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25.07.2017

18:18 Uhr

Börse Frankfurt

Starke Konjunktur gibt Aktien Auftrieb

Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach seiner jüngsten Talfahrt am Dienstag etwas stabilisiert. Als Kursstütze dienten gute heimische und amerikanische Konjunkturdaten sowie ein Rekordhoch beim US-Aktienindex S&P 500.

Börse am Abend

Dax unbeeindruckt von ifo-Allzeithoch, insgesamt aber erholt

Börse am Abend: Dax unbeeindruckt von ifo-Allzeithoch, insgesamt aber erholt

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FrankfurtNach der jüngsten Talfahrt am deutschen Aktienmarkt versuchte sich der Dax am Dienstag an einer Stabilisierung. Unterstützt wurde er bei seinem neuerlichen Anstieg in Richtung der 12.300-Punkte-Marke von einem überraschend starken Ifo-Geschäftsklimaindex und neuen Rekorden an den US-Börsen. Dagegen konnte der weiter steigende Eurokurs, der jüngst wegen der möglichen Beeinträchtigung der Exportaussichten europäischer Unternehmen belastet hatte, nur wenig ausrichten.

Zum Handelsschluss stand der Dax 0,45 Prozent im Plus bei 12 264,31 Punkten. Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen rückte um 0,40 Prozent auf 24 623,83 Punkte vor. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,09 Prozent auf 2260,17 Zähler nach oben. Der EuroStoxx50 legte 0,7 Prozent auf 3477,04 Zähler zu. Der Euro wurde zuletzt zu rund 1,17 US-Dollar gehandelt und erreichte damit den höchsten Stand seit 2015.

Fragen und Antworten zur EZB

Sind Vorwürfe gegen die EZB berechtigt?

Die Finanzkrise und ihre Folgen haben Europas Währungshüter kreativ werden lassen. Eine Rückkehr zu einer Standard-Geldpolitik ist bislang nicht in Sicht. Vielstimmig ist auch der Chor der Kritiker.

Quelle: Friederike Marx und Jörn Bender, dpa

Kritik an den Währungshütern kommt aus den unterschiedlichsten Richtungen

Nullzins, Strafzins, Anleihekäufe – mit ihrem expansiven geldpolitischen Kurs hat sich die Europäische Zentralbank in den vergangenen Jahren nicht nur Freunde gemacht.

AUSSAGE: Die EZB-hält den Euro-Kurs künstlich niedrig, davon profitiert vor allem der deutsche Export (Quelle: US-Regierung).

BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: Der Wechselkurs ist ausdrücklich kein Ziel der EZB-Politik. „Wir sind keine Währungsmanipulatoren“, betont EZB-Präsident Mario Draghi. Getrieben wird die Entwicklung an den Devisenmärkten unter anderem von der unterschiedlichen Zinsentwicklung in den USA und im Euroraum. Angesichts steigender Zinsen in den Vereinigten Staaten ist es für Investoren lukrativer, Geld in Dollar anzulegen als in Euro. Das stärkt den Greenback und schwächt die europäische Gemeinschaftswährung. Zudem hoffen viele Anleger, dass US-Präsident Donald Trump wie angekündigt Steuern senken und Milliarden in die Infrastruktur stecken wird. Die Aussicht auf neuen Schwung für die US-Wirtschaft stärkte seit Trumps Wahl den Dollar. Trump räumte zuletzt ein, er sei teilweise selbst Schuld an der Dollar-Stärke, die Leute hätten Vertrauen in ihn. Direkt am Devisenmarkt hatte die EZB zuletzt gemeinsam mit anderen großen Notenbanken im März 2011 interveniert, um den Höhenflug des japanischen Yen zu bremsen.

AUSSAGE: Mit einem Zinstief enteignet die EZB die Sparer (Quelle: u.a. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU)).

BEWERTUNG: Teilweise richtig.

FAKTEN: Sparbuch und Co. werfen wegen der Niedrigzinsen kaum noch etwas ab. Solange die Teuerungsrate nahe der Nulllinie dümpelte, glich sich das in etwa aus. Doch zuletzt zog die Inflation wieder an, sodass Sparer sogar Geld verlieren können. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann macht sich dennoch für eine ausgewogene Sicht stark: „Wir alle sind nicht nur Sparer, sondern auch Arbeitnehmer, Häuslebauer, Steuerzahler und Unternehmer - und aus dieser Perspektive erscheinen die niedrigen Zinsen nicht nur negativ.“

AUSSAGE: Die EZB wird von den südeuropäischen Staaten dominiert (Quelle: AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel).

BEWERTUNG: Falsch.

FAKTEN: Im obersten Entscheidungsgremium der Notenbank, dem EZB-Rat, haben alle 19 Euroländer eine gleichwertige Stimme - unabhängig vom Gewicht der jeweiligen Volkswirtschaften. Insgesamt hat das Gremium 25 Mitglieder: Die 19 Chefs der nationalen Notenbanken plus die 6 Mitglieder des Direktoriums um EZB-Präsident Draghi. 8 der 25 Mitglieder im EZB-Rat kommen aus Südeuropa. Entscheidungen trifft das Gremium in der Regel mit einfacher Mehrheit. Die EZB ist nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank politisch unabhängig. Ihr vorrangiges Ziel ist es, Preisstabilität im gemeinsamen Währungsraum zu gewährleisten - das bedeutet nach ihrem eigenen Verständnis eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent.

