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20.03.2013

17:47 Uhr

Börse Frankfurt

Zypern irritiert nicht – Dax erobert 8.000 Punkte

Zypern verliert seinen Schrecken – EZB und Fed sei Dank. Solange die Notenbanken an ihren geldpolitischen Kursen festhalten, glauben sich die Anleger auf der sicheren Seite. Doch wehe sie drehen den Geldhahn zu.

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FrankfurtDie Börsen scheinen den ersten Zypern-Schock gut verdaut zu haben. Der Dax konnte sich schon früh im positiven Bereich etablieren und hielt das Plus bis zum Ende. Bei einem Kurs von 8.002 Punkten schloss das deutsche Branchenbarometer rund 0,7 Prozent fester.

Zur Mittagszeit stieg der Dax sogar auf ein Tageshoch von 8.030 Punkten, nachdem Gerüchte publik wurden, die auf eine baldige Freihabe der EU-Hilfen für Zypern hinwiesen. Medienberichten zufolge würde derzeit ein Verkauf der Cyprus Popular Bank an russischen Investoren durchgespielt. Die zyprische Regierung dementierte diese Meldung umgehend.

Der Verkauf des Finanzinstituts würde rund vier Milliarden Euro in Zyperns Kassen spülen. Dann wären nur noch weitere 1,8 Milliarden Euro nötig, um die EU-Hilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro zu erhalten.

In der zweiten deutschen Börsenliga sah es dagegen durchwachsen aus. Der MDax beendete den Handelstag 0,2 Prozent im Minus auf 13.409 Punkte. Zahlreiche negative Geschäftsberichte MDax-notierter Unternehmen zogen den Index ins Minus. Der TecDax hingegen ging mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 921 Zähler aus dem Handel.

Sentix Marktradar: Gefährliche Sorglosigkeit an den Märkten

Sentix Marktradar

Gefährliche Sorglosigkeit an den Märkten

Die Euro-Krise ist zurück. Mit dem Gerangel um das Rettungspaket für Zypern rückt sie wieder in den Fokus der Anleger. Trotzdem ist die Stimmung an den Märkten noch immer sehr gut – und das ist gefährlich.

An den Börsen glaubt indes kaum einer, dass die EU Zypern fallen lassen wird. „Bisher ist es Europa immer in der letzten Minute gelungen eine Lösung zu finden - so wird es auch dieses Mal wieder sein“, erklärte ein Händler den Kursanstieg. „Die Anleger setzen einfach darauf, dass im Zweifelsfalle die Notenbanken es schon richten werden“, fügte ein zweiter hinzu.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Schon jetzt hilft die Notenbank in Zypern aus. Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen betonte allerdings, dass die EZB nur solventen Banken Notfallliquidität gewähren könne. Die Solvenz der zyprischen Banken müsse aber „als nicht gegeben angesehen werden, wenn nicht bald ein Hilfsprogramm für Zypern beschlossen wird, das eine rasche Rekapitalisierung des Bankensektors gewährleistet“, sagte Asmussen der Wochenzeitschrift „Zeit“. 

Zeit drängt

Zypern sucht nach dem Plan B

Zeit drängt: Zypern sucht nach dem Plan B

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Der Euro konnte vor diesem Hintergrund etwas Boden gut machen. Die Währung stieg am Abend um 0,5 Prozent und wurde mit 1,2948 Dollar gehandelt. Allerdings bleiben einige Marktteilnehmer angesichts der kritischen Situation in Zypern skeptisch. Der weltgrößte Anleihenhändler Pimco hat mittlerweile sein Engagement im Euro reduziert. Die am Wochenende vorgelegten Maßnahmen der Euro-Länder deuteten darauf hin, dass der Weg für Europa noch steiniger werde, sagte Saumil Parikh, Geschäftsführer bei Pimco, Reuters. Die Entwicklung dürfe nicht nur als politischer Fehler betrachtet werden. „Man muss vielmehr erkennen, dass der Euro weit davon entfernt ist, eine perfekte Reservewährung zu sein.“

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

20.03.2013, 09:46 Uhr

"Die Europäische Zentralbank (EZB) versicherte, sie werde die Liquiditätsversorgung der Banken in Zypern im Rahmen der bestehenden Regelungen weiter sicherstellen."

Kaum sind die Bedingungen abgelehnt, fällt die EU um und verspricht weiteres Geld. Kommt dann halt nicht aus dem ESM, sondern gleich von der EZB - nebenbei natürlich zinslos. Dass das Geld bei den quasi insolventen zypriotischen Banken verloren ist und nie zurückgezahlt werden wird - Nebensache. So lässt es sich leben im Irrenhaus EU. Zugleich spielt man ein bisschen Drama, diffamiert Deutsche als Nazis und kolonialisten und kokettiert mit den Russen, wohlwissend, dass sich nun die Amis einmischen, die mit dieser Wendung ihren militärischen Einflussbereich schwinden sehen und ein Machtwort sprechen werden. Deutschland ist ja weiterhin - so Schäuble - kein souveräner Staat.

Hagbard_Celine

20.03.2013, 10:10 Uhr

Ich bin dafür das wir in Zypern nach Massenvernichtungswaffen suchen und zwar umgehen.

Dem Ami briefen wir soweit das es dort Moslems und Rohstoffe (Gas) gibt, das dürfte reichen.

Sibel

20.03.2013, 11:00 Uhr

"Der Leitindex macht wieder dort weiter, wo er vor den Problemen mit Zypern aufgehört hat." Ach, sind die Probleme behoben? Die Gierigen tanzen weiter und treiben die Kurse in die Höhe. Ist doch alles wunderbar, es kann ja nurnoch nach oben gehen. Aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe...

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