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09.07.2014

10:57 Uhr

Börse Inside

Ist 1:7 zu verlieren negativ für Aktien?

Eine Niederlage, wie das 1:7 der Sele ção gegen die Nationalelf, erschüttert nicht nur die brasilianischen Fußballfans. Sie lastet auch auf der Stimmung von Investoren und Verbrauchern - mit Folgen für den Aktienmarkt.

Eine weinende Brasilien-Anhängerin nach dem verlorenen Halbfinale: Die Niederlage sei zu hoch, um eindeutige Impulse an den Finanzmarkt zu senden, vermuten Finanzexperten. dpa

Eine weinende Brasilien-Anhängerin nach dem verlorenen Halbfinale: Die Niederlage sei zu hoch, um eindeutige Impulse an den Finanzmarkt zu senden, vermuten Finanzexperten.

Ein Verlust Brasiliens bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land wäre gut für die Finanzmärkte des Landes, waren sich Marktbeobachter vor dem gestrigen Tag einig. Denn das würde auf die Stimmung der Bevölkerung schlagen und dazu führen, dass Präsidentin Dilma Rousseff nicht wiedergewählt wird. Rousseff wird von vielen die Schuld daran gegeben, dass die Wirtschaft in eine Stagflation gesunken ist.

Das 7:1 Debakel am gestrigen Abend gegen Deutschland war jedoch so niederschmetternd, dass diese Theorie dadurch ausgehebelt wurde, sagt Geoffrey Dennis, Leiter Schwellenlandstrategie bei der UBS in Boston, der Brasilien seit den 90er-Jahren beobachtet. Zwar rechnet er nach wie vor damit, dass die Chancen Rousseffs auf eine Wiederwahl im Oktober gesunken sind. Gleichzeitig sei das Ergebnis jedoch so einseitig, dass dadurch das Vertrauen von Investoren und Verbrauchern in einem fußballbegeisterten Land erschüttert worden sein könnte, sagt er.

Von der Bewerbung bis zum Anpfiff

7. März 2003

Das Exekutiv-Komitee der FIFA beschließt, die WM-Endrunde 2014 entsprechend des Rotationsprinzips unter den Kontinenten nach Südamerika zu vergeben. Südamerika war zuletzt 1978 mit Argentinien WM-Ausrichter.

3. Juni 2003

Der südamerikanische Fußballverband Conmebol benennt Brasilien, Argentinien und Kolumbien als Kandidaten für die Endrunde. Erst beinah drei Jahre später, am 17. März 2006, legen sich die Conmebol-Mitglieder auf Brasilien als einzigen Kandidaten fest.

31. Juli 2007

Der brasilianische Verband CBF übergibt der FIFA die offiziellen Bewerbungsunterlagen.

30. Oktober 2007

Die FIFA ernennt Brasilien zum Gastgeber der 20. WM-Endrunde.

28. November 2008

Die Polizei stürmt die Favela Santa Marta im WM-Finalort Rio de Janeiro und errichtet die erste von heute 39 Einheiten der Befriedungspolizei UPP in den Armenvierteln.

31. Mai 2009

Die zwölf WM-Austragungsorte werden bekannt gegeben. Von den 17 Kandidaten – Maceió hatte zuvor seine Bewerbung zurückgezogen – blieben Belém, Campo Grande, Florianópolis, Goiânia und Rio Branco außen vor.

1. Januar 2011

Dilma Rousseff tritt die Nachfolge von Luiz Inácio Lula da Silva, der nach zwei Amtszeiten bei der Wahl im Oktober 2010 nicht mehr kandidieren durfte, als Staatsoberhaupt Brasiliens an. Wenig später kommt auch im Sportministerium eine neue Personalie: Am 27. Oktober 201, nur einen Tag nach dem Rücktritt seines Amtsvorgängers Orlando Silva wegen Korruptionsvorwürfen wird Aldo Rebelo neuer Sportminister Brasiliens.

30. Juli 2011

Als erster großer WM-Event fand die Auslosung der weltweiten Qualifikation in Rio de Janeiro statt.

