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15.06.2012

17:45 Uhr

Börse Frankfurt

Hellas-Spekulationen bescheren Dax Gewinne

Die großen Notenbanken werden nach der Griechenlandwahl dem Finanzmarkt auf die Sprünge helfen. Zumindest hoffen das die Investoren. Der Dax legte zum Wochenende deutlich zu. Die Analysten bleiben allerdings skeptisch.

Börse Frankfurt am Abend

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FrankfurtKurz vor der Wahl der Griechen ließen sich Anleger europaweit nicht verunsichern. Grund für die positive Stimmung am Markt war die Hoffnung auf einen Geldregen vieler Notenbanken. Nach Reuters-Informationen wollen die Zentralbanken bei Bedarf frisches Geld in den Markt pumpen, um eventuelle Kursturbulenzen nach den Griechenland-Wahlen am Wochenende abzufedern. Der Ausgang der Parlamentswahl in Athen könnte Experten zufolge das Ende des Euros in Griechenland besiegeln, sollten sich die Spar- und Reformgegner durchsetzen.

"Das Eurosystem wird weiter Liquidität an kreditwürdige Banken bereitstellen, wenn das notwendig ist", kündigte der EZB-Chef Mario Draghi am Freitag in Frankfurt an. Sein japanischer Kollege Masaaki Shirakawa betonte, die Notenbanken stünden in engem Kontakt und beobachteten die Lage genau.

An den Börsen sorgten die Pläne für Kauflaune. Am großen Verfallstag an den Terminmärkten ("Hexensabbat") schloss der Deutsche Leitindex 1,5 Prozent höher bei 6.229 Punkten. Die Wall Street startete ebenfalls mit Gewinnen.

Instrumente bei Marktturbulenzen

Katastrophe unwahrscheinlich

Europa hält den Atem an: Vom Ausgang der Wahl in Griechenland hängt nicht nur die Zukunft des hoch verschuldeten Krisenlandes ab. Derzeit rechnet zwar kaum jemand mit dem absoluten Katastrophenszenario - die Griechen verabschieden sich vom Euro, die Troika stoppt die Hilfszahlungen und an den Börsen bricht die Panik aus. Doch welche Instrumente stünden für den Fall der Fälle zur Verfügung?

EZB

Die Währungshüter intervenieren seit dem Ausbruch der Finanzkrise regelmäßig als Krisenfeuerwehr. Sie senkten die Zinsen, um die Konjunktur anzukurbeln, kauften im großen Stil Staatsanleihen strauchelnder Euro-Staaten und pumpten Milliarden in den Geldkreislauf, indem sie Banken langfristig billig Geld liehen.

Starken Wechselkursschwankungen können Notenbanken zudem mit dem Kauf oder Verkauf von Devisen begegnen. Bei schweren Krisen wie nach der Lehman-Pleite 2008 schreiten die wichtigsten Notenbanken der Welt häufig gemeinsam ein.

Börsen

Die Aktienmärkte könnten zeitweise geschlossen werden, um einen Crash zu verhindern. Nach den Terroranschlägen vom 11. September blieben die Börsen an der New Yorker Wall Street für mehrere Tage geschlossen. Beobachter rechnen allerdings nicht damit, dass am Montag an den Märkten Panik ausbricht. Eine weitere Möglichkeit: Der Handel mit bestimmten Papieren - zum Beispiel Bank-Aktien - wird zeitweise ausgesetzt.

Kapitalverkehrskontrollen

Um zu verhindern, dass Griechen nach der Wahl große Summen an Euro ins Ausland in Sicherheit bringen, müssten möglicherweise die Grenzen für einige Zeit kontrolliert werden. Artikel 65 des Lissaboner Vertrages erlaubt Kapitalverkehrskontrollen für den Fall, dass die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Sicherheit bedroht sind.

Banken

Das Bankensystem könnte ins Wanken geraten, falls die Sparer in Griechenland Geld im großen Stil abziehen. Um das zu verhindern, dürften Kunden an Geldautomaten wohl nur noch eine bestimmte Summe abheben. Die Banken müssten zeitweise geschlossen werden. Helfen kann auch - wie nach der Lehman-Pleite - eine Garantieerklärung der Politik, dass die Spareinlagen sicher sind.

