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27.07.2011

12:09 Uhr

Börse Mailand

Anleger schießen sich wieder auf Italien ein

Das Rettungspaket der Euro-Zone hat Italien vergangene Woche eine Atempause an den Märkten verschafft. Doch die Stimmung kippt schon wieder. In Mailand brechen Bankaktien ein und auch am Anleihemarkt wächst die Skepsis.

Kurstafel an der Mailänder Börse: Es geht wieder abwärts. Quelle: dapd

Kurstafel an der Mailänder Börse: Es geht wieder abwärts.

DüsseldorfDas Vertrauen der Märkte in Italien hat nicht lange gehalten. Eine Woche nach dem Sondergipfel der Euro-Staaten, auf dem Staats- und Regierungschefs neue Rettungsmaßnahmen für verschuldete Staaten beschlossen hatten, befinden sich die Kurse italienischer Aktien und Anleihen wieder auf Talfahrt. Seit Freitag ist der Mailänder Leitindex MIB-30 um 6,5 Prozent zurückgefallen, heute geht es um zwei Prozent abwärts.

Besonders unter Druck stehen nach wie vor die Kurse italienischer Banken. Die Aktien von Intesa Sanpaolo mussten wegen zu hoher Verluste am Mittwoch zeitweise vom Handel ausgesetzt werden und lagen am Mittag noch knapp vier Prozent im Minus. Die Papiere von Unicredit gaben mehr als drei Prozent nach.

Für schlechte Stimmung am Markt sorgten unter anderem Konjunkturdaten. Die Stimmung der italienischen Unternehmer hat sich im Juli den vierten Monat in Folge verschlechtert und fiel auf den tiefsten Stand seit Juni 2010. Die Firmen äußerten sich vor allem skeptischer zu ihren Produktionsaussichten und zum künftigen Neugeschäft.

Die Ratingagentur Fitch verstärkte die Unsicherheit mit einer erneuten Warnung. Nach Einschätzung von Fitch braucht Italien womöglich ein weiteres Sparpaket, sollte die Wirtschaft nicht wie geplant in Schwung kommen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat Sparanstrengungen im Volumen von 48 Milliarden Euro auf den Weg gebracht und will den Haushalt bis 2014 ausgleichen. Die Regierung geht von einem Wachstum in diesem Jahr von 1,1 Prozent aus, bis 2014 soll es sich auf 1,6 Prozent beschleunigen.

„Wenn sich dieser Wachstumsrhythmus nicht materialisiert, muss die Regierung womöglich weitere Maßnahmen bei Steuern und Ausgaben in Erwägung ziehen, um bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen“, erklärte Fitch-Analyst David Riley gegenüber der Zeitung „Corriere della Sera“ vom Mittwoch. Fitch bewertet die Kreditwürdigkeit Italiens mit „AA-“. Anders als Standard & Poor's oder Moody's hat Fitch seinen Ausblick für Italien während der Schuldenkrise in der Euro-Zone bisher nicht verändert.

Am Anleihemarkt nähern sich die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen wieder der Marke von sechs Prozent. Am Mittag rentierten die Papiere mit 5,72 Prozent und damit zwölf Basispunkte höher als am Vortag. Die Rendite zweijähriger Staatsbonds erhöhte sich um acht Basispunkte auf 4,02 Prozent.

Kommentare (7)

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Hanschen

27.07.2011, 12:20 Uhr

Selbst wenn es moralisch, als auch ökonomisch fragwürdig ist, so hoffe ich inständig, dass die Märkte die Eurozone wie einen toten Fisch zerlegen. Es muss koordinierten Widerstand an allen Fronten gegen die EU-Diktatur geben.
Frei nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Profit

27.07.2011, 12:36 Uhr

Ich habe Respekt vor allen (ernstzunehmenden) Analysen, die dem Leser klar machen wollen, daß "Italien" nicht "Griechenland" ist. Alle Kennzahlen und Statistiken würden dies zeigen. Und "da" liegt genau das Problem: "Glaubwürdigkeit". Die Struktur der Wirtschaft ist zwar eine jeweils andere (letztlich eine Binsenweisheit), aber wer traut Italien noch? Sind die Zahlen nicht doch wieder geschönt, manipuliert, gefälscht im Sinne einer "kreativen" Buchführung? Es gibt keinerlei Kontrolle. Selbst Griechenland wird, nachdem es erneut Milliarden zugeschoben bekommt, nicht wirklich kontrolliert. In einem halben Jahr geht das Theater dort wieder von vorne los. Es werden sich wieder neue, andere "Lücken" auftun. Wetten? Das Schlimme: Jeder weiß es! All das wird bei Italien jetzt vorweggenommen. "Mister Dax", Dirk Müller hat Recht: Was interessiert das Gerede von Politikern, Intellektuellen, Volkswirt-Professoren und Journalisten, die eh nur das nachplappern, was andere des Genres vorgesagt haben. Tatsache ist: Der Markt (Das Wissen von Millionen!) glaubt den Beteuerungen nicht mehr. Und dies zu Recht! Der Euro hat keine Überlebenschance. Zu Recht!

Account gelöscht!

27.07.2011, 12:48 Uhr

Italien wird genauso den Bach runtergehen wie Spanien auch. In Italien gibt es derzeit einen Banken Run! Warum schreibt darüber niemand? Nicht nur die Bürger lassen sich ihr Geld auszahlen, sondern auch die Deutsche Bank und anderen Institute schrauben ihre Engagements drastisch runter. Der Sparkurs wird dahingehen nichts nutzen. Die Banken in Italien sind allein nicht mehr in der Lage die Anleihen zu übernehmen und brauchen eventuell bald wieder neues Geld vom Staat. Damit geht die Staatsverschuldung wieder weiter nach oben. Der Euro ist kaputt. Das Vertrauen ist schon längst dahin. Selbst in Deutschland vertrauen laut Umfragen nur noch 13% der Bürger ihrer eigenen Währung. Das sagt doch schon alles. Schluss mit dem Kasperkram, zurück zur DM oder einen stabilen Nord-Euro!

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