AUSSAGE: Mit ihren milliardenschweren Anleihekäufen finanziert die EZB verbotenerweise klamme Staaten (Quelle: deutsche Volkswirte).

BEWERTUNG: Unklar.

FAKTEN: Die EZB darf nach ihren Statuten bereits im Umlauf befindliche Staatsanleihen erwerben - also etwa von Banken oder anderen Investoren wie Versicherungen oder Hedgefonds. Seit März 2015 kauft die Notenbank im Kampf gegen Konjunkturschwäche und geringe Inflation jeden Monat für Milliarden solche Wertpapiere. Um nicht in den Verdacht der Staatsfinanzierung zu geraten, hat sich die EZB auferlegt, höchstens 33 Prozent der Staatsanleihen eines Eurolandes bzw. eines einzelnen Wertpapiers zu kaufen. Das besänftigt die Kritiker jedoch nicht. Die Notenbanken der Eurostaaten, über die die EZB-Käufe abgewickelt werden, seien durch die laufenden Anleihekäufe zum größten Gläubiger der Staaten des Eurosystems geworden, warnte Bundesbank-Präsident Weidmann schon Anfang 2016. Das mindere den Reformdruck in den Regierungszentralen. „Notenbankhandeln wird als Lösung für alle möglichen Probleme gesehen, die weit über die Geldpolitik hinausgehen“, sagte Weidmann in einem Interview.

AUSSAGE: Mit ihre ultralockeren Geldpolitik gräbt die EZB den Banken das Wasser ab (Quelle: diverse Banken).

BEWERTUNG: Teilweise richtig.

FAKTEN: Lange verdienten Banken gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden zahlten. Doch die Differenz aus beidem, der Zinsüberschuss, schrumpft wegen der Zinsflaute. Die Folge: Banken und Sparkassen brechen die Erträge weg. Zudem müssen sie Strafzinsen von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld über Nacht bei der EZB parken. Zugleich unterstützt die EZB allerdings Banken mit Langfristkrediten zu Mini-Zinsen. Von Juni 2016 bis März 2017 legte die Notenbank ein neues Programm mit vierjährigen Krediten auf. „Niedrige oder negative Zinssätze können nicht per se für niedrige Profitabilität verantwortlich gemacht werden“, argumentiert EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio. Europas Banken müssten ihre Geschäftsmodelle anpassen, um ihre Geschäftsaussichten zu verbessern.

Für Gesprächsstoff sorgten erneut die Kartell-Vorwürfe gegen die deutschen Autobauer. „Mal abgesehen von den möglichen Milliardenstrafen, die bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes ausmachen können, schätzen wir vor allem das Reputationsrisiko sowie eine etwaige Regulierungswelle für die Branche als die größeren Risiken ein“, sagte LBBW-Analyst Clemens Bundschuh.

Unabhängig davon teilte ein Gerichtssprecher mit, dass sich ein Volkswagen-Manager im US-Abgasskandal schuldig bekennen will. Die Konkurrenten BMW und Daimler erholten sich dagegen etwas von ihren Verlusten der vergangenen Tage, ihre Aktien legten 0,6 und 0,2 Prozent zu. Daimler kann darauf hoffen, aus dem Verfahren um mögliche illegale Preisabsprachen mit einem blauen Auge davonzukommen. Einem Insider zufolge erstattete der Stuttgarter Konzern als erster Selbstanzeige.

Der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt, markierte mit 116 Punkten den dritten Monat in Folge ein Rekordhoch. „In den Unternehmen herrscht ausgelassene Partystimmung“, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Zwar könne das reale Wirtschaftswachstum da nicht mithalten. „Die niedrige Arbeitslosenquote und die gut gefüllten Auftragsbücher in der Industrie fühlen sich aber möglicherweise wie ein Rekordboom an.“

Die Helaba lobte diese Entwicklung. Das sei eine Überraschung gewesen. Alles in allem bleibe das Wachstumsszenario damit intakt, schrieb sie. Allerdings gab es auch kritische Stimmen: „Es könnte sein, dass dieser Rausch irgendwann in einem Kater endet“, warnte etwa LBBW-Volkswirt Uwe Burkert. Außerdem gab er zu bedenken, dass die Negativ-Schlagzeilen zu möglichen Kartellabsprachen in der deutschen Autoindustrie und der jüngste Höhenflug des Euro noch nicht in der aktuellen Umfrage erfasst seien.

Während die Anleger weiter überwiegend die Finger von den deutschen Autoaktien ließen, so dass diese sich im unteren Drittel des Dax befanden, legten die Aktie von Henkel im Leitindex um 1,2 Prozent zu. Das Analysehaus Jefferies nahm die Aktie des Konsumgüterherstellers mit „Buy“ und einem Kursziel von 150 Euro in die Bewertung auf. Commerzbank und Deutsche Bank waren mit jeweils 2,3 Prozent die Favoriten im Dax und setzten damit ihre jüngste Erholung fort.

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