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08.11.2016

17:55 Uhr

Börse Frankfurt

Showdown an den Märkten

Nach einem heftigen Wahlkampf und Turbulenzen an den Börsen entscheidet sich in der Nacht zu Mittwoch, wer US-Präsident wird. Anleger halten sich alle Optionen offen, der Dax schließt leicht im Plus.

„Horrorszenario“: Trump dürfte Dax nach unten reißen

Börsen-News: „Horrorszenario“: Trump dürfte Dax nach unten reißen

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FrankfurtDer Showdown zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hat Anleger am Dienstag weltweit in seinen Bann gezogen. Viele hielten sie sich am Tag der US-Präsidentschaftswahl mit Engagements zurück. „Das ist wahrscheinlich die Ruhe vor dem Sturm“, sagte Andre Bakhos, Geschäftsführer des Vermögensberaters Janlyn. Am Mittwoch könnten die Kurse abhängig vom Wahlausgang in beide Richtungen ausschlagen.

Der Dax legte um 0,2 Prozent auf 10.482,32 Punkte zu und der EuroStoxx50 gewann 0,5 Prozent auf 3023,43 Zähler. Am Montag hatten die beiden Indizes getrieben von der Hoffnung auf einen Sieg Clintons jeweils knapp zwei Prozent zugelegt. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, hielt seine Gewinne am Dienstag ebenfalls und notierte bei 97,797 Punkten. Ein Euro kostete 1,1041 Dollar. Auch an den Rohstoffmärkten warteten Investoren ab: Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee kostete 46 Dollar je Barrel (159 Liter) und die „Antikrisen-Währung“ Gold 1273,76 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Worüber die USA heute noch abstimmen

Kongress

Gewählt werden sämtliche 435 Abgeordnete des Repräsentantenhauses, deren Mandat über zwei Jahre läuft. Außerdem stehen 34 der 100 Senatssitze zur Wahl. Die Senatoren werden für sechs Jahre gewählt. Jeder der 50 Bundesstaaten hat unabhängig von seiner Bevölkerungszahl zwei Vertreter im Senat.

Gouverneure

In zwölf Staaten werden die Gouverneure, also die mit weitreichenden Befugnissen ausgestatteten Regierungschefs, gewählt. Acht dieser Posten werden derzeit von Demokraten, vier von Republikanern besetzt.

Regionalparlamente und andere Posten

Gewählt werden auch die Regionalparlamente in vier Bundesstaaten. Außerdem entscheiden die Wähler über tausende von Posten und Mandate auf der kommunalen und regionalen Ebene. Darunter sind Gemeinderäte, Richter, Staatsanwälte und Sheriffs.

Referenden

Die US-Amerikaner entscheiden heute auch über eine ganze Reihe von Referenden. Dabei geht es zum Teil auch um ziemlich skurrile Dinge.

Todesstrafe

Einige der wichtigsten Volksabstimmungen finden in Kalifornien statt. So wird im bevölkerungsreichsten Bundesstaat unter anderem über die mögliche Abschaffung der Todesstrafe abgestimmt. Zwar ist die Todesstrafe in Kalifornien seit zehn Jahren nicht mehr vollstreckt worden. Doch sitzen dort 740 verurteilte Häftlinge in den Todestrakten - mehr als in jedem anderen Bundesstaat.

Marihuana

In dem Westküstenstaat entscheiden die Bürger zudem darüber, ob Marihuana generell legalisiert werden soll. Für den medizinischen Gebrauch ist es in Kalifornien bereits seit 20 Jahren erlaubt. Ebenso wird in Arizona, Maine, Massachusetts und Nevada über die Legalisierung der Droge für „Freizeitzwecke“ entschieden. Bislang ist Marihuana in vier Staaten sowie der Hauptstadt Washington allgemein legalisiert.

Kondome für Pornodarsteller

In Kalifornien geht es in den Wahllokalen auch um die Pornoindustrie. Die Bürger entscheiden darüber, ob die Sex-Darsteller künftig Kondome verwenden müssen.

Sklaverei

In Colorado stimmen die Menschen darüber ab, ob die Sklaverei abgeschafft wird – tatsächlich ist der Bundesstaat inmitten der Rockies der einzige, in dem Sklavenhaltung noch möglich ist. Derzeit gilt: Straftäter sind nicht vor Leibeigenschaft geschützt.

Waffengesetze

In Kalifornien könnten durch ein Referendum „Großraum-Magazine mit einer besonders großen Anzahl von Patronen“ verboten werden. In Nevada dürften, wenn das Referendum Erfolg hat, Waffen künftig nur noch in lizensierten Läden verkauft werden – ausgenommen sind Verkäufe unter Verwandten.

51. Bundesstaat

Bislang ist Washington D.C. Kongress unterstellt. Nun stimmen die Einwohner darüber ab, ob die Hauptstadt der USA der 51. Bundesstaat wird.

„Der jetzt neu aufkeimende Optimismus vor den Wahlen erinnert aber auch an die Umfragen zum Brexit“, warnte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. „Die Anleger haben noch genau in Erinnerung, wie das endete.“ Das überraschende Votum zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU löste Ende Juni ein Börsenbeben aus.

In Umfragen lag Clinton wenige Prozentpunkte vor ihrem Kontrahenten Trump. Demoskopen sehen die Wahrscheinlichkeit, dass die ehemalige Außenministerin das Rennen um das Weiße Haus gewinnt, bei 90 Prozent. „Ein Sieg Clintons würde 'Business As Usual' für die US-Wirtschaft und die Grundausrichtung der Politik bedeuten“, schrieben die Experten des Vermögensverwalters La Francaise in einem Kommentar. Der Milliardär Trump gilt dagegen wegen seiner Unberechenbarkeit als „Börsenschreck“.

Ablenkung von der US-Wahl bot die anhaltende Flut von Firmenbilanzen. Im Dax gehörte die Deutsche Post mit einem Kursplus von 1,5 Prozent zu den Favoriten. Dank des boomenden Online-Handels verdiente der Brief- und Paketzusteller im abgelaufenen Quartal operativ so viel wie noch nie und übertraf dabei die Markterwartungen. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft rechnen die Bonner mit weiteren Bestwerten.

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Am Nachmittag rückte United Internet ins Rampenlicht. Der Finanzinvestor Warburg Pincus kauft für bis zu 450 Millionen Euro rund ein Drittel der Sparte Business Applications, in der unter anderem das Webhosting-Geschäft gebündelt ist. Ein späterer Börsengang dieses Bereichs sei nicht ausgeschlossen. United-Internet-Aktien drehten daraufhin ins Plus und schlossen 5,3 Prozent höher.

Mit Enttäuschung reagierten Investoren auch auf den 40-prozentigen Anstieg des operativen Gewinns von ArcelorMittal. Analysten hatten auf noch mehr gehofft - dies drückte die Titel des weltgrößten Stahlkochers 4,3 Prozent ins Minus.

An der Wall Street sorgte der Kurssturz von Hertz für Furore. Die Aktien des Autovermieters verloren wegen gekappter Gewinnziele zeitweise mehr als die Hälfte ihres Wertes - so viel wie noch nie. Eine gesenkte Umsatzprognose setzte Valeant zu. Die Aktien des kanadischen Pharmakonzerns fiele an der Börse Toronto um knapp 30 Prozent auf ein Sechseinhalb-Jahres-Tief von 18,41 kanadischen Dollar.

Von

rtr

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