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06.02.2012

17:47 Uhr

Börse Frankfurt

Krimi in Athen hält Dax in Atem

Griechenland hält die Börsen weiter im Bann. Die Zeit drängt und noch immer kann sich die Regierung nicht auf die Forderungen der Troika einigen. Der Dax wird wieder zum Spielball der Entwicklungen in Griechenland.

Börse Frankfurt am Abend

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DüsseldorfIm Griechenland-Drama warten die Anleger auf den letzten Akt. Auch Politikern wie Angela Merkel und Nicolas Sarkozy reist langsam der Geduldsfaden. Solange sich die Griechen nicht auf die Sparauflagen einigen können, kann das zweite Hilfspaket an das Problemland nicht geliefert werden.

Die Börsen zeigten sich im Tagesverlauf von den Entwicklungen in Griechenland beeindruckt. Schwach gestartet, schaffte der Dax am Nachmittag kurz den Sprung ins Plus. Am Ende ging der Leitindex mit einem leichten Minus von 0,03 Prozent auf 6.765 Punkte aus dem Handel. Der MDax beendete den Handelstag 0,5 Prozent tiefer auf 10.360 Punkte und der TecDax sank um 0,4 Prozent auf 769 Zähler.

Der Tag an den Märkten (Stand: 17:50 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Letzte Woche konnten noch gute US-Wirtschaftsdaten das Drama um Griechenland in den Hintergrund drücken. Heute zeigten sich die Anleger wieder sensibilisierter bei diesem Thema. Besonders ein angebliches Ultimatum sorgte für Verwirrung an den Märkten. Aus griechischen Regierungskreisen hieß es, dass die internationalen Kreditgeber Griechenland eine Frist setzten, bis zu der Griechenland sich hätte entscheiden müssen, ob sie die Sparauflagen der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds akzeptiere. Später wurde dieses Ultimatum jedoch revidiert. Ein Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: „So eine Frist gibt es nicht.“ Die einzige Deadline, die es gebe, sei, sich bis zum nächsten Treffen der Euro-Gruppe zu einigen. Das Treffen wird in dieser Woche erwartet.

"Akzeptieren oder pleite gehen"

Der finanziell angeschlagene Staat muss die Sparauflagen akzeptieren um die dringend benötigten Finanzhilfen der internationalen Kreditgeber zu erhalten. Bisher haben sich die Koalitionsparteien am Sonntag auf Kürzungen im Umfang von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geeinigt. Auf harten Widerstand stößt die Forderung der Troika, den Mindestlohn zu senken sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu streichen. Falls sich die Regierung tragenden Parteien in Athen in dieser Frage nicht verständigen, soll dem Land der Kredithahn zugedreht und das vereinbarte zweite Rettungspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro nicht auf den Weg gebracht werden.

Die Zeit ist knapp, das wissen auch Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. „Es ist eine Sache von Tagen, dann müssen wir zum Schluss kommen. Das ist die klare Botschaft“, sagte Sarkozy. Angela Merkel fügte in Paris hinzu:„Ich will bekräftigen: Es kann keine Einigung geben, wenn Troika-Vorschläge nicht umgesetzt werden.“

Aus Sicht von Sudaria hat das hoch verschuldete Land wenig Spielraum: „Die Alternativen sind klar: Akzeptieren oder pleite gehen.“

Langfristig herrscht jedoch ungeachtet vom heutigen Trubel Zuversicht. An den Märkten glaubt keiner, dass es keine Einigung in Athen gibt. Die Auslieferung des zweiten Hilfspakets gilt bei Anlegern als sicher.

Die Chronik der Schuldenkrise

25. März 2010

Beim EU-Gipfel einigen sich die Euro-Länder auf einen Notfallplan für das hoch verschuldete Griechenland. Der Plan sieht freiwillige Hilfen einzelner Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor. Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou betont: „Griechenland ist entschlossen, mit seinen eigenen Problemen fertig zu werden.“

10. Mai 2010

Um die Schuldenkrise einzudämmen, spannen die Finanzminister und der IWF einen Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Euro-Mitglieder. Insgesamt 750 Milliarden Euro sollen im Notfall fließen. Der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière resümiert, jetzt komme „Ruhe in den Karton“.

21. November 2010

Als erstes EU-Land schlüpft Irland unter den EFSF. Europäer und IWF schnüren ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hält Sorgen vor einem Überschwappen auf Portugal für unbegründet: „Gerede über eine Ansteckung hat keine wirtschaftliche oder rationelle Grundlage.“

25. März 2011

Der ständige Krisenfonds wird mit über 700 Milliarden Euro ausgestattet. Der Stabilitätspakt wird verschärft, Defizitsündern drohen auch bei einer zu hohen Gesamtverschuldung Sanktionen. Die 17 Euro-Länder wollen sich in der Sozial-, Steuer- und Haushaltspolitik enger abstimmen.

8. April 2011

Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

20. Juni 2011

Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des EFSF. Deutschlands Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Damit bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten gezahlt werden können, müssen die Euro-Länder ihre Garantien auf 780 Milliarden Euro erhöhen. Merkel verteidigt das: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

23. Juni 2011

Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

8. August 2011

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch Staatsanleihen von Italien und Spanien auf, um beide Länder zu stützen.

