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18.04.2011

17:55 Uhr

Börse Frankfurt

Kein guter Tag für den Dax

Die Staatsschulden waren heute das alles bestimmende Thema. Schlechte Nachrichten gab es insbesondere für die USA und aus Griechenland. Die andauernde Berichtssaison trat in den Hintergrund.

Am Nachmittag wurde es für die Börsen weltweit turbulent. Quelle: dpa

Am Nachmittag wurde es für die Börsen weltweit turbulent.

FrankfurtSorgen um die europäische Schuldenkrise und die US-Wirtschaft haben den Dax tief ins Minus gezogen. Der deutsche Leitindex rutschte um 2,1 Prozent auf 7.026,85 Punkte ab. Es war der größte Tagesverlust seit dem 15. März, als er im Zuge der Atomkatastrophe in Japan mehr als drei Prozent verloren hatte. Für den MDax ging es um 1,98 Prozent auf 10 164,96 Punkte abwärts, der TecDax fiel um 2,10 Prozent auf 898,47 Punkte. Auf die Stimmung drückten Gerüchte um eine Umschuldung Griechenlands. „Es wird über eine Restrukturierung beziehungsweise eine Streckung der Schuldenlast in Griechenland spekuliert, was vor allem die Finanzwerte in den Abwärtsstrudel reißt“, sagte Stratege Mario Gollob von CMC Markets. Marktanalyst Frank Geilfuß vom Bankhaus Löbbecke verwies zudem auf Finnland, wo die Rechtspopulisten Neuverhandlungen über das EU-Stabilitätspaket fordern. Schließlich beschleunigte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Talfahrt: S&P sieht die Top-Kreditwürdigkeit der USA in Gefahr und senkte den Ausblick von „stabil“ auf „negativ“.

"Die Schuldenkrise ist alles andere als vorbei", betonte auch Aktienstratege Koen De Leus von KBC Securities. Einem Zeitungsbericht zufolge hatte die griechische Regierung die Europäische Union (EU) und Internationalen Währungsfonds (IWF) um eine Umschuldung gebeten. Das griechische Finanzministerium dementierte den Bericht umgehend. Die Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung Griechenlands wird nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mittlerweile auch in Teilen der Bundesregierung als sehr hoch eingeschätzt.

Die Schlusslichter im Dax waren heute die Commerzbank, die 5,1 Prozent auf 4,19 Euro verlor, und die Allianz. Deren Papiere notierten mit 4,8 Prozent im Minus. Neben dem milliardenschweren Griechenland-Engagement
lasteten auch die Nachwirkungen der Pflichtwandelanleihe auf den Aktien der zweitgrößten Bank Deutschlands. Die Allianz war als einer der größten eigner der Commerzbank betroffen.

Neben den Diskussionen um griechische Staatsanleihen wurde die Deutsche Bank noch von einer weiteren Meldung belastet. Sie bleibt überraschend auf der BHF-Bank sitzen. Offenbar in letzter Minute stoppten die Bankenaufseher der BaFin den Verkauf der Tochter an die liechtensteinische Fürstenbank LGT, obwohl sich Käufer und Verkäufer bereits geeinigt hatten. Einen neuen Anlauf zum Verkauf der Frankfurter BHF mit 1500 Mitarbeitern will die Deutsche Bank nicht nehmen, wie das Institut mitteilte. Im Zuge der nun geplanten Eingliederung in den Konzern drohen der BHF stärkere Einschnitte als unter der LGT. Der Eigenhandel, das Investmentbanking und das internationale Kreditgeschäft dürften keine Zukunft haben. Die Aktien der Deutschen Bank gaben um 2,6 Prozent auf 40 Euro nach.

Nur zwei Titel konnten sich im grünen Bereich halten. Der Halbleiterhersteller Infineon hatte seine Erwartungen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres überraschend angehoben. Beim Umsatz erwartet der Konzern nun 994 Millionen Euro nach 922 Millionen Euro im Vorquartal, wie er in München mitteilte. Bislang hatte Infineon nur einen leichten Umsatzanstieg in Aussicht gestellt. Die Papiere notierten mit 1,4 Prozent im Plus. Merck profitierte von einer Anteils-Aufstockung durch den US-Vermögensverwalter Blackrock und notierte ein halbes Prozent im Plus. Die Ziele von Blackrock seien zwar unklar, dennoch werde dieser Schritt positiv gesehen, sagte ein Börsianer. Merck zufolge hat Blackrock bei seiner Beteiligung die meldepflichtige Schwelle von fünf Prozent überschritten und hält nun 5,06 Prozent an dem Darmstädter Traditionsunternehmen.

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