24. Mai 2013

Als letztes von sechs Stadien für den Confed Cup wird das Maracanã in Rio de Janeiro an die FIFA übergeben. Nur Belo Horizonte und Fortaleza hielten die FIFA-Frist zur Fertigstellung Ende Dezember 2012 ein.

20. Juni 2013

Die anfangs gegen steigende Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr gerichteten Demonstrationen gewinnen landesweit an Kraft, breiten sich auf andere Themen wie Bildung und Gesundheit aus und richten sich schließlich auch gegen die WM und deren Kosten. Höhepunkt ist der 20. Juni, als landesweit über 1,25 Millionen Menschen auf die Straßen strömen.

30. Juni 2013

Brasilien gewinnt den Confed Cup, die in sechs Städten ausgetragene WM-Generalprobe, durch ein 3:0 im Finale über Weltmeister Spanien.

25. November 2013

Die Regierung nimmt 14 Bauprojekte an Häfen, Flughäfen und der urbanen Mobilität aus dem WM-Programm, das eine Finanzierung zu günstigeren Konditionen garantiert hätte. Von 55 Bauten, die als sogenanntes Vermächtnis den Verkehr zwischen und in den zwölf WM-Städten verbessern sollten, wurden damit drei endgültig gestrichen sowie die Fertigstellung von 19 Bauten verschoben.

27. November 2013

Bei einem Einsturz eines Baukrans sterben zwei Arbeiter in der WM-Arena São Paulo. Insgesamt kommt es auf den WM-Baustellen zu acht tödlichen Unfällen.

6. Dezember 2013

Auslosung der acht WM-Vorrundengruppen in Costa do Sauípe.

18. Februar 2014

Die wegen Bauverzögerungen zwischenzeitlich vom WM-Aus bedrohte Arena da Baixada in Curitiba wird als Spielort bestätigt. Auch in São Paulo und Cuiabá wird die Fertigstellung der Stadien zum Wettlauf gegen die Zeit.

12. Juni 2014

Anstoß der 20. Endrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft mit der Partie zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien in São Paulo.

„Die Niederlage war eine derartige Demütigung, dass man sich fragt, ob sie nicht eine negative Wirkung auf die Psyche der Brasilianer haben wird”, sagte Dennis im Telefoninterview nach dem Spiel. „Es wird den Leuten bestätigen, dass ihre Wirtschaft herumkrebst, kein Wachstum erzielt werden kann und dass sie jetzt auch keine vernünftige Fußballmannschaft mehr haben.”

Am heutigen Mittwoch sind die brasilianischen Märkte feiertagsbedingt geschlossen. Der Aktien-Leitindex Bovespa hat seit seinem Tief am 14. März 19 Prozent aufgeholt - nicht zuletzt aufgrund von Spekulationen, dass angesichts der sinkenden Popularität von Rousseff eine neue Regierung gewählt werden könnte, die der Wirtschaft wieder auf die Beine hilft.

Unser Reporter in Brasilien: „Wenn die Seleção patzt, dann kracht es“

Unser Reporter in Brasilien

„Wenn die Seleção patzt, dann kracht es“

Zwischen Frust und Vorfreude: In Salvador, erster Spielort der DFB-Auswahl, sind die Menschen hin- und hergerissen. Nur der Erfolg der brasilianischen Elf vermag die Gemüter zu besänftigen – auch wegen hoher Ausgaben.

Weiter unter Druck könnten die Märkte des Landes kommen, sollte es zu größeren Protesten auf den Straßen kommen, während die Popularität der Präsidentin nicht entscheidend leidet, sagt Eamon Aghdasi, ein Stratege bei Société Générale SA in New York. Dies wäre eine „unvorteilhafte Kombination aus strukturellen Bedenken und schwindenden Hoffnungen auf einen Politikwechsel”, erläuterte er.

Dennis, ein britischer Staatsbürger, unterstützte Deutschland beim gestrigen Spiel, da seine Enkelkinder hier leben. Seiner Ansicht nach wird es eine Weile dauern, bis die Brasilianer die psychologische Belastung der Enttäuschung überwunden haben. „Ich rechne nicht mit einer Rally an den Märkten nach diesem Ergebnis”, sagt er. „Brasilien muss diese heftige Niederlage erst einmal überwinden.”

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