 

23. - 27. Oktober 2011

Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, bilanziert Merkel. Und Frankreichs Finanzminister François Baroin sagt erleichtert: „Es gab ein Explosionsrisiko. Das Abkommen von heute Nacht ist eine freundschaftliche, globale und glaubwürdige Antwort.“

01. November 2011

Griechenlands-Ministerpräsident Papandreou kündigt völlig überraschend eine Volksabstimmung über das neue Milliarden-Rettungspaket für Griechenland an. Damit stößt er Merkel und Sarkozy vor den Kopf, die den griechischen Staatschef zum Appell zitieren. Am Vorabend des G20-Treffens in Cannes setzen sie sich mit dem Griechen, IWF-Chefin Christine Lagarde und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker zusammen. „Wir haben Papandreou, ohne ihm einen wirklichen Vorwurf zu machen, darauf hingewiesen, dass sein Benehmen illoyal ist“, wird Juncker am Tag darauf im ZDF-„Morgenmagazin“ sagen. Der unerwartete Vorstoß habe nun zu erheblichen Verstimmungen an den Finanzmärkten und in europäischen Regierungskreisen geführt. Die wichtigste Frage sei, ob Griechenland in der Euro-Zone bleibt oder nicht, so Juncker: „Wir hätten gerne, dass Griechenland Mitglied bleibt, aber nicht zu jedem Preis.“

02. November 2011

Kaum eine Woche im Amt überrascht der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) die Öffentlichkeit: Aus Sorge um die Wirtschaft in der anhaltenden Griechenland-Krise, senkt Mario Draghi den Leitzins von 1,5 auf 1,25 Prozent. Gleichzeitig wird die bereits gebilligte Kreditauszahlung von acht Milliarden Euro an Griechenland auf Eis gelegt.

6. November 2011

Nach einer quälenden Hängepartie einigen sich die beiden großen politischen Lager in Athen auf eine Übergangsregierung. Hauptziel soll die Umsetzung der EU-Beschlüsse vom 27. Oktober sein. Später soll es Neuwahlen geben. Wer die neue Regierung führen soll, darüber wird noch tagelang gestritten. Die Konservativen fordern weiterhin zuerst einen Rücktritt des Sozialisten Papandreou.

8. November 2011

Nun steht auch Silvio Berlusconi vor dem Aus. Bei der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 verfehlt er im italienischen Parlament die absolute Mehrheit. Am Abend kündigt er seinen Rücktritt an. Zuvor sollen aber noch die Brüssel zugesagten Reformen beschlossen werden.

9. November 2011

Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou kündigt in Athen seinen Rücktritt an. Im italienischen Parlament drücken die Fraktionschefs derweil aufs Tempo und einigen sich darauf, dass die Reformen innerhalb weniger Tage durchs Parlament gehen sollen. Staatspräsident Giorgio Napolitano ernennt den ehemaligen EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti überraschend zum Senator auf Lebenszeit - das wird in Rom als Signal gedeutet, dass Monti Nachfolger von Berlusconi werden könnte.

10. November 2011

Die Akteure in Athen einigen sich auf einen neuen Ministerpräsidenten: Der frühere EZB-Vizepräsident Lucas Papademos (parteilos) soll eine Übergangsregierung bis zu Neuwahlen führen und im Parlament die von den internationalen Geldgebern verlangten Reformen durchsetzen. In Italien scheint Silvio Berlusconi mit Mario Monti als neuem Regierungschef einverstanden zu sein.

09. Dezember 2011

Nahezu alle Mitgliedstaaten einigen sich beim EU-Gipfel in Brüssel nach zähen Verhandlungen auf eine Fiskalunion. Großbritannien steht im Abseits. Eine Spaltung der EU wird abgewendet.

12. Januar 2012

In Athen beginnt eine wichtige Verhandlungsrunde über einen Schuldenschnitt der privaten Investoren für Griechenland.

13. Januar 2012

Standard & Poor's senkt die Bonität Frankreichs um eine Stufe auf AA. Acht weitere Euro-Länder sind ebenfalls betroffen.

14. März 2012

Die Eurogruppe gibt ein zweites Griechenland-Paket frei. Der IWF beteiligt sich daran mit 28 Milliarden Euro.

30. März 2012

Die Eurogruppe einigt sich auf eine Stärkung ihrer Rettungsschirme auf maximal 800 Milliarden Euro. Die spanische Regierung beschließt das größte Sparpaket seit Wiedereinführung der Demokratie im Jahr 1977 in Höhe von 27 Milliarden Euro.

09. Juni 2012

Spaniens Regierung kündigt an, zur Sanierung der maroden Banken ein Rettungspaket "light" zu beantragen. Die Eurogruppe sagt Madrid bis zu 100 Milliarden Euro zu.

17. Juni 2012

Bei der Neuwahl in Athen siegen die reformwilligen Konservativen. Europa atmet auf, das Schreckensszenario eines griechischen Euro-Austritts scheint zumindest vorerst gebannt.

25. Juni 2012

Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

Die US-Börsen zeigten sich am Montag im roten Bereich. Nach Frankfurter Börsenschluss verzeichnete der Dow Jones ein Minus von 0,3 Prozent auf 12.822 Punkte, der S&P-500 sank um 0,3 Prozent auf 1.341 Zähler und der Nasdaq-100 lag ebenfalls 0,3 Prozent im Minus auf 2.522 Punkte.

Auf dem deutschen Aktienmarkt hatten heute die Banken-Titel mit dem Thema Griechenland deutliche Probleme. Die Commerzbank schloss heute 1,3 Prozent tiefer und die Deutschen Bank sank um 1,2 Prozent. Der europäische Branchenindex der Banken, Stoxx 600 Banks, verlor am Montag 0,6 Prozent.

Kommentare (19)

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Otternase

06.02.2012, 07:49 Uhr

Bitte überprüfen und ggfs korrigieren: 5.760 = 6.760 ?

Account gelöscht!

06.02.2012, 08:07 Uhr

Es wird mal Zeit für eine stärkere Korrektur.

Account gelöscht!

06.02.2012, 08:14 Uhr

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