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29.02.2012

17:57 Uhr

Börse Frankfurt

Mission 7.000 Punkte gescheitert

Der riesige Geldberg, den die EZB an die europäischen Banken verleiht, erscheint mickrig gegen die kritischen Worte von Fed-Chef Ben Bernanke. Gut gestartet verliert der Dax zum Ende an Fahrt und schließt im Minus.

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FrankfurtMit einer unglaublichen Summe flutete die Europäische Zentralbank (EZB) die Banken und doch blieb eine größere Reaktion an den Börsen aus. Der erste Euro-Tender vom Dezember und der jetzige ergeben zusammen eine gigantische Summe von 1,02 Billionen Euro, die die EZB an europäische Finanzinstitute zu einem Prozent vergeben hat.

Nach Bekanntwerden der Details des zweiten Tenders schwankte der Dax stark. Zuerst erreichte er bei 6.967 Punkte sein Tageshoch. Später reduzierte er seine Gewinne und zum Nachmittag stabilisierte er sich im Plusbereich von 0,5 Prozent. Eine Stunde vor Handelsschluss musste der Dax jedoch Federn lassen und fiel in den roten Bereich. Bei einem Kurs von 6.856 Punkten schloss der Leitindex 0,5 Prozent im Minus. Die zweite Reihe beendete den Mittwoch ebenfalls im negativen Bereich. Der MDax sank um 0,1 Prozent auf 10.433 Punkte und der TecDax verlor 0,6 Prozent auf 771 Punkte.

Ben Bernanke sorgte kurz vor Handelsschluss für fallende Börsenkurse. Der Fed-Chef hatte unter anderem erklärt, die zuletzt stark steigenden Benzinpreise in den USA würden vermutlich die Inflation vorübergehend steigen lassen. "Das hat am Markt einige Spekulationen über eine Neuauflage des Anleihekaufprogramms der Federal Reserve gedämpft", erklärte ein Händler in Frankfurt. Im Anschluss an die Aussage fiel auch der Euro. Ein Euro kostete nach Frankfurter Börsenschluss 1,3375 US-Dollar.

Der Tag an den Märkten (Stand: 17:55 Uh)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Das Ausbleiben euphorischer Stimmung nach Bekanntwerden der Details des zweiten Euro-Tenders lag unter anderem an den Erwartungen der Börsianer. Viele Anleger haben sich in den vergangenen Tagen, mit Blick auf die heutige Geldspritze, mit neuen Aktien eingedeckt und so die Reaktion an den Börsen vorweggenommen. Dass die Summe des Tenders nun um einiges größer ausgefallen ist als ursprünglich erwartet, war lediglich eine nette Beigabe.

Die Reaktionen der Experten auf den Euro-Tender waren unterschiedlich. Marktanalyst Heino Ruland sagte: „Das Volumen zeigt, dass das Bankensystem relativ ausbalanciert ist. Interessant ist, wer diesmal zugegriffen hat. Ich gehe davon aus, dass es eine Verlagerung von den süd- zu den nordeuropäischen Banken gab. Dies würde bedeuten, dass das Geld eher der Realwirtschaft zugute kommt, weil die südeuropäischen Institute die Mittel eher zur Ablösung eigener Anleihen verwendet haben.".

Aktienhändler Andreas Lipkow hingegen sieht den Geldsegen kritisch. Er sieht in den derzeitigen Entwicklungen eine neue sich aufblähende Blase im Finanzsektor. Denn für die Notenbanker könnte es ein schwieriges Unterfangen werden, die Gelder wieder aus den Märkten zu nehmen. Bisweilen erscheine die derzeitige Situation auch gefährlich, da praktisch alle Vermögenswerte steigende Notierungen verzeichnen. Das deute auf das Entstehen einer erneuten Spekulationsblase an den Finanzmärkten hin, die sich mit dem billigen Geld weiter vergrößere, ließ Lipkow verlauten.

Bundesanleihen bleiben begehrt

Der Bund-Future hingegen stieg mit Freigabe des Euro-Tenders. Zeitweise erreichte er 140,28 Punkte und lag damit auf einem Rekordhoch. Grund dafür ist das allgegenwärtige Unbehagen in der Causa Griechenland. Aus Furcht vor einer Verschärfung der Krise haben viele Investoren den "sicheren Hafen" Bundesanleihen angesteuert. „Der Bund-Future ist wegen Griechenland noch nicht reif für eine Korrektur“, sagte ein Börsianer.

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Die EZB bietet den Banken zum zweiten Mal Geld für drei Jahre zu Billigkonditionen an. Am Mittwoch gibt sie bekannt, wie groß der Geldregen ausfällt. Die Prognosen reichen von 200 Milliarden bis zu einer Billion Euro.

Kommentare (34)

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denk.mal

29.02.2012, 07:47 Uhr

Die Unterüberschrift ist in zweierlei Hinsicht unzutreffend.

Es handelt sich, wie im Artikel richtig dargestellt, nicht um eine GeldSPRITZE, sondern um einen GeldTOPF.

Der Markt wird einen zu großen Abruf von Mitteln NICHT positiv aufnehmen. Die Beteuerungen Herrn Draghis, dass es sich bei einer Inanspruchnahme nicht um ein Stigma handle, hat der Markt nämlich bislang aus gutem Grund keinen Glauben geschenkt, und das wird auch so bleiben.

Account gelöscht!

29.02.2012, 08:27 Uhr

Ich halte den Artikel fuer sehr begruendet. Realistischer haette man aber schreiben koennen, "Draghi druckt mit seiner EZB Euros ohne Ende und Merkel und der grosse Rest unserer Regierung finden es offensichtlich gut. Normale Bankeinlagen in Form von Sparguthaben gehoeren mehr und mehr der Vergangenheit an. Geld wird nicht mehr gespart sondern einfach gedruckt. Die Sparer werden durch negative Realverzinsung einfach enteignet."

Asket

29.02.2012, 09:25 Uhr

Gleich möchte ich aber auch die 7000 sehen :)

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