Analysten bleiben skeptisch

"Die schnelle Reaktion zeigt, dass die Welt sich auf ein Lehman-ähnliches Ereignis vorbereitet", sagte Marktanalystin Dafni Serdari von Intertrader und spielte damit auf den Bankrott der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 an, der in der Finanzkrise wie ein Brandbeschleuniger gewirkt hat. "Liquidität in einen Schuldenberg zu pumpen kann aber nicht die Kreditwürdigkeit (eines Landes) verbessern", mahnte Serdari. "Es kann nur die Dinge für eine Weile am Laufen halten."

Allein die Europäische Zentralbank (EZB) hat der Finanzbranche in den vergangenen Monaten langfristige Billig-Kredite im Volumen von gut einer Billion Euro zur Verfügung gestellt.

"Obwohl einige Händler auf eine weltweite Flut billigen Geldes setzen, werden sich die heutigen Kursgewinne im Rahmen halten", betonte Aktienmarkt-Experte Jonathan Sudaria vom Brokerhaus Capital Group. Angesichts des unklaren Ausgangs der griechischen Wahlen und der dadurch drohenden Kursturbulenzen sei es viel zu riskant, sich vor der Wahl aus dem Fenster zu lehnen.

"Diese Maßnahme ist per Definition eine kurzfristige", schrieb Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank, in einem Marktkommentar. "Wenn allein Liquidität zur Überwindung dieser Krise benötigt würde, wäre sie schon vor langer Zeit gelöst worden." Allein die Europäische Zentralbank (EZB) hat der Finanzbranche in den vergangenen Monaten Billig-Kredite im Volumen von gut einer Billion Euro zur Verfügung gestellt. Jakobsen betonte, er werde sich bis Montag mit Engagements zurückhalten. "Aber für Dienstagmorgen sieht alles nach Verkauf aus."

Gewinner der Woche (Dax)

Deutsche Börse

+ 2,8 Prozent

RWE

+ 3,1 Prozent

Allianz

+ 3,4 Prozent

Fresenius

+ 3,6 Prozent

Deutsche Telekom

+ 3,6 Prozent

Eon

+ 5,6 Prozent

Bayer

+ 6,64 Prozent

Der Euro gewann, während US-Staatsanleihen unattraktiver erschienen und abgestoßen wurden. Angeschoben wurde der Euro auch von den anhaltenden Spekulationen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed. Die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten hielten die Hoffnungen auf Konjunkturhilfen aufrecht, hieß es am Markt. Die US-Arbeitsdaten waren am Donnerstag enttäuschend ausgefallen: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist gestiegen, Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang gerechnet. Schwache Wirtschaftsdaten vom Freitag gingen wegen der Notenbankgerüchte unter.

Kommentare (70)

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Account gelöscht!

15.06.2012, 07:44 Uhr

Nachfolgend der Timetable für den heutigen Großen Verfall für die, die es interessiert:

FESX und OESX 11:50 - 12:00 Uhr Durchschnittskurs (AQR/VWAP)

FDAX und ODAX 13:00 Uhr Mittags-AU 5 statt normal 2 Minuten (in dieser Zeit kann herrlich mit dem Future manipuliert werden, da die Kasse satte 5 Minuten durch die Mittags-Auktion blockiert ist. Wer um die Zeit Pinkeln geht, ist selber schuld !!!)

Single-Stock-Options 17:30 Uhr (Settlement mit der CA von 17:30 - 17:35 Uhr)

Ps: Als Profi, der sein Geld mit Geld verdient, handelt man seit/ab heute Morgen sowieso schon den September-Kontrakt. Und der hat momentan einen Fair-Value-Spread für die Cash- und Carry-Arbitrage von ca. 4 - 6 Punkte zur Kasse.

Endspiel

15.06.2012, 08:07 Uhr

EZB wird mal wieder stützen (müssen) - egal wie die Griechenlandwahl ausgeht. Der unvermeidliche Absturz wird dadurch noch härter als ohnehin befürchtet, es wird immer nur Zeit gekauft, nicht das Problem gelöst. Das Endspiel um die EU-Währungsunion ist in vollem gange, nicht ohne Grund wurde mal wieder schnell eine Telefonkonfernz für Sonntagabend einberufen, es brennt alles lichterloh.

Account gelöscht!

15.06.2012, 08:47 Uhr

Freut mich.
Alles, was die betonierten Verhältnisse in Deutschland auflockert, das ist zu begrüßen.

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