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26.01.2015

18:00 Uhr

Börse Frankfurt

Keine Angst vor Griechenland

Draghis Geldpolitik zeigt Wirkung: Der Dax rast von einem Rekord zum nächsten. Das neue Allzeithoch hat der Index am Montag bei 10.807 Punkten erklommen. Der Syriza-Sieg in Griechenland konnte die Stimmung nicht trüben.

Börse am Abend

Dax: Kein griechisches Problem

Börse am Abend: Dax: Kein griechisches Problem

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FrankfurtForderungen nach einem Schuldenschnitt und eine Absage an die Sparpolitik - der Wahlsieg des Linksbündnis Syriza in Griechenland versetzte EU-Politiker am Montag in Alarmbereitschaft. Nicht so die Märkte. Die Dax-Anleger blieben die Ruhe selbst. Sie kauften weiter fleißig Aktien - und schickten den Leitindex rund eine Stunde vor Börsenschluss auf ein neues Rekordhoch auf 10.807 Punkten. Der Index schloss 1,4 Prozent im Plus auf 10.798-Zählern. Die 11.000-Marke ist also nicht mehr weit entfernt. Seit Jahresbeginn hat er 8,6 Prozent zugelegt, 4,7 Prozent allein in der vergangenen Woche. „Die Formel lautet jetzt: Alle Probleme werden mit Billionen Euro zugeschüttet”, sagte ein Händler. Die Stimmung sei angesichts von EZB-Geldspritzen einfach zu gut.

Griechenland – Gefahrenherd für Europa?

Der ESM

Anders als zu Beginn der Krise, als Politiker auf hektischen Gipfeltreffen mit improvisierten Maßnahmen der Probleme Herr zu werden versuchten, verfügt die Eurozone heute über eine Institution, die speziell für die Rettung angeschlagener Mitglieder geschaffen wurde. Der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM) kann Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro beispringen. Staaten können Hilfen auch beantragen, wenn Kapitallücken im Bankensystem klaffen.

Die Lage der anderen Krisenländer

Neben Griechenland mussten während der Eurozonen-Krise auch Portugal, Irland und Zypern unterstützt werden. Anders als damals gibt es heute aber keine auf der Hand liegenden Kandidaten mehr, auf die eine Krise überspringen könnte. Die Lage der Staatsfinanzen in Portugal und Irland hat sich deutlich verbessert, in Spanien wuchs die Wirtschaft zuletzt wieder kräftig. Nur bei den Schwergewichten Frankreich und Italien sind kaum Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits und den Strukturreformen zu verzeichnen.

Die EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Finanzmärkten klar gemacht, dass sie den Euro verteidigen will. Im Juli 2012 erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, man werde „alles Erforderliche“ tun, um den Euro zu retten. Seitdem hat die EZB ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Die Märkte erwarten, dass die EZB im ersten Quartal 2015 den breit angelegten Kauf von Staatsanleihen verkünden wird. Dank der Käufe dürften Euroländer ihre Haushalte zu besseren Konditionen finanzieren können. Das würde nicht nur Griechenland zugutekommen.

Das europäische Bankensystem

Beim Ausbruch der Eurozonen-Krise im Jahr 2010 fürchteten die Kapitalmärkte die Folgen einer griechischen Staatspleite für den europäischen Bankensektor. 2012 verzichteten private Gläubiger Griechenlands – darunter auch Banken – auf die Rückzahlung von 100 Milliarden Euro Schulden. Im Vergleich dazu sind Europas Banken heute nicht mehr so stark in Griechenland engagiert.

Und so verhält sich die Börse derzeit so, als habe die Griechenland-Wahl- zumindest im Moment nicht die höchste Priorität. Einzig die Papiere im europäischen Bankensektor reagierten empfindlich auf den Sieg der Syriza-Partei, welche Reformen ablehnt und einen Schuldenschnitt fordert.

Analyst Markus Huber von Peregrine & Black betonte, einige Anleger seien geneigt, den Wahlausgang in Griechenland vorerst zu ignorieren, bis in den nächsten Wochen und Monaten ernsthafte Verhandlungen zwischen Athen und der „Troika“ der internationalen Geldgeber starten.

„Der Sieg der Syriza bedeutet nicht den Austritt Griechenlands aus der Eurozone“, betonten die Analysten der VP Bank. Zum einen reiche das Ergebnis nicht für einen Alleingang der Partei unter Alexis Tsipras. Zum anderen wolle der Parteichef sein Land in der Eurozone halten - er habe seine Rhetorik abgemildert.

Auch die Firmen in Deutschland zeigen sich derzeit immun gegen die Turbulenzen in Europa - etwa den sich wieder zuspitzenden Ukraine-Konflikt. „Die Unternehmen haben sich daran gewöhnt”, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Der Ifo-Geschäftsklima-Barometer kletterte im Januar von 105,5 auf 106,7 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Das war bereits der dritte Anstieg in Folge, was als zuverlässiger Hinweis für eine Wende zum Besseren gilt. Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Plus auf 106,3 Zähler erwartet. „Die deutsche Wirtschaft startet gut ins neue Jahr”, sagte auch der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte beurteilten sowohl ihre Lage als auch ihre Geschäftsaussichten optimistischer.

Kommentare (84)

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Herr Peter Lorenz

26.01.2015, 07:50 Uhr

Ja, wer hätte das gedacht. Natürlich niemand in der berauschenden Euphorie, wo doch Aktien nur eine Richtung kannten. Man musste nur heute investieren und konnte morgen ernten, wie zur Dotcom-Ära.

"drohen doch neue Unsicherheiten für die Stabilität des Euro"

Ja, der Euro könnte noch weiter abrutschen. Sicherlich rechnet auch damit niemand.

Herr Peter Noack

26.01.2015, 07:54 Uhr

Was für ein sonderbarer Beitrag!
Mit Bezug auf die Griechenlandwahl sank der Dow Jones vorsorglich um 0,8 Prozent am Freitag. Hat sich der Dow jemals um Ereignisse in einem europäischen Kleinstaat geschärt? Das gleiche beim Nikkei! Sank der Nikkei wegen den Vorgaben aus den USA oder wegen der Griechenlandwahl?
Und dann erst der Euro! Der Euro sank vergangene Woche täglich um über 2 Prozent. Jetzt sinkt er wegen der Wahl in Griechenland um 0,1 Prozent. Dann seht nach eurer Überschrift. Wenn ihr das ernst gemeint habt, wer braucht dann noch die Zeitung?

Herr Frank Bauer

26.01.2015, 08:02 Uhr

? Es wird auch heute wieder steigen ... Lol .. Also nicht schon wieder die lächerliche gernan Börsen Angst ;-)

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