Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2012

18:11 Uhr

Börse Frankfurt

Konjunktursignale sorgen weiter für Dax-Rally

Optimistische Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben dem Dax am Dienstag zu einem neuen Jahreshoch verholfen. Trotz Rekordverlust bei Thyssen-Krupp sorgten die Aktien des Stahlkonzerns für eine Überraschung.

Trotz italienischer Regierungskrise und US-Haushaltsstreit: Der Dax erreichte am Dienstag ein neues Jahreshoch. dpa

Trotz italienischer Regierungskrise und US-Haushaltsstreit: Der Dax erreichte am Dienstag ein neues Jahreshoch.

FrankfurtAngetrieben von guten Aussichten für die deutsche Wirtschaft ist der Dax am Dienstag um 0,8 Prozent auf 7589 Punkte geklettert. Zeitweise erreichte der Leitindex 7596 Zählern und damit einen neuen Jahreshöchststand. Der MDax legte 0,6 Prozent auf 11.972 Punkt zu, der TecDax notierte am Abend 0,04 Prozent fester bei 832 Stellen.

Die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für Deutschland sind im Dezember 2012 um 22,6 Punkte gestiegen und stehen nun bei 6,9 Punkten. Damit befindet sich der Indikator zum ersten Mal seit Mai 2012 wieder im positiven Bereich. Die rund 350 befragten Finanzmarktexperten gehen davon aus, dass sich die Konjunktur in Deutschland bis zum Frühsommer 2013 stabilisieren wird.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Für den aufkeimenden Optimismus der Finanzprofis gibt es laut Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen drei Gründe: „Griechenland ist gerettet, die EZB bei Bedarf zu einem massiven Eingreifen bereit, und das Ifo-Geschäftsklima ist im November zum ersten Mal seit längerem wieder gestiegen.“ Falls die Zuversicht der Börsenprofis auch auf die Unternehmen ausstrahle, würde die Planungsunsicherheit der Firmen nachlassen. „Und damit auch der derzeit wohl größte Bremsklotz für die deutsche Konjunktur wegfallen“, so Solveen.

Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) geht von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum aus. Nach einem veranschlagten Wachstum im laufenden Jahr von 0,7 Prozent rechnen die Forscher für 2013 allerdings mit einem reduzierten Zuwachs der Wirtschaftsleistung von 0,3 Prozent.

Charts der Woche: Diese Aktien gehen auf Jahresendrally

Charts der Woche

Diese Aktien gehen auf Jahresendrally

Nun scheint die Dezember-Party doch noch loszugehen. Neben dem allgemeinen Stimmungshoch sorgen einige Unternehmen für Überraschungen – manche indes auch für negative. Die Charts der Woche.

Am Morgen hatten magere Vorgaben aus Amerika und Asien kurzzeitig für Verluste beim Dax gesorgt. Der Nikkei-Index fiel leicht um 0,1 Prozent auf 9525 Zähler, der Dow Jones bewegte sich 0,1 Prozent ins Plus auf 13.169 Stellen. Lediglich florierende Geschäfte von McDonald's und Spekulationen auf Zuwächse der Hewlett-Packard-Aktie hatten die Wall Street leicht angeschoben. Die Geschäfte der weltgrößten Schnell-Imbiss-Kette liefen im November besser als erwartet, was die Anleger optimistisch stimmte. Auch Technologiewerte waren gefragt.

Sorgen vor einer Verschärfung der Schuldenkrise in Europa und der nach wie vor ungelöste Haushaltsstreit in den USA hielten die Kauflust jedoch in Grenzen. Der angekündigte Rücktritt von Italiens Ministerpräsidenten Mario Monti und der Comeback-Versuch von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi schürten zudem Sorgen, dass sich die Schuldenkrise in Europa wieder verschärfen könnte.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die Fondsgesellschaft DWS teilt diese Befürchtung nicht. Nach ihrer Einschätzung sei in der Schuldenkrise das Schlimmste überstanden. „Europa verlässt die Intensivstation“, sagte der Geschäftsführer der Deutsche-Bank-Tochter, Asoka Wöhrmann, am Dienstag in Frankfurt. Die Entschlossenheit der Europäischen Zentralbank um ihren Präsidenten Mario Draghi, im Notfall unbegrenzt Staatsanleihen der Schuldenstaaten zu kaufen, habe dazu maßgeblich beigetragen.

Kommentare (19)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Handelblatt

11.12.2012, 09:06 Uhr

Artikel wegen Inhaltslosigkeit zur Löschung vorgemerkt

Au_Backe

11.12.2012, 09:18 Uhr

Du kannst ja noch nicht mal lesen: ThyssenKrupp (ohne Bindestrick übrigens) ist im Minus

Account gelöscht!

11.12.2012, 10:16 Uhr

Hallo HB, so etwas wie bei TKA nennt man "eskomptiert", im Fach-Jargon. Mit diesem einfachen Wort wird beschrieben, dass die schlechten Nachrichten im Kurs bereits enthalten sind. Aber da die Börse ja die Zukunft handelt, wird hier davon ausgegangen, dass diese eben besser wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×