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15.12.2016

17:42 Uhr

Börse Frankfurt

Schwacher Euro trieb Dax in alte Höhen

VonIlias Stampoulis

Nachdem die Fed für klare Verhältnisse in Sachen Zinserhöhung gesorgt hat, zog ein fallender Euro Europas Märkte weiter rauf. Der Dax erreichte ein neues Jahreshoch und hat schon die nächste Hundertermarke im Blick.

Fed-Entscheidung

Das Aus für billiges Geld - Euro stürzt drastisch ab

Fed-Entscheidung: Das Aus für billiges  Geld - Euro stürzt drastisch ab

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FrankfurtEndlich herrscht Gewissheit. Nachdem die Fed in diesem turbulenten Jahr 2016 die Zinsen ein ums andere Mal nicht angerührt hart, konnten sich die Notenbanker in der letzten Sitzung des Jahres doch zu einer Straffung der Geldpolitik durchringen. Die erst zweite Erhöhung seit der Finanzkrise war alles andere als eine Überraschung. Und während das Ja zu höheren Leitzinsen die Wall Street auf ihrer Rekordjagd ausbremste, reagierten Europas Börsen mit soliden Aufschlägen. Dank eines sehr schwachen Euros ging der Dax kurz 1,1 Prozent fester mit 11.366 Punkten aus dem Handel und markierte mit 11.387 Zählern ein neues Jahreshoch. Der Euro-Stoxx-50 rückte 1,3 Prozent vor auf 3252 Punkte.

Auf der gestrigen Sitzung des zuständigen Offenmarktausschusses der Fed beschlossen die Dollar-Hüter einen Anstieg der Leitzinsen um ein Viertelprozentpunkt auf nun 0,5 bis 0,75 Prozent – anders als die Europäische Zentralbank gibt die Fed einen Korridor an, in dem sich der Leitzins bewegt. Der Schritt war von der Finanzwelt erwartet worden. Viel spannender war die Frage, mit welchem Tempo diese neue Phase der strengeren Geldpolitik forciert wird.

US-Zinsentscheid: Yellen fährt vorsichtig die Krallen aus

US-Zinsentscheid

Yellen fährt vorsichtig die Krallen aus

Fed-Chefin Janet Yellen erhöht die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte – und deutet drei weitere Zinsschritte für das kommende Jahr an. Die Anleihe- und Devisenmärkten reagieren deutlich.

Und da gab es eine Überraschung. Fed-Chefin Janet Yellen deutete in der Pressekonferenz nach dem Treffen bis zu drei weitere Erhöhungen im folgenden Jahr an. Freilich tat sie das mit der für ihr Institut typischen Vorsicht, sprich: Man werde die Entscheidung einer weiteren Straffung unter Berücksichtigung aller Daten treffen – wie immer. In ihrem auf Stabilität und Umsicht bedachten Vorgehen geben sich die modernen Zentralbankchefs keine Blöße – sei es nun Janet Yellen oder EZB-Boss Mario Draghi. In Zeiten unkonventioneller Geldpolitik, auch wenn die Fed diese Periode mit der Zinserhöhung allmählich hinter sich lässt, wissen die Geldpolitiker um die Wirkmächtigkeit ihrer Aussagen. So wird die Kommunikation selbst zu einem Instrument der Währungshüter.

Noch sind es nur Spekulationen, wann die nächsten Zinserhöhungen in den USA folgen. So ging das Parkett nach dem Zinsschritt im Dezember 2015, dem ersten seit der Finanzkrise überhaupt, davon aus, dass mit der damals eingeleiteten Zinswende die Straffung schnell erfolgen werde.

Doch im laufenden Jahr verhinderten Sorgen um Chinas Wirtschaftsdynamik, ein Ölpreis-Crash, der Brexit und die US-Wahlen ein entschlosseneres Handeln der Notenbanker. Dass Letzte, was die Geldpolitiker wollen, ist ein Abwürgen der Konjunktur. Daher ihre Vorsicht, Kritiker sprechen von Zögern. Der Blick auf den Terminmarkt verrät, dass aktuell mit zwei weiteren Erhöhungen im Jahr gerechnet wird.

Zentralbanken und Negativzinsen

Japan

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,1 Prozent

Schweiz

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,75 Prozent (15.01.2016)

Einlagenzinssatz für Banken: gestaffelt -0,75 Prozent

Dänemark

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,05 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,65 Prozent

Schweden

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,5 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,5 Prozent

Euro-Zone

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,4 Prozent

Noch deutlicher als die Aktienmärkte reagierte der Devisenmarkt. Obwohl die Entscheidung früh antizipiert worden war, gab der Euro nach dem Fed-Entscheid noch einmal merklich nach. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung mit 1,0406 Dollar 1,3 Prozent tiefer und damit auf einem 13-Jahres-Tief. Der Euro erlebt eine große Abwertung. Seit dem Wahlsieg Donald Trumps von Anfang November, der US-Aktien und den Greenback in Hoffnung auf eine wirtschaftsfreundliche Politik in die Höhe schießen ließ, ging es knapp fünf Prozent runter.

Die Dynamik verstärkte sich, als die EZB vergangene Woche eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschloss, während in den USA die Zinsen nun steigen. Der schwache Euro sorgt für Rückenwind bei den hiesigen Aktien, hilft die billige Währung doch der exportorientierten europäischen Wirtschaft – und damit vor allem der deutschen.

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