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23.05.2011

22:00 Uhr

Börse Frankfurt

Keine Chance für den Dax

Griechenland hat zwar eine ganze Reihe neuer Maßnahmen beschlossen, um den drohenden Staatsbankrott noch abzuwenden. Auch Italien wehrt sich gegen eine drohende Herabstufung. Doch die Märkte kann das kaum beruhigen.

Im Euro-Raum ist eine Baustelle neben der anderen: zu Griechenland gesellt sich Italien. Quelle: dpa

Im Euro-Raum ist eine Baustelle neben der anderen: zu Griechenland gesellt sich Italien.

FrankfurtDer griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou und sein Ministerrat sollen bei einer Sondersitzung am Montag eine Reihe neuer Sparmaßnahmen beschlossen haben. Wie die Athener Zeitung "To Vima" auf ihrer Internetseite berichtet, steht demnach an erster Stelle der Verkauf von Teilen der zwei größten Häfen des Landes, Thessaloniki und Piräus. Zudem sollen ein Kasino nahe Athen sowie weitere Aktien des Flughafens Athens "Eleftherios Venizelos" und die Landwirtschaftsbank (ATE) verkauft werden.

Griechenland hat nur noch bis Mitte Juli Geld, um seine Verpflichtungen zu erfüllen und Löhne sowie Pensionen zu zahlen. Am Dienstag will Papandreou auch die Oppositionschefs über den Ernst der Lage informieren und ihre Zustimmung einfordern, hieß es. Um aus der Zwickmühle zu kommen, braucht Athen dringend die nächste Hilfs-Tranche von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Höhe von zwölf Milliarden Euro. Die Experten der EU und des IWF haben bislang kein grünes Licht für die Auszahlung der benötigten Hilfe gegeben, weil das bisherige Sparprogramm gescheitert ist. Sie wollen am Mittwoch erneut prüfen, ob mit dem neuen Sparprogramm das Geld doch noch an Athen überwiesen werden kann. Weiter plant die Regierung, die Verkehrssteuern um 20 Prozent zu erhöhen.

Mit Sparmaßnahmen in einem Umfang von 35 Milliarden bis 40 Milliarden Euro will Italien sicherstellen, dass es bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt erreicht. In der Euro-Schuldenkrise war das Land zuvor wieder in den Blick geraten: Standard & Poor's drohte am Samstag mit einer schlechteren Bonitätsnote. Die S&P-Analysten warnten, sollte das italienische Wirtschaftswachstum weiter schwach bleiben, werde die Regierung in Rom Probleme mit ihren Plänen zur Schuldensenkung bekommen. Die Agentur rechnet allerdings nicht damit, dass Italien bei EU oder IWF um finanzielle Unterstützung bittet. Grund sei, dass es in Italien keine bedeutenden Ungleichgewichte gebe, teilte S&P am Montag mit.

Dax verliert stark - nur Beiersdorf kann zulegen

Laut Monika Rosen, Chefanalystin der Unicredit für die Sparte Private Banking, kommen zu den anhaltenden Sorgen um die Schuldenkrise noch Themen wie die Auswirkungen der Wahlen in Spanien, die Entwicklung am Währungsmarkt sowie die jüngsten Daten aus Asien als Belastungsfaktoren hinzu. Der Dax verlor zwei Prozent und ging mit 7.129 Punkten aus dem Handel, nachdem er in der vergangenen Woche insgesamt bereits ein Minus von 1,85 Prozent hinnehmen musste.

Am Index-Ende rutschten die Papiere der Lufthansa und der Commerzbank um 3,5 beziehungsweise 3,9 Prozent ab. Die Airline litt laut Händlern unter dem Ausblick des Billigfliegers Ryanair und der neuerlichen Aschewolke in Island. Dort spuckte ein aktiver Vulkan Asche und erinnerte damit an mehrwöchige Flugverbote vor 14 Monaten. Bei der Commerzbank wird der zweite Teil der Mega-Kapitalerhöhung für Altaktionäre zum befürchtet schmerzhaften Einschnitt. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen gibt das teilverstaatlichte Institut die neuen Papiere zum Preis von 2,18 Euro je Stück auf den Markt. Damit liegt der Ausgabepreis um rund 45 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag (3,95 Euro).

Schwache Industriedaten aus China haben am Montag die deutschen Autowerte ins Minus gedrückt. BMW, Daimler und Volkswagen verloren jeweils um die drei Prozent an Wert. Die Fabriken in China steigerten ihre Produktion im Mai den vorläufigen Daten des HSBC-Index zufolge so wenig wie seit zehn Monaten nicht mehr. Die Volksrepublik ist der ein wichtiger Absatzmarkt für die deutschen Autobauer.

Als einziger Gewinner konnten sich die Papiere von Beiersdorf im Dax behaupten. Die Titel des Nivea-Herstellers gingen mit einem Plus von knapp einem Prozent und 45,80 Euro aus dem Handel. Ein Börsianer verwies auf eine Einschätzung des US-Brokerhauses Weeden & Co, in der Colgate-Palmolive ein Kauf des Hamburger Kosmetik-Herstellers nahegelegt wird. Eine breitere Aufstellung jenseits von Zahnpflegeprodukten mache strategisch Sinn für den US-Konzern, heißt es in der Analyse den Angaben zufolge. Ein anderer Händler sprach von einer relativen Stärke von Spätzyklikern am deutschen Markt.

