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21.06.2013

18:02 Uhr

Börse Frankfurt

Hexensabbat verhext den Dax

Erst die Fed, dann der Hexensabbat. Die Aktienmärkte suchten am Freitag nach einem rettenden Anker, doch finden konnten sie ihn nicht. Der Dax beendete die Handelswoche mit großen Verlusten.

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FrankfurtEine Handelswoche zum Vergessen. Der Dax schloss am Hexensabbat satte 1,8 Prozent tiefer auf 7.789 Punkten. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf mehr als vier Prozent. Zwar wurden stärkere Schwankungen am großen Verfallstag, auch Hexensabbat genannt, erwartet, doch von diesen war in den ersten Handelsstunden zunächst noch nicht zu spüren. Erst mit Eröffnung der US-Börsen wuchs die Unbeständigkeit der Aktienmärkte und mit ihr der Verlust des Dax.

In New York zeigten sich die Börsen ähnlich volatil. Zur Eröffnung noch stark, verloren Dow Jones & Co. schnell den Anschluss. Am Abend notierte der US-Leitindex 0,3 Prozent im Minus auf 14.708 Zähler. Zum Start lag er 0,7 Prozent im Plus.

Doch auch wenn der Hexensabbat für Kapriolen beim Dax gesorgt hat, bleibt das alles beherrschende Thema die Geldpolitik der Fed. Die wagen Ankündigungen des Fed-Chef Ben Bernanke zu einer möglichen Straffung der Geldpolitik, ließen weltweit die Kurse in den Keller rauschen.

„Obwohl Bernanke kaum Änderungen in seinen Aussagen vornahm, haben die Märkte jeglichen Interpretationsspielraum ausgereizt“, hieß es in einem Marktkommentar der St. Galler Kantonalbank. Die Überreaktion auf Bernankes Worte zeige, wie dominant die Zentralbanken in den letzten Jahren geworden seien.

Analystenstimmen zur Fed-Geldpolitik

Uwe Burkert, LBBW

„Die scharfe Reaktion der Rentenmärkte dies- und jenseits des Atlantiks bestätigt unseres Erachtens unseren Eindruck einer negativen Grundstimmung der Marktteilnehmer. Die Reduzierung des Expansionsgrads der Geldpolitik wird jedoch voraussichtlich in einem vorsichtigen Tempo erfolgen, eine Zinsanhebung in den USA dürfte bis Jahresende 2014 voraussichtlich nicht auf der Agenda stehen.“

Rob Lutts, Cabot Money Management

„Das Überraschendste war die Anhebung der Wachstumsrate für 2014. Auf die Wachstumszahlen wird sich der Anleihemarkt am stärksten konzentrieren. Die Bondanleger sagen sich: 'Wenn die Fed richtig liegt, müssen wir kurzfristig mit höheren Renditen rechnen.'“

George Rusnak, Wells Fargo Private Bank

„Die Fed wird mit der Drosselung der Wertpapierkäufe entweder im vierten Quartal oder im ersten Quartal nächsten Jahres beginnen.“

Camilla Sutton, Scotiabank

„Die Konjunkturprognosen signalisieren, dass die Arbeitslosenquote 2014 auf 6,5 Prozent sinken wird. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen früher anziehen könnte als erwartet, möglicherweise bereits im ersten Quartal 2015.“

Axel Merk, Merk Investments

„Die Hauptbotschaft ist, dass die Fed die Wertpapierkäufe wirklich drosseln will und dies bis zum nächsten Sommer abzuschließen hofft. Bernanke möchte kommunizieren, dass dies nicht unbedingt eine geldpolitische Straffung bedeutet, aber der Markt scheint das anders zu sehen.“

Fred Dickson, D.A. Davidson & Co.

„Er hat die Möglichkeit der Drosselung im September vom Tisch gewischt. Seine Aussagen über eine mögliche Verringerung der Wertpapierkäufe zum Jahresende und die Einstellung Mitte kommenden Jahres hat für etwas Klarheit, aber offenbar auch für Überraschung gesorgt.“

Brian Levitt, Oppenheimerfunds

„Die Fed beurteilt die US-Konjunktur offenbar optimistischer als bislang. Ich werte dies als gute Nachricht. Der Prozess der Normalisierung ist langwierig. Es bedeutet nicht, dass die Geldpolitik über Nacht gestrafft wird und die Grundlagen für den Aktienmarkt erscheinen immer noch vernünftig. Anleger sollten ihre Aktienpositionen nicht auflösen, weil die Fed mit dem langwierigen Prozess einer Normalisierung der Geldpolitik beginnt.“

