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01.11.2016

14:36 Uhr

Börse Frankfurt

US-Wahlkampf lähmt die Börsen

Die anstehende US-Präsidentschaftswahl wirft ihre Schatten voraus: Die Unsicherheit über den Wahlausgang sowie durchwachsene Firmenbilanzen lähmen den Aktienhandel. Auch der Feiertag drückt auf den Umsatz.

Nach freundlichem Handelsauftakt drehten die Kurse am Dienstag zeitweise leicht ins Minus. Reuters

Börse Frankfurt

Nach freundlichem Handelsauftakt drehten die Kurse am Dienstag zeitweise leicht ins Minus.

FrankfurtDurchwachsene Firmenbilanzen haben Aktienanlegern am Dienstag die Kauflaune verdorben. Zudem warf die anstehende US-Präsidentschaftswahl ihre Schatten voraus. Der Dax notierte gegen Mittag 0,2 Prozent tiefer bei 10.646 Zählern, der EuroStoxx50 verlor 0,1 Prozent auf 3053 Punkte. Nervosität war auch am Devisenmarkt spürbar: Der Euro verteuerte sich um einen knappen halben US-Cent auf 1,1024 Dollar.

„Umfragen zeigen Donald Trump wieder im Aufwind“, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. „Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb sehr hoch, dass viele Anleger vor einem Neuengagement das Wahlergebnis abwarten wollen.“ Außerdem fehlten wegen des Feiertages Allerheiligen Investoren aus einigen Bundesländern und anderen europäischen Staaten.

Der für die Republikaner antretende Milliardär Trump gilt wegen seiner Unberechenbarkeit als Börsenschreck. Seine Herausforderin, die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton, gilt dagegen als Garantin für Kontinuität. Ihr macht allerdings die wieder hochgekochte Affäre um die Nutzung eines privaten Servers für dienstliche E-Mails zu schaffen.

Wie die Welt im Jahr 2015 ihr Geld anlegt

Nordamerika

Anlageklassen in Prozent des Brutto-Geldvermögens

Bankeinlagen: 14 Prozent

Wertpapiere: 51 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 32 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Quellen: Allianz Wealth Report (Nationale Zentralbanken und Statistikämter, Allianz SE)

Westeuropa

Bankeinlagen: 30 Prozent

Wertpapiere: 27 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 40 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Osteuropa

Bankeinlagen: 54 Prozent

Wertpapiere: 28 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 10 Prozent

Sonstige Forderungen: 8 Prozent

Asien

Bankeinlagen: 44 Prozent

Wertpapiere: 41 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 13 Prozent

Sonstige Forderungen: 2 Prozent

Hinweis: Japan ist in dieser Kategorie nicht gelistet

Japan

Bankeinlagen: 53 Prozent

Wertpapiere:18 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 28 Prozent

Sonstige Forderungen: 1 Prozent

Ozeanien

Bankeinlagen: 23 Prozent

Wertpapiere: 24 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 52 Prozent

Sonstige Forderungen: 1 Prozent

Lateinamerika

Bankeinlagen: 23 Prozent

Wertpapiere: 41 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 33 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Den Experten der Vermögensverwalter Source for Alpha und Capitell zufolge hat die Demokratin dennoch gute Chancen auf einen Sieg bei der Wahl am 8. November. „In einem guten wirtschaftlichen Umfeld tendieren die Wähler zur Beibehaltung der bisherigen Regierung“, betonten sie in einer gemeinsamen Studie.

Da der US-Konjunkturmotor rund läuft, rechnen Börsianer mehrheitlich mit einer baldigen Zinserhöhung der Notenbank Fed. Sie werde am Mittwoch – knapp eine Woche vor der Wahl – die Füße zwar noch stillhalten, sagte CMC-Analyst Stanzl. „Dafür könnte sie den Termin aber nutzen, um die Märkte endgültig auf eine Zinsanhebung im Dezember einzustimmen.“

Am deutschen Aktienmarkt stach Pfeiffer Vacuum mit dem größten Kurssprung seit fünf Jahren heraus. Umsatz und Gewinn des Spezialpumpen-Herstellers gingen weniger stark zurück als befürchtet. Die Aktien stiegen daraufhin um bis zu 9,5 Prozent auf 90,50 Euro.

Im Dax gehörten E.ON und RWE mit Kursgewinnen von bis zu 1,7 Prozent zu den Favoriten. Die E.ON-Beteiligung Uniper markierte mit 12,59 Euro sogar ein Rekordhoch. Wegen der allgemeinen Verunsicherung griffen Investoren verstärkt zu Versorgern und anderen Werten, deren Geschäfte nur wenig konjunkturabhängig sind, sagten Börsianer.

Für Gesprächsstoff sorgten die Geschäftszahlen von BP und Shell. „Bei BP drehte sich die Pressemitteilung um die bevorstehenden harten Zeiten“, sagte Analyst Chris Beauchamp vom Brokerhaus IG. „Shell malt dagegen ein für Investoren ermutigenderes Bild.“

Zwar schnitten beide Ölkonzerne besser ab als erwartet. BP verdanke dies aber nur einem einmaligen Steuereffekt, monierten Börsianer. Die Aktien des Konzerns fielen daraufhin in London um bis zu 3,8 Prozent. Shell zogen dagegen in der Spitze um 3,8 Prozent an.

Auch bei Standard Chartered überwog die Enttäuschung, obwohl die britische Großbank den zweiten Quartalsgewinn in Folge bekanntgab. Investoren verdarb möglicher Ärger mit der Hongkonger Börsenaufsicht die Stimmung. Mit einem Kursminus von bis zu 7,2 Prozent waren die Papiere des Geldhauses Schlusslicht im Londoner Auswahlindex FTSE.

Von

rtr

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