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12.04.2013

17:55 Uhr

Börse Frankfurt

Mieser Tag für den Dax

Für den Leitindex ging es heute deutlich abwärts. Zyperns gestiegener Finanzbedarf verunsicherte Anleger am Aktienmarkt, die doch lieber ihre Gewinne mitnahmen. Konjunkturdaten setzten noch einen drauf.

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Kein guter Tag für den Dax. Teilnehmer am Aktienmarkt zeigten sich aufgrund wachsender Sorgen um den Finanzbedarf Zyperns verunsichert. Der Leitindex schloss 1,6 Prozent tiefer bei 7.744 Punkten. Einige Anleger schienen ihre Gewinne der Vortage mitzunehmen. Der Dax hatte am Donnerstag und Mittwoch kräftig zugelegt.

Trotz der Verluste am Freitag schaffte der Dax eine der besten Wochen des Jahres mit einem Plus von einem Prozent. „Das Problem ist, dass der Dax jetzt unter 7800 Punkte gefallen ist“, sagte ein Händler. „Damit droht uns der freie Fall.“

Der Index für die Banken der Euro-Zone verlor angesichts der Unsicherheiten rund um die europäische Schuldenkrise drei Prozent, hatte in dieser Woche allerdings zuvor über sieben Prozent zugelegt. Der Rekordgewinn der US-Großbank ließ Anleger unbeeindruckt.

„Eine verrückte Entscheidung der Finanzminister“?

Beim Treffen der Finanzminister am Freitag und Samstag in Dublin stehen die Schuldenprobleme Zyperns oben auf der Agenda. Immerhin ist der Finanzbedarf der Mittelmeerinsel mit 23 Milliarden Euro rund sechs Milliarden höher als bislang angenommen. Aus Kreisen der Euro-Zone verlautete dazu, dass das hoch verschuldete Land nicht um mehr Geld gebeten habe. Der Kredit über die zehn Milliarden Euro werde nicht neu verhandelt.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

„Es gibt kein Vertrauen mehr, dass die Finanzminister mit der richtigen Lösung um die Ecke kommen“, sagte Chefhändler Toby Campbell-Gray von Tavira Securities. „Bereitet Zypern Sorgen? Ja, aber es ist eine geringere Sorge als der Fakt, dass wir eine neue verrückte Entscheidung der Finanzminister sehen könnten.“ Der erste Entwurf eines Rettungspaket für Zypern hatte zu einem Kurssturz an den Börsen geführt, weil darin alle Bankkunden des Landes zur Aufbringung der notwendigen Gelder herangezogen werden sollten und Anleger einen Präzedenzfall für andere Euro-Länder fürchteten.

Kommentare (31)

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Gelddruckmaschine_Dax

12.04.2013, 07:38 Uhr

Kommentar zu: Dax dürfte Erholungskurs fortsetzen
Na klar! - die Börsen können siet Draghi und Bernanke nicht mehr fallen, das sieht doch jeder.
Immer weiter, immer nur kaufen, short traut sich eh keiner mehr. Die Börsen sind z.Zt. die genialste Geldvermehrungsmaschine die es je gab.

AugenAufImBlasenverkehr

12.04.2013, 07:47 Uhr

Will jemand meine digitalen Tulpenzwiebeln kaufen?

Fehleinschaetzung

12.04.2013, 07:56 Uhr

Kommentar zu: Dax wird im Minus erwartet
Hört, hört, das HB hat eben schnell seine Meinung geändert - sind die schlau!
Ich hatte es jedoch bereits um 6:50 Uhr gesehen das der Future wohl im Minus startet,na ja , jeder macht Fehler (nur nicht jeden Tag) Mal sehen ob es später wieder heißt: Dax nimmt die 7900 ins Visier

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