Kan Mayland, Clearview Economics

„Erreicht das Wirtschaft zumindest durchschnittliche Wachstumsraten? Werden monatlich nachhaltig mehr als 200.000 neue Jobs geschaffen? Steigen die Preise zu schnell und überschreiten die Inflationserwartungen die Zielmarken? Nein, Nein und Nein. Daher kann man eine Drosselung zumindest in den kommenden Monaten vergessen.“

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank

„Für die nächsten Wochen und Monate dürfte am wichtigsten sein, dass wir nun einen klaren Fahrplan für das "tapering" haben: Wenn sich die Rahmendaten so entwickeln, wie das FOMC erwartet, werden wir - so kündigte Bernanke an - eine erste Reduktion des QE-Volumens "später in diesem Jahr" sehen. Und "um die Mitte" 2014 würde dann QE3 ganz eingestellt. Das ist wesentlich klarer, als alles was wir bisher von der Fed zu diesem Thema gehört haben. Hinzu kommt, dass das Statement wesentlich optimistischer ausfiel als im Mai. (...) Die Kombination aus optimistischerer Konjunktureinschätzung und "Guidance" ist ein starkes Signal für die US-Währung.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Fed-Chef Bernanke hat bei der gestrigen Pressekonferenz zur FOMC-Sitzung den zukünftigen Pfad der Geldpolitik, insbesondere die monatlichen Anleihekäufe, an die Entwicklung der Konjunkturdaten gekoppelt. Konkret heißt dies, dass die Notenbanker anhaltende Zeichen eines selbstragenden Aufschwungs und einer nachhaltigen Verbesserung sehen wollen. Sollte dies der Fall sein, könnten die Anleihekäufe im späteren Verlauf des Jahres zurückgefahren werden und gegen Mitte 2014 auslaufen. Während die Fed zukünftig den monetären Impuls allmählich verringern wird, ist die EZB noch immer bereit, der EWU-Wirtschaft mit weiteren Lockerungen unter die Arme zu greifen. Zwar hatte EZB-Präsident Draghi jüngst die Überzeugung geäußert, dass für eine weitere Zinssenkung derzeit keine Notwendigkeit bestehe, alle Optionen inklusive negativer Einlagensätze aber offen seien.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Bernanke ist deutlicher geworden, als der Markt es erwartet hat. Die Richtung des Dollar ist ab jetzt festgelegt.“

Die Lage an den Aktienmärkten bleibt also weiterhin angespannt. Von einem nachhaltig positiven Trend an den Börsen ist man noch weit entfernt. Der Handel am Donnerstag hat gezeigt, dass sich die Anleger immer noch sehr schwer mit der Vorstellung anfreunden können, dass die Fed irgendwann in näherer Zukunft ihr Anleihekaufprogramm reduzieren und die Zinsen anheben könnte. Doch solange diese Renitenz der Anleger bestehen bleibt, solange dürften die Fundamentaldaten den Aktienkursen hinterherlaufen – und solange kann man nicht von Nachhaltigkeit sprechen.

Die Analysten der LBBW gehen davon aus, dass die Fed bei der Reduzierung ihrer Anleihenkäufe ein vorsichtiges Tempo an den Tag legen wird. Auch eine Zinsanhebung in den USA dürfte bis Jahresende 2014 voraussichtlich nicht auf der Agenda stehen, hieß es in einem Kommentar der Bank. Bernanke will nur dann das Fuß vom Gaspedal nehmen, wenn sich die Wirtschaft in den USA nachhaltig erholt.

Das drohende Auseinanderbrechen der Regierungskoalition in Griechenland setzte der Börse in Athen zu. Investoren zogen sich zurück und drückten den griechischen Leitindex knapp vier Prozent ins Minus. In Athen scheint sich nach gerade mal einem Jahr Amtszeit ein Austritt der Demokratischen Linken aus der Regierungskoalition abzuzeichnen. Auslöser der Krise war die umstrittene Schließung des staatlichen Rundfunksenders ERT.

Kommentare (34)

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Gast

21.06.2013, 07:49 Uhr

Dabei, so eigentlich alle Webseiten, die dieses Thema aufgreifen, hat Bernanke eigentlich, konkret, garnichts gesagt.

Account gelöscht!

21.06.2013, 08:26 Uhr

Ja, so ist es. Aber die Vola wird benötigt, um Geld zu verdienen.

Stocks_On_Sale

21.06.2013, 08:32 Uhr

Die Korrektur ist doch mehr als überfällig und gesund.

Ich bin alles andere als ein Shorty oder DayTrader und warte mit meiner Shopping-Liste auf den nächsten 5% Rücksetzer bei Qualitätstiteln, die ich für "immer" ins Depot nehme.

Werden wir in 10 oder 20 Jahren höhere Kurse sehen als heute? - auf jeden Fall.

Von daher beobachte ich den Ausverkauf ein wenig weiter und versuche den ganzen "Lärm" und das Getrommel der Medien zu ignorieren.

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