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19.03.2013

18:13 Uhr

Börse Frankfurt

Zypern beunruhigt Dax-Anleger

Die Unsicherheit über die Folgen der Zwangsabgabe für zyprische Bankkunden belastet weiterhin den Handel. Eine geplante Kapitalerhöhung bei Thyssen-Krupp drückte derweil den Aktienkurs des Stahlkonzerns tief ins Minus.

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FrankfurtDie nach wie vor unklare Ausgestaltung des zyprischen Rettungspakets hat europäische Aktienanleger auch am Dienstag verunsichert. Der Dax ging mit einem Minus von 0,8 Prozent und 7947 Punkten aus dem Handel. Der MDax schloss 0,6 Prozent schlechter bei 13.438 Zählern, der TecDax verlor 0,8 Prozent auf 917 Stellen und der Eurostoxx 50 gab 1,2 Prozent auf 2671 Punkte nach. Der Euro kostete am Abend 1,2863 US-Dollar.

Gestützt wurde der Dax von optimistischen Konjunkturerwartungen der Finanzprofis. „Die 8000 Punkte bleiben in Reichweite, und das liegt daran, dass Anlegern langfristig gesehen das Konjunktur-Argument deutlich wichtiger ist als die Entwicklung in Zypern“, sagte Robert Halver, der die Kapitalmarktanalyse für die Baader Bank leitet. Die vom Mannheimer Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erfassten Konjunkturerwartungen sind im März den vierten Monat in Folge gestiegen. Sie liegen mit 48,5 Punkten inzwischen so hoch wie seit fast drei Jahren nicht mehr.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Die Börse in Zypern blieb - wie die Banken - auch am Dienstag geschlossen. Sie soll erst am Donnerstag wieder öffnen. An der Wall Street begann der Handel freundlich. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und die Technologiebörse Nasdaq gewannen jeweils 0,3 Prozent.

Der große Unsicherheitsfaktor mit Blick auf den Inselstaat im Mittelmeer blieb aus Anlegersicht die im Rahmen des Rettungspakets geplante Zwangsabgabe auf Vermögen. Zwar zeichnete sich ab, dass Kleinsparer von dieser Regelung nun ausgenommen werden. „Aber Anleger fürchten die Signalwirkung“, so Halver. „Die Angst ist, dass das Vorgehen in Zypern künftig als Blaupause für eine Lösung in anderen Ländern dient.“ Finanzwerte zählten vor diesem Hintergrund wie schon am Vortag zu den größten Verlierern europaweit. Der Sektorindex fiel um 1,5 Prozent. Ob und in welcher Form das zyprische Hilfspaket überhaupt zustande kommt, blieb unklar.

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Gefährliche Sorglosigkeit an den Märkten

Die Euro-Krise ist zurück. Mit dem Gerangel um das Rettungspaket für Zypern rückt sie wieder in den Fokus der Anleger. Trotzdem ist die Stimmung an den Märkten noch immer sehr gut – und das ist gefährlich.

Zyperns Regierung ging davon aus, dass die Parlamentarier den aktuellen Entwurf in einer für Dienstagnachmittag anberaumten Abstimmung ablehnen werden.

Kommentare (34)

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Insider

19.03.2013, 07:36 Uhr

Vorbörsliche Kurse sind was für kleine Taschengeldzocker und gehören eher in die Kategorie Nemax all share/Nemax50 der Jahrtausendwende.Die richtigen Umsätze werden wie immer auf Xetra(ab 9.00Uhr) gemacht und ab 14.30 MEZ(USA) in Amerika gemacht.
Da die ZEW´s (11.00 Uhr MEZ) wahrscheinlich wieder zulegen werden, ist aber im DAX eher von steigenden-,als von fallenden Kursen für heute auszugehen.

EU_Endspiel_2013

19.03.2013, 07:44 Uhr

Die Ansteckung beginnt in den Köpfen. In Italien und Spanien glaubt niemand, dass es sich bei Zypern um einen Einzelfall handelt.

clamue

19.03.2013, 07:59 Uhr

Es ist so vorhersagbar: Erst kommt das Problem und damit die Vorsicht, dann kommt die scheinbare Lösung in Form eines wachsweichen Kompromisses und die Börse feiert und vergisst dabei dass die eigentliche Situation immer schlechter wird. Die Börse darf nicht fallen, weil das der Politik einen Strich durch die Rechnung machen würde. Und die Finanzindustrie? Die pusht alle Formen von Aktieninvestments, weil mit Anleihen und damit mit den entsprechenden Fonds kein Geld zu verdienen ist. Ergo, Aktien kaufen bis zum Abwinken. So zumindest die Logik der Branche. Aber ist das auch logisch, in einer Zeit wirtschaftlicher Schrumpfung und sich zunehmend aufbauender Unsicherheit Aktien kaufen? Wahrscheinlich nicht, und Exzesse sind an der Börse noch immer korrigiert worden. Ärgerlich ist nur, dass die Normalanleger wieder einmal über den Tisch gezogen werden. Das Vertrauen in die Branche ist ohnehin schon schlecht, nach dem nächsten Crash ist das Thema dann wahrscheinlich ganz erledigt. Diese Branche ist in ihrer Geringschätzung einfach nur Ekel erregend.

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