich der Fokus der Finanzmärkte künftig wieder stärker auf Italien richten wird.

Ein anderer Händler sagte: „Die Frage ist, ist das gut oder schlecht?“ Die meisten wüssten nicht, wie sie den Hilfsantrag Spanien bewerten sollten und warteten zunächst ab. Der Hilfsantrag nehme zwar erst einmal etwas Unsicherheit aus dem Markt. „Gleichzeitig wissen aber alle, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich die Aufmerksamkeit auf den nächsten Dominostein richtet. Und das ist Italien“, sagte der Händler. Marktstratege Jörg Rahn von Marcard Stein & Co sagte: „Das ist grundsätzlich eine positive Nachricht, denn es wirkt erst einmal stabilisierend.“ Die EU nehme Spanien vor der Wahl in Griechenland unter die Fittiche, damit die Unsicherheiten nicht überhandnähmen. Er gab aber zu bedenken: „Man darf nicht vergessen, dass das ordentlich Geld kostet.“

Der Tag an den Märkten (Stand 17:29 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Für Unmut hatte bei den Dax-Anlegern am Morgen vor allem die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft gesorgt. US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte am Donnerstag im Kongress klargemacht, dass sich die Fed trotz der schleppenden Wirtschaftserholung in den USA zunächst nicht auf weitere Konjunkturspritzen festlegen lassen will. Für einen Dämpfer sorgte zudem die Leitzinssenkung in China. „Hatte die Ankündigung am Donnerstag noch für Begeisterung gesorgt, macht sie die Investoren heute nervös. Denn den meisten ist klargeworden, dass die Konjunktur dort offenbar wirklich schwächelt, wenn die Chinesen so überraschend die Zinsen senken“, sagte ein Börsianer.

Spanien belastete die Märkte allerdings auch mit einem bereits am Donnerstag gesenkten Kreditrating. „Vor allem die Abstufung Spaniens wiegte am Morgen recht schwer“, sagte Händler Jörg Heineke von der Investmentgesellschaft TAO Capital. Das Ausmaß der Senkung bis auf zwei Stufen über Ramsch-Niveau sei nicht erwartet worden. Zudem drohten aufgrund des negativen Ausblicks weitere Abstufungen.

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Auf der Verkaufsliste im Dax standen vor allem konjunktursensible Titel wie Thyssen-Krupp und MAN. Sie gaben 3,8 beziehungsweise 2,5 Prozent nach. Auch die Finanzwerte, die immer sehr stark auf Nachrichten rund um die Euro-Zone reagieren, mussten Federn lassen. Commerzbank und Deutsche Bank verloren 3,1 beziehungsweise 0,5 Prozent. Der europäische Bankenindex verlor 0,5 Prozent. Versorger starteten dagegen eine Gegenbewegung nach oben, nachdem sie am Vortag zu den schwächsten Branchen in Europa gehört hatten. Eon und RWE legten jeweils um etwas mehr als ein Prozent zu. Auch der Dialysespezialist FMC konnte zulegen, um ein Prozent. Die DZ Bank äußerte sich in einer Analyse positiv zu den Chancen langfristig orientierter Anteilseigner.

Celesio-Anleger honorierten den Umbau der Führungsstruktur. Mit einem Plus von gut fünf Prozent waren die Papiere des Pharmahändlers größter Gewinner im MDax. Die Neuorganisation sei längst überfällig gewesen und sollte den Aktienkurs nach oben treiben, schrieb DZ-Bank-Analyst Thomas Maul in einem Kommentar.
Übernahmespekulationen schoben Freenet im TecDax um 1,7 Prozent an. Mehrere Händler erklärten, es gebe Spekulationen, dass die Deutsche Telekom an Freenet interessiert sei. Sprecher beider Unternehmen wollten das Marktgerücht auf Anfrage nicht kommentieren. Im Handelsverlauf reduzierte sich das Freenet-Plus auf 1,4 Prozent.
Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,11 Prozent am Vortag auf 1,05 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,25 Prozent auf 134,46 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,57 Prozent auf 143,93 Punkte. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2468 (Donnerstag: 1,2595) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8021 (0,7940) Euro.


Kommentare (83)

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Account gelöscht!

08.06.2012, 07:35 Uhr

Muah ha ha. Die Gegenbewegung dauerte gerade mal 2 Tage. Heute ist von der Euphorie aber auch gar nichts mehr übrig. Für einige Feiertagsler von gestern kommt heute wieder das böse Erwachen :-)

Jetzt die hohen Kurse entgültig zum Ausstieg nutzen und Shortposition eingehen. Mit ein wenig Geduld und Spucke dürften wir heute wieder unter der so unwichtigen Marken 6000 schließen, bevor nächste Woche vor der Wahl in Griechenland die Börsen richtig abklappern.

Allen Shorties einen wundervollen Tag :-)

Kevin_Prince

08.06.2012, 08:04 Uhr

und warum sind sie hier und fegen nicht die Straßen?

Also weg von Papis PC!

Nervensaege

08.06.2012, 08:04 Uhr

@handelsblatt online: Schmeisst diesen Hamburger mit seinen ewigen Wiederholungen endlich raus. Er verunmöglicht hier eine halbwegs vernünftige Diskussion.

Oder verlangt wenigsten von ihm, dass er etwas Intelligentes sagt. Dieses Geplapper nervt.

[+++@Nervensaege: Natürlich möchten auch wir, dass eine anregende Diskussionsatmosphäre in der Community herrscht und diese nicht unnötig gestört wird. Sollte Ihnen eine solche Störung in Zukunft auffallen, möchten wir Sie bitten, diese als Spam zu melden und wir kümmern uns zeitnah um den Fall. Mit freundlichen Grüßen die Redaktion +++ ]

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