Deutsche Wirtschaft auf Kurs

Deutschland erlebt einen Boom. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von 3,5 Prozent, ähnlich wie im Vorjahr. Er sehe ein "überschäumend positives Bild", sagte IW-Chef Michael Hüther am Montag in Berlin. Für 2012 seien 2,25 Prozent Wachstum zu erwarten. Die Wirtschaft sei derzeit zu 86 Prozent ausgelastet und arbeite an den Kapazitätsgrenzen der Jahre 2006 bis 2008. Dies werde zu verstärkten Investitionen führen. Sie würden im kommenden Jahr um 11 Prozent steigen, 2012 um 6 Prozent. Als Folge des Wachstums wird die Zahl der Arbeitslosen nach Einschätzung von Volkswirten im Mai unter drei Millionen fallen und im Jahresverlauf auch nicht mehr über diese Marke steigen.

Schlechte Nachrichten aus China

Ein Magazinbericht über die starke Konkurrenz chinesischer Hersteller hat Händlern zufolge deutsche Solarwerte belastet. Die Aktien von Solarworld gehörten mit Verlusten von 4,4 Prozent zu den stärksten TecDax-Verlierern. Die Papiere von Q-Cells hingegen konnten sich bis zum Abend wieder etwas erholen, nachdem sie fast den gesamten Tag über deutlich im Minus notiert hatten. Händler verwiesen auf einen Bericht der "Wirtschaftswoche", wonach deutsche Solarunternehmen der Konkurrenz aus China wenig entgegenzusetzen hätten. Sie profitierten daher kaum von der Energiewende in Deutschland, hieß es weiter. Der Technologieindex konnte sich dem Abwärtssog des Dax nicht entziehen und verlor 1,9 Prozent und ging knapp unter der Marke von 900 Punkten aus dem Handel. Nicht besser erging es dem MDax, der ebenso 1,9 Prozent auf nunmehr 10.570 Punkte verlor.

Der Mittelstandsinvestor BWK prüfe eine Platzierung von Bechtle-Aktien bei in- und ausländischen institutionellen Investoren, teilte die Beteiligungsgesellschaft von LBBW und W&W am Montag in Stuttgart mit. Bei der BWK liegen 18,65 Prozent des Kapitals von Bechtle, das Paket ist damit rund 120 Millionen Euro wert. Die Ankündigung der BWK brachten die im TecDax notierten Bechtle-Aktien am Montag ins Rutschen. Die Papiere verloren 4,1 Prozent auf 30,88 Euro. Mitte Mai waren die Titel auf ihren höchsten Stand seit Ende des Jahres 2007 geklettert. Bechtle war Ende März 2000 an die Börse gegangen, die Aktien waren damals zu 27 Euro platziert worden. Die BWK war schon vor der Emission bei Bechtle eingestiegen und hatte zeitweise rund 35 Prozent gehalten.

Indizes geben im späten Handel weiter nach

Und die wichtigsten deutschen Aktienindizes haben im späten Handel der Frankfurter Börse sogar weiter an Boden verloren. Der L-Dax schloss bei 7.115,43 Punkten, nachdem der deutsche Leitindex im Hauptgeschäft bereits 2,0 Prozent auf 7.121,52 Punkte verloren hatte. Der L-MDax beendete das Geschäft in Frankfurt bei 10.554,94 Punkten. Bis zum Nachmittag war der Index mittelgroßer Werte um 1,93 Prozent auf 10.570,39 Punkte abgesackt. Der L-TecDax verabschiedete sich bei 885,42 Punkten. Im Hauptgeschäft hatte der Index der Technologiewerte 1,92 Prozent auf 899,13 Punkte abgegeben. Auch an der Wall Street gaben die Kurse zum Wochenauftakt nach.

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Kommentare (15)

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DAX

23.05.2011, 07:11 Uhr

die Begründungen sind immer so lächerlich.Griechenlands Probleme sind seit mindestens einem Jahr bekannt.und mitte April als es innerhalb einer Woche 5% im DAX nach oben ging wurde auch Irland abgestuft etc.es wird eben immer gerade die aktuellste Sau durchs dorf getrieben,also im Moment wieder die Schuldenkrise.Vorher war es die angeblich sensationell gute Berichtssaison, die gespielt wurde.Richtig gehört:gespielt.der ganze Kapitalmarkt ist nur ein spiel,reinstes Gambling

herbert1949

23.05.2011, 08:33 Uhr

Leute unsere Wahrnehmung stimmt doch nicht, das bilden wir uns doch nur alles ein. Wir werden doch von zahlreichen Eliten in Politik und Wirtschaft durch die Probleme der Welt gesteuert. Also ist alles was die anstellen doch gut und wir sehen das nur falsch. Oder wachen die Trotteloptimisten doch eines Tages auf?

EGAL

23.05.2011, 10:04 Uhr

Als letztes Jahr die Schuldenkrise in Griechenland begann, ist der Dax gestiegen. Durch den Wertverlust im Süden, sind die Papiere im Norden, also Deutschland gestiegen was sich im DAX wiedergespiegelt hat.

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