Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.05.2015

12:52 Uhr

Börse für Ausländer

Saudis wollen Investoren anlocken

VonMathias Brüggmann

Saudi-Arabien öffnet seinen abgeschotteten Aktienmarkt – so können Ausländer künftig erstmals an Börsengängen saudischer Firmen teilhaben. Doch dem Königsreich macht derzeit einiges zu schaffen.

Dem Königreich brechen die Einnahmen weg - und der IWF warnt: Riad soll die Ausgaben reduzieren. ap

König Salman (rechts)

Dem Königreich brechen die Einnahmen weg - und der IWF warnt: Riad soll die Ausgaben reduzieren.

BerlinDie Revolution in Saudi-Arabien geht weiter: Nach den spektakulären Umbesetzungen in Thronfolge und Regierung vergangene Woche öffnet der Golf-Staat jetzt seinen bisher abgeschotteten Aktienmarkt für Ausländer. Bisher war es für Investoren ohne saudischen Pass äußerst schwer, die im Tadawul-Index von Riad gehandelten Papiere zu kaufen. Und das, obwohl Saudi-Arabien die größte Volkswirtschaft der Golf-Region und der Tadawul der bedeutendste Index ist.

Mit der Öffnung lenkt Riad etwas ab vom dramatischen Wechsel an der Führungsspitze und den dringenden Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Staatsausgaben des weltgrößten Ölexporteurs deutlich zu senken.

Um ein Überspringen der Revolte zu verhindern, hatte Saudi-Arabien nach Ausbruch des Arabischen Frühlings in Tunesien und Ägypten Megaprojekte für mehr als eine Billion Dollar aufgelegt. Dutzende nagelneue Industriestädte, Kliniken überall im Land, Universitäten, Hunderttausende Wohnungen und neue Industrien sollen aus dem Wüstensand gestampft werden. So hoffte Riad, die stark wachsende Gruppe der Jugendlichen im bevölkerungsreichsten arabischen Golfstaat zufriedenstellen zu können. Hinzu kamen massive Lohnerhöhungen für Staatsbedienstete und große Geldgeschenke an das Volk.

Seitdem der Ölpreis sich binnen eines halben Jahres fast halbiert hat, gerät auch Saudi-Arabien, die Vormacht des sunnitischen Islam, unter Druck: „Es besteht großer Bedarf für eine fiskalische Konsolidierung“, sagte der für den Mittleren Osten zuständige IWF-Direktor Masood Ahmed kürzlich in einem Interview in Dubai. „Ausgaben und Staatseinnahmen müssen wieder in eine engere Relation gebracht werden.“ Und die Öleinnahmen müssten besser für künftige Generationen angespart werden.

Die Bilanz der Saudis färbt sich immer stärker rot. Schuld sind nicht nur die massiven Ausgabenprogramme für Megaprojekte - darunter der mehr als einen Kilometer hohe „Kingdom Tower“, das größte Hochhaus der Welt. Auch die steigenden Rüstungsausgaben für den Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat sowie der Militäreinsatz gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen gehen ins Geld. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes auf „Negativ“ gesetzt, da das Etatdefizit deutlich größer ausfallen dürfte.

Die Ölexporte tragen 90 Prozent zu den Staatseinnahmen Saudi-Arabiens bei. Allein im Februar und März hat die Regierung 36 Milliarden Dollar - fünf Prozent der Devisenreserven der Zentralbank - für den Staatskonsum ausgegeben.

Nun will der neue König Salman, der mit den Megaprojekten die saudische Wirtschaft über den Öl- und Gassektor hinaus zu diversifizieren plant, zugleich Ausländer in sein Reich locken. Zum 15. Juni wird der bisher versperrte Aktienmarkt für Ausländer geöffnet. „Wir freuen uns sehr über das dann fließende ausländische Kapital“, begründete der Chef der Kapitalmarktaufsicht CMA, Mohammed Al-Jadaan die Öffnung. Vor allem gehe es Riad um Investments institutioneller Anleger. So dürften Ausländer künftig erstmals an Börsengängen saudischer Firmen teilhaben. Vor allem Frankreich hat die wachsende Bedeutung der Golf-Region erkannt: So nahm Präsident François Hollande vergangene Woche als erster ausländischer Staatschef an einem Treffen des mächtiger werdenden Golf-Kopperationsrats teil.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×