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24.06.2014

17:42 Uhr

Börse Frankfurt

Müder Dax schließt leicht im Plus

Der Deutsche Aktienindex hatte heute wie einige WM-Fußballer schwere Beine. Frische Impulse, die für Schwung auf dem Parkett hätten sorgen können, suchte man vergebens. BMW und Daimler spielten die Hauptrollen.

Börse am Abend

Anleger suchen die gefallenen Engel

Börse am Abend: Anleger suchen die gefallenen Engel

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Am Dienstag sah sich der Dax einem impulslosen Handelstag ausgesetzt. Nach der Rekordjagd in der Vorwoche herrschte heute Katerstimmung. Den gesamten Handelstag über entfernte sich der Leitindex nur minimal von seinem Vortagsschlusskurs. Am Ende schloss er bei sehr niedrigen Umsätzen mit 0,2 Prozent auf 9938 Punkten leicht im Plus.

In der zweiten Reihe hielten sich die Aktionäre ebenfalls zurück. Der MDax verlor 0,1 Prozent auf 16.837 Zähler. Der TecDax beendete den Handel bei 1322 Punkten nahezu unverändert.

Bei den Anlegern in Deutschland sorgt eine Vielzahl von Faktoren für Zurückhaltung. Einer von ihnen war der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland. Den Daten des Münchener Instituts zufolge hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Juni eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank erneut und steht nach 110,4 Punkten im Vormonat nun bei 109,7 Punkten, wie das Ifo Institut am Dienstag in München mitteilte. Ökonomen hatten im Vorfeld mit einem Wert von 110,2 Punkten gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft befürchtet mögliche Auswirkungen der Krisen in der Ukraine und im Irak“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Analysten zufolge ist die schlechtere Stimmung der deutschen Wirtschaft aber nicht überzubewerten. Die Drehzahl des deutschen Konjunkturmotors komme lediglich aus dem roten in den immer noch flotten Tourenbereich zurück, sagte Deka-Bank-Ökonom Andreas Scheuerle.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Ebenfalls auf die Stimmung drücken enttäuschende Konjunkturdaten aus Europa. Hier bereitet vor allem der Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft in der Euro-Zone den Marktteilnehmern Kopfzerbrechen, der den zweiten Monat in Folge an Schwung verlor.

Zudem zeigte er die große Kluft zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Währungsunion: Frankreich und Deutschland. Frankreich gerate im europäischen Vergleich immer stärker ins Hintertreffen, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. „Anzeichen für eine gefestigte Konjunkturerholung gibt es bislang nicht.“

Insgesamt richtet sich der Fokus der Anleger aber weiterhin auf die anhaltende Geldschwemme der Notenbanken. Solange das billige Geld weiter in die Märkte fließe, steckten die Anleger auch enttäuschende Konjunkturdaten weg, sagte ein Händler. Die EZB hat erst Anfang Juni ihren Leitzins fast bis auf null Prozent gekappt und erstmals einen Strafzins für Banken eingeführt, die Geld lieber bei ihr parken als es an Unternehmen als Kredite weiterzugeben.

Kommentare (30)

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24.06.2014, 08:33 Uhr

Ach wie schön ist Panama...

Egal, wie die Ifo-Zahlen ausfallen werden. Man interpretiert sie einfach so (hinterher) wie es beliebt und ruckzuck ist man wieder über 10.000 Punkten.

Meiner Einschätzung nach liegt der neue Boden Dank Draghi zur Zeit bei ca 9900 +/- 50 Punkte. Der Deckel, um bei dem Bild zu bleiben aber weiterhin bei ca. 10.100 im P-Dax. Um da auszubrechen, bräuchte es stärkere Impulse.

In der Zwischenzeit lässt sich diese 200-Punkte-Range doch wunderbar handeln.

Die größte Blase bleibt der Anleihenmarkt. Junk mit Renditen um die 2-3%. Das ist keine gerechtfertigte Risikoprämie. Sowas gekoppelt mit Nullzins laut Draghi bis mindestens Ende 2016 gabs noch nie. Das wird einmalig in der Geschichte und sicherlich nicht ohne herbe Verluste in vermeintlich sicheren Anlagen ablaufen.

Account gelöscht!

24.06.2014, 10:48 Uhr

Solange die Zinsen niedrig bleiben, kann die hohe Bewertung noch lange bestehen bleiben. Aber wer ist auch so dumm und kauft noch Anleihen. Die mit hoher Bonität wie die Bundesanleihen bringen nichts mehr und ein Betrug des Gläubigers ist auch hier immer möglich. Die Mittelstandsanleihen mit 5 % Zinsen aufwärts sind hochriskanter Schrott.

Der Ifo Index lässt nicht auf das dringend benötigte Gewinnwachstum hoffen, um die KGV Ausdehnung und die teuren Bewertungen abzumildern, oder gelten für die DAX Konzerne aufgrund ihrer zum Teil überragenden Aufstellung andere Regeln.

Account gelöscht!

24.06.2014, 10:53 Uhr

Die Gefahr starker Kursverluste durch leichten oder mäßigen Zinsanstieg ist jedoch bei den Bonds immer vorhanden. Das trifft auf Staatsanleihen zu und noch viel mehr auf Unternehmensanleihen, denn gerade hier dürften schlechte Unternehmensnachrichten die Zinsen steigen und die Kurse einbrechen lassen.

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