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05.07.2013

11:02 Uhr

Börse Kairo

Investoren verkaufen in ägyptischer Aktienrally

In der größten Aktienmarktrally in Ägypten seit mehr als einem Jahr haben ausländische Investoren ihre Positionen verkauft. Sie befürchten, dass der politische Übergang die Konjunkturerholung des Landes verzögert.

Investoren nutzen die Rallye an der Kairoer Börse nach den politischen Umbrüchen und verkaufen massenhaft Aktien. dpa

Investoren nutzen die Rallye an der Kairoer Börse nach den politischen Umbrüchen und verkaufen massenhaft Aktien.

Während heimische Käufe die Aktienbenchmark EGX 30 Index am Donnerstag um 7,3 Prozent nach oben getrieben haben, waren nicht-arabische, ausländische Investoren Nettoverkäufer von Aktien im Volumen von etwa 103 Millionen ägyptischen Pfund (11 Millionen Euro), der höchste Wert seit dem 28. März, wie Daten der Agentur Bloomberg zeigen.

Der kürzlich vereidigte Interim-Präsident Adly Mansour erbt die schlimmste Konjunkturflaute seit zwei Jahrzehnten und das größte Haushaltsdefizit in Relation zum Bruttoinlandsprodukt im Nahen Osten. Ägyptens Ersuchen um einen Kredit des Internationalen Währungsfonds in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar muss noch genehmigt werden, so dass das Land von ausländischen Hilfen abhängig ist.

„Ägyptens wirtschaftliche Rahmenbedingungen bleiben unverändert, insofern gab der Markt ausländischen Investoren eine Chance in die Rally hinein zu verkaufen”, sagt Ahmad Alanani, Direktor für den Nahen Osten bei Exotix Ltd. in Dubai. „Das politische Bild heute ist mehr polarisiert als je zuvor.“

Eine Rally bei den 2020 fälligen ägyptischen Eurobonds im Volumen von 1 Milliarde Dollar drückte die Rendite am Mittwoch um 149 Basispunkte nach unten auf 9,28 Prozent, der größte Rückgang seit Handelsaufnahme der Papiere im April 2010.

Fünfjährige Kreditausfallswaps, die Anleger gegen eine Nicht-Zahlung bei ägyptischen Staatsanleihen schützen, sackten laut CMA-Preisen um 113 Basispunkte auf 787 ab. Die Kontrakte zählen aber immer noch zu den zehn teuersten weltweit.

„Die Mehrheit der institutionellen Anleger wird ihr Pulver trocken halten und die Entwicklung abwarten”, sagt Julian Bruce, Leiter des institutionellen Handels bei EFG-Hermes Holding SAE in Dubai. Ein „positiver Anlagefall für einen gebeutelten Markt” könnte entstehen, wenn die gewalttätigen Proteste enden, erfahrene Politiker die Führung übernehmen und die Vereinbarung mit dem IWF vorangetrieben wird, fügte er hinzu.

In Ägypten steht in diesem Quartal die Rekordsumme von 169 Milliarden Pfund an Rückzahlungen von auf heimische Währung lautende Anleihen an. Das Land muss bis Jahresende zudem etwa 4,4 Milliarden Dollar an Inlandsanleihen zurückzahlen, die in Dollar und Euro denominiert sind. Das entspricht 28 Prozent der ausländischen Devisenreserven und würde ausreichen, um die Importe für etwa drei Monate abzudecken, zeigen Daten der Zentralbank.

Mansour wird mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, die auch die Regierung des abgesetzten Präsidenten Mohamed Mursi lähmten – eine sich verschlechternde Wirtschaft, eine stark steigende Arbeitslosigkeit und anziehende Schulden. Er wird auch mit konkurrierenden politischen Agenden zu tun haben, von den Islamisten, die Mursi unterstützten, und Oppositionsgruppen, die ihm Beschneidung von Freiheiten und Machtmonopolisierung vorwarfen.

Nicht-arabische Investoren haben in den vergangenen drei Tagen Wertpapiere im Volumen von 213 Millionen Pfund abgestoßen, den höchsten Wert seit Juni 2012. Der EGX 30 Index hat in diesem Monat 12 Prozent zugelegt, nach einem Rückgang von 13 Prozent im Juni.

Zwar „gibt es Grund für Optimismus, da die Armee rasch wieder zu einer Zivilregierung zurückkehren will, aber ausländische Investoren bleiben besorgt”, sagt William Jackson, Schwellenländer-Ökonom bei Capital Economics Ltd. „Nach den Ereignissen der letzten zwei Jahre zu urteilen, können politische Unruhen jedoch rasch und unvorhersehbar auftreten.”

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