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17.03.2016

17:57 Uhr

Börse Frankfurt

Starker Euro beschert Dax Verluste

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins nicht erhöht. Doch der starke Euro vermieste den Börsianern die anfänglich gute Stimmung. Der Dax geht im Minus aus dem Handel.

Börse am Abend

Starker Euro, schwacher Dax!

Börse am Abend: Starker Euro, schwacher Dax!

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Frankfurt am MainDie Freude hielt nicht lang. Konnte die behutsame Straffung der US-Geldpolitik den Dax zu Handelsbeginn noch über 10.000 Punkte hieven, gingen all die Gewinne schon am Vormittag wieder verloren. Grund war der Euro, der im Laufe des Tages die Marke von 1,13 US-Dollar knackte. Zuletzt stand er vor fünf Wochen so hoch, davor im Oktober. Dem exportorientierten Dax bereitete das Probleme. Am Vormittag rutschte der Index bis zu 2,2 Prozent tiefer auf den Tiefststand von 9753 Punkten. Aus dem Handel ging er mit einem Minus vom 0,9 Prozent auf 9892 Zählern.

Dreht die Fed an der Zinsschraube?

Warum denkt die Fed über höhere Leitzinsen nach?

In Europa hat die Europäische Zentralbank die Zinsen gerade gesenkt, die US-Notenbank denkt über eine weitere Anhebung nach - wie passt das zusammen? Die Federal Reserve (Fed) hat zwar auch die Weltwirtschaft im Auge, muss sich bei ihren Entscheidungen aber zunächst einmal am wirtschaftlichen Geschehen in den USA orientieren. Die Lage am Arbeitsmarkt und die Inflation sind bestimmende Indikatoren, beiden hängen zusammen. Die USA haben sich schneller als andere aus der Finanzkrise gearbeitet, die Arbeitslosenquote liegt bei fast idealen 4,9 Prozent - auch wenn dort viele Teilzeit- und Niedriglohnjobs versteckt sind. Die niedrige Inflation war lange Zeit das Haupthindernis für eine Zinsanhebung. Jetzt gibt es vorsichtige Zeichen für ein Anziehen, wie Fed-Vize Fischer kürzlich kundtat.

Quelle: dpa

Warum glauben dann die meisten Volkswirte, dass die Fed derzeit noch nicht an der Zinsschraube dreht?

Die Fed muss vorsichtig sein. In der globalisierten Wirtschaft hängt alles mit allem zusammen, eine reine Binnensicht ist auch in den USA nicht möglich. Eine Zinsanhebung verteuert potenziell etwa die Exporte, Kunden amerikanischer Produkte in konjunkturell schwachen Ländern könnten auf Käufe verzichten. Im schwächelnden China könnten die USA wichtige Marktanteile verlieren, wenn sie jetzt zu schnell handeln.

Quelle: dpa

Wer drückt beim Thema Zinsanhebung aufs Tempo, wer auf die Bremse?

Die Banken hätten gerne höhere Leitzinsen, weil sie dann mittelfristig mehr Geld für Kredite und andere Leistungen verlangen könnten. Sie orientieren sich mit ihren Geschäftszinsen an den Vorgaben der Fed. Notenbanker wie Fed-Gouverneurin Lael Brainard sind vorsichtiger. Brainard sprach zuletzt von „weltweiten Strudeln“, die die USA erfassen könnten. „Es gibt weltweit wenig Zeichen für eine robuste Nachfrage“, sagte sie. Auch der Internationale Währungsfonds IWF, der sich vor allem um notleidende Volkswirtschaften kümmert, hält nach wie vor Vorsicht für geboten.

Quelle: dpa

Gibt es ein Zeitproblem?

Ja. Die Fed muss das richtige Timing erwischen. Wartet sie zu lange mit einer Zinsanhebung, könnte die Inflation plötzlich galoppieren. Dies müsste maßgeblich der kleine Mann tragen, außerdem würden die Risiken für unerwünschte Entwicklungen wie erneute Immobilienblasen steigen. Agiert die Fed zu hastig, würgt sie die Wirtschaft ab.

Quelle: dpa

Welche Auswirkungen hätte eine Zinsanhebung auf Deutschland und Europa?

Unmittelbar wäre diese zunächst einmal gering. Die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik gerade noch einmal gelockert. Nach Einschätzung von Volkswirten wird eine Zinswende in Europa mit einer Verspätung gegenüber den USA von mindestens zweieinhalb bis drei Jahren eintreten. Eine Zinsanhebung könnte jedoch den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken - was gut für deutsche und europäische Exporteure wäre. Die Waren würden für Käufer, die in Dollar bezahlen, billiger. Urlaub in den USA würde hingegen noch teurer.

Quelle: dpa

Die US-Währungshüter signalisierten am Mittwoch, dass sie nach der historischen Zinswende vom Dezember im laufenden Jahr nur noch zwei Mal nachlegen wollen. Im vergangenen Jahr hatten sie angekündigt, sie vier Mal anzuheben. „Die amerikanische Notenbank erlebt gerade ihr Waterloo“, kommentiert Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

In Großbritannien bleiben die Leitzinsen auf historisch niedrigem Niveau von 0,5 Prozent. Die Bank of England denkt vorerst nicht an eine Zinswende, nicht zuletzt weil sie die Möglichkeit eines Austritts des Königreichs aus der EU Blick behalten möchten. Die Bank of England erklärte: „Es scheint, dass sich die Unsicherheit rund um das anstehende Referendum verstärkt.”

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